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Wirtschaftsempfang 2026Unternehmer feiern Leverkusener Vorzeigeunternehmen

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Sandra Lambertz (4.v.l.) und Dieter Mauer (3.v.l.) von Miontec mit den Jurorinnen und Juroren.

Sandra Lambertz (4.v.l.) und Dieter Mauer (3.v.l.) von Miontec mit den Jurorinnen und Juroren.

Die Wirtschaftsförderung hatte zum Wirtschaftsempfang ins Bayer-Kasino an der Kaiser-Wilhelm-Allee eingeladen.

Eine Frau ausschweifender Worte ist Sandra Lambertz offenbar nicht. Zumindest nicht öffentlich. Sehr überrascht sei sie gewesen, als sie erfahren habe, dass die Jury ihr Unternehmen Miontec für den Unternehmenspreis ausgewählt hätte. Und weil das irgendwie auch dazu passt, holte sie wenige Augenblicke, nachdem sie auf die Bühne geholt worden war, ihren Vater und Firmengründer Dieter Mauer ebenfalls auf die Bühne.

Ein Familienunternehmen ist Miontech, eines, das, wie Lambertz knapp sagt, für das steht, wofür auch der Unternehmenspreis stehe: „Innovation, Nachhaltigkeit und ein zukunftsfähiges Leverkusen“. Miontec gibt es seit 1998, das Unternehmen sitzt an der Ernst-Bloch-Straße und beschäftigt mehr als 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Kernkompetenz des Unternehmens liegt im Ionenaustausch in Flüssigkeiten.

Moritz Stradtmann, letztjähriger Preisträger und damit naturgemäß Laudator, erklärt, worum es bei Miontec in großen Teilen geht: um Wasser. Die zukünftig wichtigste Ressource. „Wasser wird einen neuen Preis bekommen“, sagt der Geschäftsmann. Und Sandra Lambertz und ihr Unternehmen hätten das erkannt. Was passiere zum Beispiel mit Wasser, das in Produktionen übrig bleibe? Gehe das in den Abfluss? Ist es Rohstoff? Enthalte es Reste von schädlichen Ewigkeitschemikalien und Medikamenten?

Benjamin Schulz (v.l.), Christian Zöller und Moritz Genschel redeten mit Moderatorin Anna-Lena Kümpel über die Lage der Leverkusener Wirtschaft.

Benjamin Schulz (v.l.), Christian Zöller und Moritz Genschel redeten mit Moderatorin Anna-Lena Kümpel über die Lage der Leverkusener Wirtschaft.

Bei Miontec werde geforscht, experimentiert und neue Verfahren gewagt. „Aber bei Wasser gibt es keine Stangenlösung“, sagt Stradtmann. Miontec müsse für jedes Verfahren, für jeden Fall neue Lösungen finden. Auf dem Firmengelände gibt es dafür diverse Labore, das Unternehmen hält viele Patente. Ein Beispiel: In einem Container spalten die Fachleute Gülle in Dünger und Trinkwasser, wie Dieter Mauer zuletzt auf dem Tag der offenen Tür gezeigt hatte.

Moritz Stradtmann ging ebenfalls darauf ein, was es für Sandra Lambertz wohl bedeuten mochte, als Frau diesen Weg zu gehen. In eine Branche, die nach wie vor stark männlich dominiert ist. Es reiche für Frauen häufig nicht aus, gut zu sein. Sie müssen immer außergewöhnlich gut sein, um anerkannt zu werden: „Frauen müssen immer deutlich besser sein als wir Kerle“, sagte er in die Runde.

Auch wenn die Verleihung des Unternehmenspreises immer der Höhepunkt des Abends im Bayer-Kasino ist, den die Wirtschaftsförderung Leverkusen (WFL) ausrichtet, ist der Wirtschaftsempfang auch immer eine Gelegenheit zum Netzwerken, zum Plaudern und sowohl bekannte als auch weniger bekannte Gesichter zu sehen. Und eine Bestandsaufnahme für die derzeitige Lage der Wirtschaft.

Sie sind mehr als Gewerbesteuerzahler
Stefan Hebbel, Oberbürgermeister

Und die war bekanntlich schon mal besser. Dennoch konzentrierten sich die Rednerinnen und Redner eher darauf, die Standort-Stärken von Leverkusen in den Vordergrund zu rücken, anstatt zu klagen. So wie Annegret Bruchhausen-Scholich, die Aufsichtsratsvorsitzende der Wirtschaftsförderung, die sagte, das Ziel, die Wirtschaft in Leverkusen zu stärken, gelinge mit gelebter Verbundenheit zum Standort.

In eine ähnliche Richtung gingen auch die Grußworte von Oberbürgermeister Stefan Hebbel. Die Wirtschaft sei mehr als die Summe erfolgreicher Unternehmen. Und angesichts des historischen Haushaltsdefizits der Stadt sagte der OB an die Unternehmerinnen und Unternehmer im Saal gerichtet: „Sie sind mehr als Gewerbesteuerzahler. Sie sind Teil der kommunalen Familie.“

Dennoch habe das Haushaltssicherungskonzept, an das Leverkusen die kommenden zwölf Jahre gebunden ist, „drastische Folgen“. Personaleinsparungen, leichte Erhöhung der Gewerbesteuer und eine Erhöhung des Hebesatzes der Grundsteuer B. Hebbel versicherte, all diese Entscheidungen „mit Augenmaß“ getroffen zu haben.

Wenige Gewerbeflächen frei

Die Kommune müsse die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass es für die Unternehmen besser laufe. „Wirtschaftliche Stärke entsteht nicht von allein.“ Und eine starke Wirtschaft sei eben das Fundament für eine starke Stadt, gerade für Leverkusen. „Weniger Bürokratie, schneller werden“ – das sei das, was die Verwaltung leisten könne. „Mehr Zug zum Tor“, fasste der OB zusammen.

Worte, die den Vertretern der Wirtschaftsförderung um die beiden Geschäftsführer Benjamin Schulz und Christian Zöller sowie Moritz Genschel (Leiter Standortentwicklung bei der WFL) gut gefallen haben dürften. Denn das, so wurde es deutlich, sei eben ein großer Faktor dafür, ob Unternehmerinnen und Unternehmer in Leverkusen ihre Zukunft sehen oder nicht.

Den Zahlen nach, die Moritz Genschel, erwähnte, scheint die Stadt nach wie vor ein attraktiver Standort zu sein: Seit dem 1. Januar 2026 habe man Anfragen für gewerbliche Flächen für mehrere hunderttausend Quadratmeter erhalten. Aber: In Leverkusen gebe es kaum noch Flächen, die man für Gewerbe entwickeln kann. Im Innovationspark Manfort seien noch rund 39.000 Quadratmeter unbebaute Fläche frei. Die gute Nachricht schob Genschel allerdings hinterher: Für rund 29.000 davon seien „sehr ernst gemeinte Investorenanfragen“ eingegangen. Ansonsten gebe es noch Hitdorf-Nord und die Solinger Straße zwischen Rheindorf und Opladen.

WFL-Geschäftsführer fordert wirtschaftsfreundliche Haltung

Kreativität ist also gefragt, was die Entwicklung neuer Flächen angeht. Deshalb arbeiten die Wirtschaftsförderung, die Neue Bahnstadt Opladen und die Avea an einem Projekt, das zwar noch in den Kinderschuhen stecke, aber möglicherweise Potenzial bietet: an sogenannten Flächenrecyclingskooperationen. Die Idee: Könne man nicht kleinere Flächen, etwa 1000 bis 1200 Quadratmeter groß, die brachliegen, schwer zu entwickeln, vielleicht von Altlasten belastet sind, für kleinere Vorhaben nutzen?

Grundsätzlich gibt es mehrere Faktoren, die den Unternehmerinnen und Unternehmern derzeit Sorgen bereiten. Das wurde aus einer Umfrage deutlich, die die WFL am Abend noch unter den Gästen vorgenommen hatte. Die gestiegenen Kosten zum Beispiel. Und die Zinsen. Das bestätigt Moritz Genschel: Gestern noch sei ein Vorhaben im Innovationspark deshalb geplatzt, sagte er, weil es nicht mehr bezahlbar gewesen sei.

Dennoch verwies Christian Zöller auf die Stärken, die Leverkusen nach wie vor habe: den Standort zwischen Köln und Düsseldorf am Rhein, den Chempark mit einer jährlichen Nettolohnsumme von rund 1,5 Milliarden Euro, die niedrige Gewerbesteuer. Der Geschäftsführer forderte „eine wirtschaftsfreundliche Haltung“. Dass die sich mit dem Faktor Nachhaltigkeit gar nicht widerspreche, legte Zöller ebenfalls dar: Anfangs hätten die Unternehmen das Gefühl gehabt, sie bekämen das Thema aufgedrängt. Jetzt, wo der Druck in dieser Sache etwas raus sei, komme das von ganz allein, weil die Firmen wüssten: Wenn sie nicht nachhaltig seien, seien sie gar nicht mehr konkurrenzfähig.