Die Stiefmutter sagte vor Gericht aus. Demnach sei das Verhältnis zwischen Vater und Sohn eigentlich nicht schlecht gewesen.
Angeklagt wegen Totschlags44-Jähriger soll Vater im paranoiden Wahn erstochen haben

Vor dem Landgericht Köln muss sich ein 44-Jähriger verantworten, der seinen Vater im paranoiden Wahn erstochen haben soll.
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Mit einem „machetenartigen Fleischermesser“ hatte ein 44-Jähriger im Oktober 2025 auf seinen Vater (80) im paranoiden Wahn und schuldunfähigen Zustand eingestochen, dessen Aorta durchtrennt und so getötet. Anschließend soll der Beschuldigte sich selbst 55 Stich- und Schnittverletzungen in „suizidaler Absicht“ zugefügt haben, wie es in der Antragsschrift hieß. Wegen Totschlags steht der Mann seit August in einem sogenannten Sicherungsverfahren vor dem Kölner Landgericht.
Die Staatsanwaltschaft, die den 44-Jährigen für eine Gefahr für die Allgemeinheit hält, beantragte mit der Verlesung der Antragsschrift die dauerhafte Unterbringung des 44-Jährigen in einer Psychiatrie. Am Mittwoch sagte in dem Prozess nun die Witwe (76) und Stiefmutter des 44-Jährigen als Zeugin aus, die, neben der Schwester des Beschuldigten, als Nebenklägerin auftritt.
Der Beschuldigte soll seit mehr als 20 Jahren psychische Probleme haben
Demnach habe der Beschuldigte seit mehr als 20 Jahren unter psychischen Problemen gelitten. „Ich habe auch mal in seinem Tagebuch gelesen: Nur wirres Zeug steht da drin“, sagte die 76-Jährige. Ihr Mann, auf den sie sonst nichts kommen ließ, habe sich aber nicht wirklich um den Sohn gekümmert. „Ich habe meinem Mann immer gesagt: Eigentlich musst Du Dich um ihn kümmern. Das hat er aber nicht gemacht“, so die Zeugin. Stattdessen sei das an ihr hängen geblieben.
Sie habe versucht, ihrem Stiefsohn eine Struktur zu geben: „Ich habe immer Wochenpläne gemacht, damit jeden Tag irgendwas zu erledigen ist, damit der nicht nur auf der Couch liegt oder am Computer sitzt.“ Zudem hätten Medikamente geholfen, dass der Stiefsohn sich „normal verhalte“.
Der Stiefsohn habe wirres Zeug gesprochen
Auf der Arbeit — dem Geschädigten gehörte bis kurz vor seinem Tod ein Fleischhandelsunternehmen, in dem auch der 44-Jährige beschäftigt war — seien Vater und Sohn gut zurecht gekommen. „Über Persönliches haben die meines Wissens aber nicht gesprochen. Nur auf der Arbeit über die Arbeit“, sagte die 76-Jährige.
Schon vor dem Tattag habe es Anzeichen gegeben, dass der Stiefsohn wieder vermehrt psychotische Störungen erlitten habe. Am Tattag habe es dann einen Anruf des 44-Jährigen bei ihrem Mann gegeben, so die Zeugin. Ihr Mann habe ihr da gesagt: „Der ist wieder voll neben der Kappe.“ „Wirres Zeug“ habe der Stiefsohn gesprochen, habe ihr Mann ihr berichtet. Sie habe dann gesagt: „Wenn das mein Kind wäre, dann würde ich da hinfahren. Dann ist der dahin gefahren und dann ist das passiert.“
Seither macht sich die 76-Jährige Vorwürfe. Zwar seien ihr Mann und der Beschuldigte sich mit einer gewissen Distanz begegnet, das Verhältnis sei aber an und für sich gut gewesen. Von einem Konflikt zwischen beiden habe sie nie etwas mitbekommen, sagte die 76-Jährige auf Nachfrage der Vorsitzenden. Die Staatsanwaltschaft geht hingegen davon aus, dass es einen Streit zwischen Vater und Sohn um dessen Testament gegeben habe. Der Prozess wird fortgesetzt.
