Erste Entspannung an den Kitas und Grundschulen, dafür wachsende Probleme an Förderschulen – das zeigt der Bildungsbericht 2025/26.
BildungsberichtWeniger Grundschulkinder, deutlich mehr Förderschüler in Leverkusen

Weiter ist unklar, wie es mit der dringend ausbaubedürftigen Hugo-Kükelhaus-Schule weitergeht.
Copyright: Ralf Krieger
Bildung ist im Haushaltssicherungskonzept der große Elefant im Raum. Hochwertige Kinderbetreuung und Jugendarbeit, moderne Gebäude und außerschulische Bildungsangebote sind teuer. Und wichtig. Deswegen will hier eigentlich keiner sparen, leisten kann sich die Stadt das aber wohl nicht.
Die Zahlen zum Zustand der Bildung liefert jährlich der Bildungsbericht der Stadt, erarbeitet vom kommunalen Bildungsbüro. Besonders auffällig in diesem Jahr: der Anstieg bei den Förderschülern. 529 Kinder besuchen im laufenden Schuljahr eine der drei Leverkusener Förderschulen – im Vorjahr waren es noch 468. Das ist ein Zuwachs von gut 13 Prozent und der stärkste Anstieg aller Schulformen. Auch an den Regelschulen wächst der sonderpädagogische Förderbedarf: An Hauptschulen hat bereits jedes sechste Kind einen solchen Bedarf, an der Sekundarschule ist es jedes neunte.
Problemfall Förderschulen
Daraus werden zwei Tatsachen, die eigentlich allen schon lange bewusst sind, noch einmal deutlich: Der lange verschleppte Ausbau der Förderschulen muss dringend in Angriff genommen werden. Für die Förderschule an der Wupper deutet sich im geplanten Umzug an die Rheindorfer Elbestraße eine Entlastung an – auch wenn es nicht die von der Schulgemeinschaft präferierte Lösung eines Neubaus am bestehenden Standort ist. Völlig unklar ist weiterhin, wie es mit der Hugo-Kükelhaus-Schule weitergeht, die notdürftig an zwei Standorten, teilweise in Containern, unterrichtet wird. Der Ausbau am Standort in Alkenrath ist lange geplant, aktuell soll er von einer Schulbaugesellschaft innerhalb der Levi realisiert werden – die allerdings ist noch nicht einmal gegründet.
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Die zweite klare Botschaft: Auch wenn sehr viele Stellen in der Schulsozialarbeit geschaffen wurden und aktuell 70 Fachkräfte an Schulen und Berufskollegs im Einsatz sind, hält der Bericht fest: Der Bedarf ist höher als das Angebot und wächst weiter. 549 Einzelfallberatungen hat der schulpsychologische Dienst im Schuljahr 2024/25 durchgeführt – 30 mehr als im Vorjahr. Die häufigsten Anlässe: Verhaltensauffälligkeiten, Ängste, Schulverweigerung und Konzentrationsprobleme. Die Bedeutung der Schulsozialarbeit betont auch Silke Ratte, Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft, im Bildungsausschuss. Prophylaktisch, wie sie sagt, falls jemand planen sollte, hier streichen zu wollen: „Uns wird aus allen Schulen gespiegelt, wie wertvoll die Schulsozialarbeiter sind. Die machen einen richtig guten Job, der ist durch nichts zu ersetzen.“ Tatsächlich sieht der Bericht der PD nach Informationen dieser Zeitung vor, vier Vollzeitäquivaltstellen in der Schulsozialarbeit zu streichen.
Geburtenrückgang setzt sich fort
Eine Entspannung im überlasteten Bildungssystem könnte natürlich einsetzen. Denn der Bericht mit Daten zum Stichtag 15. Oktober 2025 zeigt weiterhin einen deutlichen Geburtenrückgang: 2018 kamen in Leverkusen noch 1.633 Kinder zur Welt. 2024 waren es nur noch 1.317. Ein Rückgang von knapp 20 Prozent in sechs Jahren.
Das macht sich zum ersten Mal seit 2016 an den Grundschulen bemerkbar. Damals waren 6156 Grundschüler an den Einrichtungen in der Stadt. Die Zahl stieg seitdem kontinuierlich bis auf 6923 im Schuljahr 2024/25. Im aktuellen Schuljahr sind es nur noch 6880 – 43 Schüler oder knapp 0,6 Prozent weniger als im Vorjahr.
Entspannung in den Kitas
Früher spüren Kitas die Entlastung durch den Geburtenrückgang. Allerdings verfehlt die Stadt weiterhin ihre selbst gesetzte Versorgungsquote von 60 Prozent bei den unter Dreijährigen. Bei den über Dreijährigen entspannt sich das Bild: Stadtweit liegt die Versorgungsquote bei 96,8 Prozent. Auch hier gibt es lokale Ausreißer – Schlebusch-Süd kommt nur auf 43,6 Prozent, die Waldsiedlung auf 40,5 Prozent –, doch der Bericht weist darauf hin, dass angrenzende Bezirke dort einen Teil des Bedarfs auffangen.
Immerhin: Die Personalsituation in den städtischen Kitas hat sich laut Bericht spürbar stabilisiert. Dauerhafte Einschränkungen konnten zurückgenommen werden. Kurzfristige Ausfälle durch Krankheitswellen aber bleiben ein Risiko für die Betreuungssicherheit.
Mehr Jugendliche ohne Schulabschluss
Am anderen Ende der Bildungsbiografie liefert der Bericht eine Zahl, die aufhorchen lässt. Im Schuljahr 2024/25 verließen 66 Schülerinnen und Schüler die Schule ganz ohne Abschluss – im Vorjahr waren es 27. Der Anteil derer, die die Schule ohne jeglichen Abschluss verlassen, ist damit um 1,9 Prozentpunkte gestiegen und liegt nun bei 3,5 Prozent. Zusammen mit jenen, die zwar einen Förderschulabschluss mitbringen, aber keinen anerkannten Hauptschulabschluss, beenden insgesamt 6,5 Prozent der Schulabgänger ihre Schullaufbahn ohne verwertbaren Abschluss.
Die Zahl irritiert die Politiker. Katharina Baarhs, Leiterin des Bildungsbüros, kann den Anstieg auch nicht erklären, aber immerhin beruhigen: „Die Jugendlichen sind nicht verloren, sie werden von der Jugendberufsagentur oder der Agentur für Arbeit begleitet.“ Luer Ebermann, Leiter der Berufsschule für Wirtschaft und Verwaltung, sieht kein Drama in den Zahlen: „Vor 20 Jahren hatten wir etwa 100 und auch bundesweit sind die Zahlen viel höher, das ist für mich keine besonders große Zahl.“ Einen Erklärungsansatz aus seiner Schule liefert er auch: „Wir haben zum Beispiel viele Zugewanderte, die auf die Anerkennung ihrer Abschlüsse warten.“ Dennoch will die Politik diese Entwicklung weiter im Blick behalten.