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Zwei Leverkusener GroßfamilienBeim Einziehen der Villen ist Geduld nötig

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Inzwischen fehlen die schmiedeeisernen Gitter in der Außenmauer. Haus der Clanfamilie Al Zein in Leverkusen Rheindorf. Auf der Grieße 63. Das haus wurde von der Staatsanwaltschaft eingezogen.

Inzwischen fehlen die schmiedeeisernen Gitter in der Außenmauer am ehemaligen Haus der Clanfamilie Al Zein in Leverkusen Rheindorf, Auf der Grieße 63. Haus und Grundstück gehören dem Land NRW, die Staatsanwaltschaft hat sie eingezogen.

Der Rechtsstaat wehrt sich gegen kriminelle Leverkusener Familien – ihnen ihr illegal erbeutetes Vermögen abzunehmen, ist nicht einfach und  dauert.

Gerichte haben sich in letzter Zeit – zumindest gefühlt – wesentlich konsequenter im Umgang mit organisiert und kriminell arbeitenden Clanfamilien gezeigt. Zwei mit 23 und 26 Jahren noch junge Brüder der stadtbekannten Leverkusener Großfamilie Goman, Giuliano und Christopher, wurden etwa am Kölner Landgericht zu empfindlichen Haftstrafen von über zehn Jahren für ihre Beteiligung an Betrug mit Schockanrufen verurteilt.

Staatsanwaltschaften beschäftigen sich zudem in letzter Zeit öfter mit teuren Häusern und Autos, die die Familien mit Geld aus ihren krummen Geschäften gekauft haben. Können die Inhaber nicht nachweisen, woher der Zaster stammt, mit dem etwa eine Villa oder ein Mehrfamilienhaus oder Luxusautos oder Rolex-Uhren gekauft wurden, kann der Staat die Immobilien oder Wertgegenstände einziehen. 

Beide Leverkusener Clans besitzen Immobilien

Im Verfahren gegen das hochrangige Leverkusener Familienmitglied Michael Goman hatte das Kölner Landgericht in einem Urteil am 28. Mai 2026 angeordnet, dass zwei teure Autos und mehrere Immobilien in Leverkusen eingezogen werden. Darunter ein großes Mehrfamilienhaus an der Von-Ketteler-Straße und eine Wohnung an der Adolfsstraße. Sie wurden mithilfe von Strohmännern gekauft. Wer aber jetzt einen schnellen Vollzug erwartet, wird enttäuscht. Es kann Jahre dauern, bis die Großfamilie ausziehen muss, zeigt der Fall einer anderen Leverkusener Großfamilie, den Al Zeins in Rheindorf.

Inzwischen fehlen die schmiedeeisernen Gitter in der Außenmauer. Haus der Clanfamilie Al Zein in Leverkusen Rheindorf. Auf der Grieße 63. Das haus wurde von der Staatsanwaltschaft eingezogen.  Bild: Ralf Krieger

Das Haus in Rheindorf war im Juni 2021 Schauplatz einer spektakulären Polizeirazzia.

Das Urteil am Düsseldorfer Landgericht gegen mehrere Mitglieder der Familie, in dem auch die Einziehung der 400.000 Euro teuren Villa Auf der Grieße angeordnet wurde, wurde am 22. Dezember 2022 gefällt. Nach mehreren Revisionsverfahren ist es seit Dezember 2025 rechtskräftig. Um die Einziehung kümmert sich  die Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten. Auf Anfrage teilt Staatsanwalt Julius Sterzel mit, dass man derzeit prüfe, wie das Grundstück für das Land NRW verwertet werden soll. Der Staat könne es nicht einfach in Immoscout stellen, so der Staatsanwalt. Das Treueverhältnis gegenüber dem Land gebietet, dass das Grundstück, und damit die Villa nicht unter Preis veräußert werde. 

Von-Ketteler-Straße 46, Haus der Familie Goman  wird laut Gerichtsurteil eingezogen Bild: Ralf Krieger

Von-Ketteler-Straße 46, Haus und Grundstück gehören faktisch der Familie Goman laut Gerichtsurteil wird alles eingezogen.

Und es gibt Mieter. Zurzeit des Prozesses waren das ausschließlich Mitglieder der Al-Zein-Familie. Sie bezogen Wohngeld vom Jobservice; damit wurde vor der Einziehung auch ein Darlehen für die Villa abbezahlt. Jetzt verwaltet die Staatsanwaltschaft die Immobilie, die vor der Einziehung dem Sohn des Clanoberhaupts Badia Al Zein gehört hat. Bei der Einziehung muss der neue Inhaber, also jetzt das Land NRW, die Mietverträge übernehmen. Mit den Mietern fänden parallel Gespräche hinsichtlich eines möglichen Auszugstermins statt, teilt Sterzel mit. Jemanden einfach auf die Straße setzen, das gibt es im Rechtsstaat nicht, auch wenn die Mietverträge vielleicht nicht gültig sind. An der Außenmauer des Grundstücks in Rheindorf fehlen inzwischen die schmiedeeisernen Gitter. Wer sie demontiert hat, ist unklar.

Clan-Oberhaupt Badia Al-Zein war zu sechs Jahren wegen Geiselnahme und Sozialbetrugs verurteilt worden, sein Sohn Mohamed, der ehemalige Eigentümer der Villa, bekam wegen Geldwäsche ein Jahr und neun Monaten auf Bewährung.

Das Eigenkapital für den Kauf des Hauses stammte aus 15 Überweisungen an den Sohn, der im Verfahren zugegeben hat, dass es aus illegalen Quellen stammte. Unklar blieb, woher. Mit diesem sechsstelligen Grundstock und einer Scheinanstellung als Gebäudereiniger erhielt der Sohn einen Sparkassenkredit von einer halben Million Euro für den Hauskauf 2018 in Leverkusen. Kaufpreis waren 650.000 Euro. 2021 wurde das Haus bei einer Razzia durchsucht und die Sache kam ins Rollen.

Ein anders gelagerter Fall ist das Eckhaus Kaiserstraße/Carl-Leverkus-Straße, in dem Mitglieder der stadtbekannten Leverkusener Großfamilie Goman wohnen. Es soll zum zweiten Mal versteigert werden. Das Haus gehört offiziell niemandem aus der Großfamilie, Inhaber ist eine Trierer GmbH; ob der Versteigerungstermin stattfindet, ist unsicher, schon einmal platzte der Versuch, das Haus zu versteigern.

Kaiserstraße 15, hier gibt es gelegentlich Razzien. Foto: Ralf Krieger

Kaiserstraße 15, hier gibt es gelegentlich Razzien. Haus und Grundstück sollen  zwangsversteigert werden.

Bis die Gomans also in Küppersteg und Wiesdorf ausziehen müssen, könnten noch Jahre ins Land gehen. Das deutliche Urteil im Prozess muss man als Auftakt verstehen.