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Helden des AlltagsLeverkusener Tafel rettet Lebensmittel im großen Stil

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Helden des Alltags: Das Team der Leverkusener Tafel rettet Lebensmittel und versorgt gleichzeitig Menschen. Nachwuchs könnten die Ehrenamtler gut gebrauchen.

Helden des Alltags: Das Team der Leverkusener Tafel rettet Lebensmittel und versorgt gleichzeitig Menschen. Nachwuchs könnten die Ehrenamtler gut gebrauchen.

Unsere Reporterin hat das Tafel-Team bei einer Schicht begleitet.

Es ist viel los an diesem Mittwochmorgen um 9.45 Uhr im Bunker der Leverkusener Tafel. Im Büro erledigt der zuständige Mitarbeiter administrative Aufgaben, während der Rest des Teams Kisten bereitstellt, um die erwarteten Waren aufzunehmen, und den Tag vorbereitet. Ein ehrenamtlicher Helfer hat einen Freund mitgebracht, der heute mithelfen wird. Die beiden Studenten drücken den Altersschnitt gewaltig nach unten. Viele der Helferinnen und Helfer sind im Rentenalter oder stehen kurz davor.

Die Kühlwagen rollen bereits seit ein paar Stunden und sammeln bei Bäckereien, Supermärkten und Discountern Lebensmittel ein, die sonst dem Müllcontainer anheimgefallen wären. Die Tafel bewegt rund 80 bis 90 Tonnen Lebensmittel im Monat und wird damit zum Lebensmittelretter im großen Stil.

Während noch die Vorbereitungen vor Ort laufen, kommt der erste Kühlwagen an. Rasch bilden einige Helferinnen und Helfer eine Kette und verräumen so innerhalb kürzester Zeit die gelieferten Lebensmittel. So gut es geht, werden die Sachen sofort sortenrein im Bunker platziert. Einige der Kisten werden an andere Ausgabestellen der Tafel gehen.

Die Tafel verteilt jedes Jahr Weihnachtspakete an bedürftige Menschen.

Die Tafel verteilt jedes Jahr Weihnachtspakete an bedürftige Menschen.

Mitten im Geschehen steht Gudrun Schramm, Schriftführerin des Vereins und die gute Seele, die alles zusammenhält. Meistens ist sie im Büro der Tafel zu finden, schaut aber hin und wieder auch bei den Ausgabestellen nach dem Rechten. Selbst längst in Rente, hat sie mit der Tafelorganisation locker einen 35-Stunden-Job übernommen. „Die Tafel ist wie ein Unternehmen“, erklärt sie. „Es ist eigentlich alles dabei, nur dass wir ehrenamtlich agieren.“ Sie würde sich über mehr jüngere Unterstützung freuen: „Wir sind fast alle in einem Alter, wo die Gesundheit uns schnell einen Strich durch die Rechnung machen könnte“, erklärt sie.

Sind die Waren für den Tag eingetroffen, heißt es sortieren. Das Gemüse und Obst kommt oft in gemischten Körben an. An diesem Tag gibt es eine Besonderheit. Ein ganzer Wagen mit neu zugekauften Waren kommt an. Die Tafel hatte eine Spende erhalten, die ausdrücklich für Lebensmittel bestimmt war. „Das setzen wir dann auch genauso um“, erzählt Schramm. Die Tafel ist auf Spenden angewiesen. Ohne die würde alles zusammenbrechen. „Es bleibt den Spendenden überlassen, ob sie zur allgemeinen Verfügung spenden, oder uns das Geld sachgebunden überlassen.“

In einem der Räume, in dem auch die Küche untergebracht ist, stehen Arbeitsflächen bereit, auf denen die Lebensmittel sortiert werden. Das Obst und Gemüse kommt dann in Transportkörbe. Mindestens zwölf Helferinnen und Helfer sind notwendig, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren. Die Stimmung ist locker und kameradschaftlich. Die überwiegend weiblichen Helfenden verteilen sich auf den Raum. Jede übernimmt einen Bereich, damit man sich nicht auf den Füßen steht.

Svetlana Tsakh (vorne) und Ute Sauer im Lager der Tagel im Wiesdorfer Bunker.

Svetlana Tsakh (vorne) und Ute Sauer im Lager der Tagel im Wiesdorfer Bunker.

Plaudernd und scherzend geht die Arbeit zügig vonstatten. Obst und Gemüse werden begutachtet, aussortiert und sortenrein in die Kisten gepackt. Eintreffende Kühlprodukte landen im Ausgaberaum mit dem großen Kühlschrank, und an einer Seitenwand des großen Küchen-Arbeitsraums finden sich Brot, Brötchen und Kuchen wieder. Während im ganzen Bunker die Lebensmittel sortiert und gestapelt werden, beginnt eine der Damen, das Mittagessen zu kochen.

Nach einer Stärkung bei Nudeln und Soße rückt der Ausgabetermin näher. Das erfordert noch mal administrative Präzision. Jeder Empfangsberechtigte hat einen Schein von der Tafel ausgestellt bekommen. Berechtigt sind Menschen, die unter ein bestimmtes Einkommen fallen. Belegt wird dies durch die Vorlage eines Jobcenter-, Wohngeld- oder BAföG-Bescheids oder durch einen Einkommensnachweis.

Leverkusen: Berechtigte können zweimal pro Woche kommen

Jeder Berechtigungsschein hat eine Nummer. An den letzten Zahlen dieser Nummer können die Menschen sehen, wo und wann sie berechtigt sind, Lebensmittel entgegenzunehmen. Jede berechtigte Person hat zweimal pro Woche die Möglichkeit, sich Lebensmittel zu besorgen. Die Nummern sind im Internet auf der Website bei den Ausgabetagen hinterlegt. So ist garantiert, dass die Lebensmittel gleichmäßig an alle verteilt werden können. Wenn die Berechtigten schließlich vor Ort sind, können sie Wünsche äußern, was sie mitnehmen möchten, und geben ihre Taschen ab.

Mehrere Helferinnen und Helfer laufen dann eine bestimmte Runde ab und füllen die Taschen mit den am Vormittag sortierten Lebensmitteln. Dabei ist Konzentration gefragt. Jeder Läufer bekommt mit der Taschenübergabe einen Zettel mit Informationen in die Hand gedrückt. Darauf: Ausgabenummer der Person, Anzahl der zu versorgenden Personen. Extrawünsche werden ebenfalls weitergegeben.

Der Wunsch wären größere Räumlichkeiten, die wir zu einem fairen Preis anmieten könnten, oder ein Grundstück, auf dem wir etwas Neues errichten könnten.
Gudrun Schramm, Schriftführerin

Und dann heißt es: Laufen. Gemüse, Obst, Kartoffeln oder Nudeln, Kühlprodukte, Brot oder Brötchen, Kuchen, Aufschnitt. Nicht immer ist von allem gleich viel da. Manchmal ist es wenig. Dann gilt es, klug aufzuteilen, sodass es am Ende doch irgendwie reicht. „Oft ist es eine echte Herausforderung“, erklärt die Schriftführerin. „Es kommen viele Menschen zusammen und jeder hat seine individuellen Wünsche und Eigenheiten. Da ist oft auch mal Diplomatie oder auch mal ein klares Wort notwendig.“

An dem Tag ist bereits um 16 Uhr Schluss. Der letzte Wartende geht mit vollen Taschen nach Hause. Dass es heute weniger Menschen waren, die ihre Lebensmittel abgeholt haben, passte gut, denn die Lieferung war an dem Tag auch kleiner ausgefallen. „Da steckt man nicht drin“, erklärt die Rentnerin. Ein Traum der Tafelorganisatoren ist es, den Menschen zu ermöglichen, ihre Lebensmittel selbst auszusuchen. „Wir stellen uns das wie in einem kleinen Ladengeschäft vor“, erklärt Schramm die Vision des Tafel-Teams. „Dafür reicht der aktuelle Platz aber leider nicht aus. Der Wunsch wären größere Räumlichkeiten, die wir zu einem fairen Preis anmieten könnten, oder ein Grundstück, auf dem wir etwas Neues errichten könnten.“

Wenn jemand ein Objekt besitzt und es der Tafel zur Verfügung stellen möchte, kann er sich jederzeit an den Vorstand wenden. Das Gleiche gilt für ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die im Lager anpacken können. Perfekt wäre ein Führerschein für einen 3,2-Tonner.