Die 76-Jährige lässt über ihren Verteidiger erklären, dass es sich um einen tragischen Unfall gehandelt habe.
DemenzerkrankungSeniorin aus Wipperfürth wegen Totschlags angeklagt

Eine 76-Jährige soll ihren 83 Jahre alten und an Demenz erkrankten Ehemann im Streit erstochen haben.
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In einem Rollstuhl bringen zwei Wachtmeister die 76 Jahre alte Angeklagte in den großen Schwurgerichtssaal im Kölner Justizzentrum. Ihr linkes Handgelenk ist mit einer Handfessel an die Lehne fixiert. Angewiesen auf den Rollstuhl ist die Seniorin, weil sie bis heute unter anderem an den Folgen eines Herzinfarkts leidet. Seit dem 9. Januar 2026, als sie ihren 83 Jahre alten und an Demenz erkrankten Ehemann im Streit erstochen haben soll, sitzt die Wipperfürtherin in Untersuchungshaft in der JVA in Köln-Ossendorf. Laut Staatsanwaltschaft, die der Frau Totschlag vorwirft, sei das Zusammenleben der Eheleute „in den letzten Jahren insbesondere durch die Demenzerkrankung des Geschädigten geprägt“ gewesen, sagte der Staatsanwalt. Immer wieder sei es zwischen dem Paar zu Streitigkeiten gekommen, bei denen sich die Angeklagte „stets laut aggressiv gegenüber ihrem Ehemann zeigte, während er sich überwiegend passiv verhielt“.
Auch am Tattag sei es zu einer Auseinandersetzung gekommen, in deren Verlauf die Frau zweimal zu ihrem Ehemann gesagt habe: „Ich stech’ Dich gleich ab!“ Im weiteren Verlauf des Streits habe die 76-Jährige einen „scharfkantigen Gegenstand“ genommen und habe ihrem Ehemann in den Brustbereich gestochen. 14 Zentimeter sei die Wunde tief gewesen, wobei auch die Leber verletzt worden sei. Zwar hatte die Angeklagte anschließend die Rettung alarmiert. Doch trotz unmittelbar eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen sei der 83-Jährige noch in der Wohnung an den Folgen seines Blutverlustes verstorben.
Angeklagte sagt, dass sie nicht aus Vorsatz gehandelt habe
Über Verteidiger Michael M. Lang räumte die 76-Jährige ein, „ursächlich für den Tod“ ihres Mannes verantwortlich zu sein, mit dem sie 46 Jahre ihres Lebens geteilt habe. Allerdings behauptete die Frau, dass sie nicht mit Vorsatz gehandelt habe, sondern dass es sich um einen „tragischen Unfall“ gehandelt habe. Demnach habe sie Essen zubereitet und etwas geschnitten, als ihr Mann aufgestanden sei, ohne sich auf seinen Rollator zu stützen. Da sie befürchtet habe, dass er stürzen könne, habe sie versucht, ihn zu stützen. Dabei habe sie aber noch das Messer in der Hand gehabt: „Dabei muss das Messer eingedrungen sein“, erklärte der Verteidiger für die 76-Jährige.
Später habe sie an der Spitze des Küchenmessers ein wenig Blut gesehen und es weggewischt. Warum sie das getan und das Messer zurück in die Besteckschublade gelegt habe, das könne sie heute nicht mehr sagen. Verteidiger Lang berichtete von vielen Gesprächen mit der Mandantin in der Untersuchungshaft. „Sie sagt immer: Er fehlt mir jeden Tag. Ich vermisse ihn“, berichtete Lang. Weiter habe die Mandantin auch immer wieder betont, dass die Eheleute 46 Jahre zusammen gewesen seien und dass sie unbedingt „die 50 Jahre vollkriegen“ wollten.
Die Angeklagte räumte auch ein, dass sie im Streit bestimmt auch mal „Ich stech’ Dich gleich ab“ gesagt habe. Das sei dann aber eher aus der „Dynamik der Situation“ geschehen, erklärte Lang. Ob die Frau den Satz auch am Tattag geäußert habe, ließ der Verteidiger offen. Laut Informationen dieser Zeitung will eine Nachbarin besagten Satz vernommen haben. Die Frau soll als Zeugin gehört werden. Der Vorsitzende Achim Hengstenberg machte im Anschluss an die Erklärung aus seinem Herzen keine Mördergrube: Dass der 83-Jährige der Angeklagten mehr oder weniger ins Messer gefallen sei, erscheine „wenig plausibel“. Der Prozess ist mit drei weiteren Verhandlungstagen bis Anfang Juli terminiert.
