Vor drei Jahren war Inhaberin Isolde Faust gestorben, ihre Tochter Carolina Hummel nennt vor allem das schlechte Wiesdorfer Umfeld als Grund für die Geschäftsaufgabe.
Wiesdorfer CityLeverkusenes traditionsreiches Dessous-Geschäft „Donna“ schließt

Carolina Hummel hat sich schweren Herzens entschlossen, das Dessous-Geschäft „Donna“ aufzugeben.
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Aus reiner Emotion würde sie den Laden natürlich weiterführen. Weil „Donna“ das Lebenswerk ihrer verstorbenen Mutter ist. Und weil es Kundinnen gibt, die ernsthaft verzweifelt sind über die Ankündigung, dass das traditionsreiche Dessous-Fachgeschäft in Wiesdorf schließen wird.
Es ist eine Vernunftsentscheidung, sagt Carolina Hummel. Und die hat viele Gründe: „Fachgeschäfte haben es schwer in Wiesdorf“, ist die übergeordnete Erklärung. In der Pfarrer-Schmitz-Straße allerdings seit einiger Zeit besonders. Seit es vor genau zwei Jahren im vietnamesischen Restaurant zwei Häuser weiter gebrannt hat, verschandeln große Baugerüste das Bild, es passiere aber nichts. Dazu sei die Straße zwar Fußgängerzone, werde aber als „wilder Parkplatz“ genutzt, sagt Hummel. Keine fünf Minuten später parkt tatsächlich ein Auto vor dem Geschäftseingang, der dann kaum noch sichtbar ist.

Baugerüste und häufiges Wildparken erschweren den Zugang zu den Fachgeschäften. „Wiesdorf lädt nicht mehr zum Bummeln ein“, sagt Hummel.
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Der Tiefpunkt allerdings sei der Weihnachtsmarkt gewesen: Nicht nur, dass die kleine Seitenstraße tagelang als Zufahrtsweg zum Aufbau genutzt wurde. Mit einer großen Losbude und einem riesigen Tannenbaum haben die Veranstalter den Weg in die Pfarrer-Schmitz-Straße fast komplett versperrt, kaum ein Weihnachtsmarktbesucher verirrte sich noch hierher. „Optisch war die Straße nicht mehr existent“, sagt Hummel. Die ansässigen Geschäftsleute schlugen Alarm bei der Stadt, bis hin zum Oberbürgermeister. Daraufhin wurde der Baum ein Stückchen versetzt. Das Weihnachtsgeschäft hat das auch nicht gerettet.
Auf Weihnachtsmarktärger folgt Benzinkrise
Ein Riesenverlust für „Donna“. Als kleines Fachgeschäft kaufe sie nicht auf Kommission und im Januar müsse bereits die neue Herbst-/Winterware für die kommende Saison bestellt und bezahlt werden. Doch wovon, wenn das Lager noch voll ist? Zu diesem Zeitpunkt aber wollte Hummel noch nicht aufgeben. „Ich habe mir gesagt: Ich schaue noch, wie 2026 anläuft.“ Doch dann kam die Benzinpreiskrise. „Wenn Menschen immer mehr in den Tank stecken müssen, dann tut es halt auch mal noch der alte Schlüpper“, fasst sie zusammen. Zudem treffe die aktuelle Wirtschaftskrise anders als vorherige nicht die einfachen Arbeiter, sondern das mittlere und obere Management – ihre Kernkundschaft. Wer seinen Job verliert, geht erst mal nicht shoppen. Und wer keinen Urlaub macht, braucht keinen neuen Bikini.
Zu guter Letzt kommt noch eine Gesetzesänderung hinzu: Ab 2027 müssen alle Geschäfte ein Warenwirtschaftssystem einführen, das den gesamten Warenfluss erfasst. „Das ist relativ einfach, wenn man Waren in S, M, L und XL hat“, sagt Hummel. Sie aber hat BHs in kleinen 70 A-, B-, C-, D-Cups bis zu großen Unterbrustumfängen mit F-, G-, H-, I-, J- und K-Cup. Und allen Zwischengrößen. Jeweils vielleicht nur zwei oder drei Stück, dafür in unzähligen unterschiedlichen Ausführungen. „Für Software in dem Bereich liegen wir bei Kosten von 20 bis 25.000 Euro.“ Lohnt sich die Investition in immer neue Ware und Software noch? Carolina Hummel hat beschlossen: „Ich will lieber jetzt kontrolliert liquidieren, als in zwei Jahren zur Geschäftsaufgabe gezwungen zu werden.“ Eine bewusste Entscheidung fühle sich für sie besser an, als irgendwann zu scheitern.
Isolde Faust starb vor drei Jahren
Das Dessous-Geschäft „Donna“ gibt es seit mehr als 40 Jahren in Wiesdorf, 1991 übernahm es Isolde Faust. Sie war nicht nur eine Fachhändlerin mit Leidenschaft, sondern auch Standortbotschafterin für Wiesdorf und machte „Donna“ zu einem der besten Dessous-Geschäfte in Deutschland. Am 29. April 2023 war sie überraschend an einer Blutvergiftung gestorben. „Wir können unsere Mutter nicht ersetzen, aber wir können ihr Lebenswerk aufrechterhalten“, hatte Tochter Carolina Hummel damals gesagt. Und das hat sie, neben ihrem eigentlichen Job, mit Hilfe ihrer „fantastischen Mitarbeiterinnen“ auch bis heute umgesetzt. Einige Kundinnen begleiten sie bereits in zweiter oder dritter Generation, viele seien traurig, einige sogar verzweifelt.
„Wir vermessen die Kundinnen“, sagt Hummel. „Auch immer wieder neu, wenn sie zu- oder abgenommen haben.“ Das kann kein Online-Bestelldienst. Für viele sei schöne Unterwäsche ein Lustkauf, den man sich nur in guten Zeiten leistet. Gerade bei „schwierigen Größen“ aber habe ein perfekt sitzender BH auch orthopädische Gründe: Nackenschmerzen, Verspannungen bis hin zu Wirbelsäulenverkrümmungen können die Folge fehlender Unterstützung sein. „Aber schön soll er natürlich auch noch aussehen.“

Isolde Faust hatte „Donna“ zu einem der besten Dessous-Geschäfte in Deutschland gemacht.
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Natürlich habe sie auch darüber nachgedacht, ob ein Umzug Sinn machen würde. „Viele haben mir gesagt: Geh doch nach Schlebusch“, erzählt Hummel. Dort haben es inhabergeführte Fachgeschäfte noch leichter als in Wiesdorf. „Wahrscheinlich hätte ich es gemacht, wenn die Zeiten allgemein besser wären.“ Hummel ist sich sicher, dass ihre Mutter vor den gleichen Problemen gestanden hätte. Ob sie sich zu diesem Zeitpunkt auch zu dem Schritt entschieden hätte, sei natürlich Spekulation. „Aber ich denke, sie würde es verstehen.“
Mindestens im Juli wird „Donna“ noch geöffnet sein, vielleicht auch noch ein bisschen länger. „Ich habe keine Eile und will allen Kunden noch die Chance geben, sich zu verabschieden und vielleicht noch ein Schnäppchen zu machen.“ Bevor die Tür für immer schließt.

