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Kölner Kreisliga-SkandalIm Zweifel für den Angeklagten – Richter erklärt sich

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Die Logos von DFB und FVM auf einem Trikotärmel

Die Logos von DFB und FVM auf einem Trikotärmel

FVM und Gericht haben sich zum umstrittenen Urteil geäußert, das den FC Pesch begünstigt, den SC West in Richtung Abgrund drängt und Schiedsrichter auf die Palme bringt.

Der Skandal in der Kölner Fußball-Kreisliga A, die Dreiecks-Posse zwischen dem FC Pesch II, Olympia Köln und dem SC West, hat in den vergangenen Tagen überregional für Aufsehen gesorgt: Peschs Reserve verlor, dem Abstieg entgegenblickend, am letzten Spieltag der vergangenen Saison beim Stand von 3:4 gegen Olympia in der Nachspielzeit die Nerven. Ein Spieler soll nach einem Platzverweis den Schiedsrichter bedroht haben, der Referee brach die Partie ab.

Zunächst wurde das Spiel 2:0 für Olympia gewertet, doch Pesch wehrte sich gegen den Abbruch und bekam in zweiter Instanz ein Wiederholungsspiel zugesprochen, wurde also trotz der vermeintlichen Bedrohung eines Unparteiischen noch belohnt. Der Schiedsrichter habe nicht alle Möglichkeiten für eine Fortsetzung der Partie ausgeschöpft, hieß es in der Urteilsbegründung. Pesch II gewann das sechs Wochen nach dem regulären Saisonende angesetzte Spiel mit einer Landesliga-Mannschaft 4:2 gegen Olympia und sicherte den Klassenerhalt – stattdessen soll nun der unbeteiligte SC West in die Kreisliga B absteigen.

In der Kreisliga-Posse gibt es fast nur Verlierer

Aktuell gibt es fast nur Verlierer: Marc Martinet, der 19 Jahre alte Schiedsrichter, fühlt sich vom Verband im Stich gelassen und will nie wieder im Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) pfeifen. Olympia bemängelt vor allem seitens des Verbands die fehlende Wertschätzung des Fairplay-Gedankens, ein Instagram-Post zu dem Thema ging viral. Der SC West wehrt sich mit Händen und Füßen gegen den drohenden Abstieg in die Kreisliga B. Der FC Pesch meldet heftige Anfeindungen in sozialen Medien sowie den Absprung von Sponsoren und beklagt eine Kampagne – nach Aussage des Vereins habe im ursprünglichen Spiel keine Bedrohungssituation für den Schiedsrichter vorgelegen.

Auch der Fußballkreis Köln, der FVM und sein Bezirkssportgericht stehen nach den Entscheidungen zugunsten des FC Pesch unter massiver Kritik. Auf Anfrage dieser Redaktion haben sich nun FVM und Norbert Schneider, Vorsitzender des Bezirkssportgerichts I, zum umstrittenen Urteil und dem Wiederholungsspiel geäußert, das den Skandal erst ins Rollen gebracht hatte.

Es konnte nicht „zweifelsfrei festgestellt werden, dass alle zur Verfügung stehenden und möglichen Mittel zur Fortsetzung des Spiels ausgeschöpft“ wurden. Nur dann hätte der Schiedsrichter die Partie abbrechen dürfen. Martinet hatte in seinem Sonderbericht Bedrohungen, Beleidigungen und Spuckattacken detailliert geschildert und einen Zeugen genannt. Auch Spieler und Verantwortliche von Olympia hatten von solchen Vorkommnissen berichtet. Nicht genug für das Gericht – wohl aufgrund der Pescher Aussagen.

Von Richter Schneider heißt es, dass „weder Schilderungen im Sonderbericht als unwahr bewertet noch einzelne Vorfälle grundsätzlich in Abrede gestellt wurden“. Jedoch wichen die Aussagen der Beteiligten „teilweise erheblich voneinander ab“, zudem habe es keine objektiven Beweismittel wie Videoaufzeichnungen gegeben. Deshalb „konnte die Kammer die Voraussetzungen für einen berechtigten Spielabbruch nicht mit der erforderlichen Sicherheit feststellen“. Im Zweifel für den Angeklagten.

Aussage gegen Aussage

Überhaupt sei es nach Auffassung des Gerichts nicht Gegenstand des Verfahrens gewesen, „ob sich der Schiedsrichter subjektiv bedroht gefühlt hat oder ob eine Bedrohungssituation definitiv ausgeschlossen werden kann“. Es ging nur um die oft zitierte „Ausschöpfung aller Mittel durch den Schiedsrichter“. Die Behauptung des FC Pesch, dass ihr vom Platz gestellter und für sechs Partien gesperrter Spieler nur aufgrund eines Formfehlers nicht freigesprochen wurde, widersprach Schneider: „Diese Darstellung ist nichtzutreffend. (…) Die erstinstanzlich ausgesprochenen persönlichen Strafen wurden akzeptiert.“

Letztlich konnte das Gericht wohl kein für einen Spielabbruch ausreichendes Fehlverhalten von Spielern des FC Pesch feststellen, weil Aussage gegen Aussage steht.

Das Urteil hatte vor allem im Schiedsrichter-Wesen für Aufruhr und Kopfschütteln gesorgt. Kabil Azizi, Vorsitzender des Kölner Kreisschiedsrichter-Ausschusses, fand gegenüber dieser Zeitung deutliche Worte: „Es ist ein Schlag ins Gesicht aller Schiedsrichter. Ich möchte nicht die Integrität des Bezirkssportgerichts angreifen. Aber das Urteil hat eine verheerende Signalwirkung. Wir bekommen bereits Anfragen von Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern, die berechtigterweise fragen, ob ich künftig kein Spiel mehr abbrechen darf, wenn ich mich bedroht fühle. Das ist eine traurige Entwicklung.“ Richter Schneider und der FVM sind nicht direkt auf die Kritik eingegangen, das Urteil sei nur eine Bewertung eines Einzelfalls und solle keine grundsätzlichen Leitplanken setzen. „Der FVM und seine Sportgerichte stehen uneingeschränkt an der Seite seiner Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen.“ Viele Unparteiische sehen das derzeit anders.