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FinanzkriseVHS Leverkusen protestiert gegen Stellenkürzungen

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Laut einer Teilnehmerin gibt es den Musizierkreis an der VHS schon seit 65 Jahren. Auch er könnte von Stellenkürzungen bedroht sein.

Laut einer Teilnehmerin gibt es den Musizierkreis an der VHS schon seit 65 Jahren. Auch er könnte von Stellenkürzungen bedroht sein.

Bis 2036 müsste die Einrichtung bis zu 520.000 Euro im Jahr an Personalkosten sparen, wenn es nach den Vorschlägen der Beratungsfirma PD geht.

Es sind zwei Sätze, die im Grunde das ausdrücken, was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Protestgebung gegen die geplanten Stellenkürzungen an der Volkshochschule wohl alle empfinden. Nachdem schon einige Worte gesprochen sind, tritt eine Frau in der Menge – zwischen 100 und 150 Menschen sind gekommen – ans Mikrofon und sagt: „Ich bin mit meinem Mann seit 48 Jahren verheiratet. Wir haben uns im Englischkurs kennengelernt.“ 

Nun geht es bei dem Protest natürlich nicht darum, dass die VHS als Partnervermittlung bekannt ist, sondern darum, was dahinter steckt: Dass die VHS mehr ist als ein Ort für Bildung, wie Kerstin Elias, die Vorsitzende des VHS-Fördervereins sagte. Sondern ein Ort für Austausch, für Begegnung und für Chancen. Dieser Meinung waren alle, die am Dienstagabend vors Forum gekommen waren.

Zahlreiche Kursteilnehmer und Dozenten protestierten am Dienstagabend vor dem Forum gegen die geplanten Stellenkürzungen.

Zahlreiche Kursteilnehmer und Dozenten protestierten am Dienstagabend vor dem Forum gegen die geplanten Stellenkürzungen.

Elias hatte im Namen des Fördervereins zu dieser Kundgebung aufgerufen, gekommen waren Dozentinnen und Dozenten sowie Teilnehmerinnen und Teilnehmer der VHS-Kurse. Anlass waren, wie bereits in der vergangenen Woche bei der Musikschule, die geplanten Stellenkürzungen an der VHS. Der entsprechende Vorschlag der Beraterfirma PD sieht vor, dass in der Volkshochschule bis 2036 bis zu 520.000 Euro jährlich an Personalkosten eingespart werden sollen. Insgesamt könnten in der Verwaltung bis 2040 766 Jobs wegfallen, denn Leverkusen muss massiv sparen. Der Vorschlag der Beraterfirma hatte hohe Wellen geschlagen.

Und das, so stellte Kerstin Elias dar, hätte natürlich zur Folge, dass Angebote drastisch reduziert werden müssten. Vielleicht sogar bis zu 50 Prozent, stellte sie in den Raum. Das hieße „weniger Begegnung, weniger Bildung vor Ort“. Dabei stärke die kommunale Bildung, deren zentraler Bestandteil die VHS sei, die Gesellschaft.

Kerstin Elias, die erste Vorsitzende des VHS-Fördervereins, machte deutlich, dass mit Stellenkürzungen auch das Angebot drastisch reduziert werden müsste.

Kerstin Elias, die erste Vorsitzende des VHS-Fördervereins, machte deutlich, dass mit Stellenkürzungen auch das Angebot drastisch reduziert werden müsste.

Unter der Frage „Was wäre wenn?“ hatte Elias Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer gebeten, zu beschreiben, was in ihrem Leben ohne die VHS fehlen würde. Welche Geschichte hätte man nicht erlebt, welche Freundschaften nicht geschlossen. „Hätte ich den Kurs nie besucht – was hätte ich verpasst“, habe jemand geschrieben. Oder auch: „Wird Leverkusen jetzt zur Provinzstadt?“

Ein paar Frauen haben Schilder dabei, auf denen sie auf den Musizierkreis hinweisen, den es laut ihnen schon seit 65 Jahren gibt. Andere, die gekommen sind, kennen sich aus Sprachkursen: Dänisch, Englisch, Spanisch, Norwegisch, Italienisch – die Vielfalt ist groß.

Birgit Alderath, die stellvertretende Vorsitzende des VHS-Rates, zeigte auf, dass Kürzungen bei der VHS ihrer Meinung nach auch wirtschaftlich kontraproduktiv seien.

Birgit Alderath, die stellvertretende Vorsitzende des VHS-Rates, zeigte auf, dass Kürzungen bei der VHS ihrer Meinung nach auch wirtschaftlich kontraproduktiv seien.

Birgit Alderath ist die stellvertretende Vorsitzende des VHS-Rates. Sie beleuchtet das Thema noch aus einer anderen Perspektive. Sie sagt, Stellenstreichungen seien auch „wirtschaftlich kontraproduktiv“. Denn die VHS generiere auch Drittmittel, also Förderungen zum Beispiel. Vor allem durch Deutschkurse. Und diese Förderungen kämen der Stadt auch finanziell zugute. Genauso wie andere Unterstützung, zum Beispiel vom Land, die wegfiele, wenn man das Angebot reduziere.

Aber auch Alderath, die auch zu den Klimabotschafterinnen gehört und in diesem Rahmen mit der VHS zusammenarbeitet, betont sehr klar die gesellschaftliche Bedeutung des VHS-Angebotes: Begegnung, Bildung, gesellschaftliche Zusammenarbeit – all das sei die VHS. Sie biete Menschen „Chancen, unabhängig von Einkommen, Bildungsweg und sozialem Hintergrund“.

Ganz hinten steht Günter Hinken, der Leiter der VHS, und schaut sich die Protestkundgebung an. Man befinde sich mit der Stadt in Gesprächen, sagt er. Er meint, dass diese Veranstaltung zeige, dass man nicht nur inhaltliche, sondern auch wirtschaftliche Argumente habe.