Ein Novum: Es gibt keine Klagen mehr gegen Beschlüsse auf vergangenen Hauptversammlungen des Ameluz-Herstellers.
Leverkusener Pharma-AGVorläufiger Friedensschluss unter Biofronteras Großaktionären

Auf der Hauptversammlung von Biofrontera am 20. Juni im Forum hatte es sich angedeutet: Der Kampf der beiden Großaktionäre Deutsche Balaton und Maruho geht zu Ende.
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Die Prophezeiung der grauen Eminenz Wilhelm Zours scheint sich zu bewahrheiten. Auf der Hauptversammlung vor drei Wochen sagte Biofronteras größter Aktionär und Chef des Aufsichtsrates voraus, dass es bald nur noch ums Geschäft gehen werde in der Pharma-Firma. Tatsächlich ist nun immerhin der letzte Versuch gestoppt worden, Beschlüsse auf Hauptversammlungen im Nachhinein zu kippen: Biofronteras zweitgrößter Anteilseigner Maruho habe gerade seine Anfechtungsklage gegen Beschlüsse des regulären Aktionärstreffens am 23. August vorigen und der außerordentlichen Hauptversammlung vom 9. Januar dieses Jahres zurückgenommen, heißt es in Manfort.
Damit ist die Wahl einer weiteren Zours-Vertrauten, Karin Lergenmüller, in den Aufsichtsrat endgültig. Dass die Maruho-Seite ihren Widerstand gegen die Besetzung eines Aufsichtsratsmandats aufgibt, sei Teil eines außergerichtlichen Vergleichs, mit dem ein weiterer Streit beigelegt wurde, hieß es am Montag von Biofrontera: In dem ging es darum, dass Zours die Maruho-Aktien auf zwei Versammlungen von der Abstimmung ausgeschlossen hatte. Damit solche umstrittenen Aktionen künftig nicht mehr passieren, sei „ein Verfahren zur Vermeidung von Stimmrechtsverlusten bei zukünftigen Hauptversammlungen vereinbart“ worden, hieß es am Hemmelrather Weg.
Auch die US-Filiale hatte geklagt
Klagen gegen Beschlüsse auf Hauptversammlungen hatte es zuletzt auch von der mittlerweile abgespaltenen US-Niederlassung gegeben, in der Biofronteras Gründer und Zours-Widersacher Hermann Lübbert erheblichen Einfluss hat. Im April wurde auch dieser Streit mittels eines außergerichtlichen Vergleichs beigelegt. Damit ist auch die Widerklage der deutschen AG vom Tisch.
Verabredet wurde nicht nur, dass die AG ein Mitglied im Board of Directors der Biofrontera Inc. bestimmen kann und es über die Neubesetzung keinen weiteren Streit gibt. Es wurde zwischen Leverkusen und Woburn bei Boston auch verabredet, die Anteile an der jeweiligen Gesellschaft nicht wesentlich zu erhöhen und auch keine zusätzlichen Verwässerungen des Kapitals zuzulassen. Damit könnte man nämlich verhindern, dass AG oder Inc. ihre Beteiligungen halten können, falls das Kapital erhöht wird. Weil beide Gesellschaften immer wieder frisches Geld brauchen, ist das wichtig.
„Wir sind überaus erfreut, dass wir uns mit unseren Großaktionären nun einigen konnten. Die Vergleiche ermöglichen es uns, all unsere Ressourcen und Anstrengungen auf unser operatives Geschäft zu konzentrieren und die langjährigen Unstimmigkeiten im Aktionariat hinter uns zu lassen“, kommentierte Biofronteras alleinige Vorständin Pilar de la Huerta den jüngsten Friedensschluss. Schließlich habe man mit der Ameluz, der Salbe gegen oberflächlichen Hautkrebs, ein „hochwirksames Produkt mit großem Wachstumspotenzial“ im Portfolio. Mit Blick darauf, dass die Therapie in der Regel mit einer Licht-Behandlung kombiniert wird, sieht die seit einem Dreivierteljahr amtierende de la Huerta Chancen, dass Biofrontera „zum führenden Experten bei der Behandlung von sonneninduzierten Hautkrebsformen“ wird.
