„Luisa ist hier“Aktion gegen sexualisierte Gewalt jetzt auch bei Bayer 04 Leverkusen

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Andreas Paffrath (Fanbetreuung) Andrea Frewer (Frauen-Notruf), Pia Kuhne (Frauen-Notruf), Daniela Frühling (Fanprojekt Leverkusen) und Sebastian Friedrich (Fanbetreuung).

Hellblau vor Rot-Schwarz: Andreas Paffrath, Andrea Frewer, Pia Kuhne, Daniela Frühling und Sebastian Friedrich (v.l.) stellten die Aktion „Luisa ist hier!“ vor.

Die Aktion „Luisa ist hier!“ soll Opfern sexualisierter Gewalt im öffentlichen Raum Hilfe zuteilwerden lassen.

Wenn die Werkself in dieser Woche in der Bay-Arena gegen die AS Monaco antritt und ums Weiterkommen im Europacup kämpft, dann stehen während des Spiels natürlich Kicker wie Florian Wirtz, Moussa Diaby, Wissam Ben Yedder oder Youssouf Fofana als Superstars im Mittelpunkt. Die Phalanx dieser Marktwert-Monster indes könnte noch von einem anderen Namen durchbrochen werden: Luisa. Luisa hat im Gegensatz zu Wirtz und Co. allerdings nichts mit Geld-, sondern mit menschlichen Werten zu tun. Und die sind zweifelsohne noch wichtiger. Luisa ist der Name einer Aktion gegen sexualisierte Gewalt.

Bislang in Kneipen, jetzt im Stadion

In Leverkusen gibt es diese Aktion schon länger. Ins Leben gerufen von der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt und dem Frauen-Notruf beschränkte sie sich bislang jedoch eher auf Kneipen und die Bierbörse. Dort können sich vornehmlich Frauen, aber auch alle anderen Menschen, die sich belästigt fühlen, mit dem Codewort „Luisa“ respektive dem Code-Satz „Luisa ist hier!“ an das geschulte Personal wenden und erhalten umgehend Hilfe. Bayer 04 – genauer: die Mitglieder der Fanbetreuung und des Fanprojektes – wollten eine solche Aktion auch im Stadion aufziehen. Sie hörten von „Luisa“. Setzten sich mit Andrea Frewer und Pia Kuhne als den Verantwortlichen des Frauen-Notrufs Leverkusen zusammen. Und entwickelten ein Konzept.

Dabei wurden gut 800 Mitarbeitende, die rund um jedes Spiel in der Bay-Arena tätig sind, geschult. Vom Ordnungs- über das Verkaufs- bis hin zum Betreuungspersonal. Und nun wird „Luisa“ eben erstmals im Stadion vorgestellt mit Aufklebern, Infoblättern, Plakaten, Ansteckern, Durchsagen. Sprich: Nicht-Beachten ist unmöglich.

Ziel: Kaskaden-Effekt

Und das ist auch gut so, wie Fanbetreuer Andreas „Paffi“ Paffrath sagt: „Wir setzen auf einen Kaskaden-Effekt. Wir wollen, dass ‚Luisa’ sich herumspricht und von mehr und mehr Menschen im Stadion an- und wahrgenommen genommen wird.“ Und im Notfall sofort zur Umsetzung gelangt. In der Vergangenheit habe es schon entsprechende Vorfälle gegeben. „Etwa vier, fünf pro Saison“, wie Paffrath sagt. Aber die Dunkelziffer sei sicherlich höher, da sich nicht jedes Opfer melde. „Nicht selten aus Scham“, wie Daniela Frühling als Leiterin des Fanprojekts Leverkusen sagt. Die Sozialarbeiterin ist seit Jahren schon sehr umtriebig und umsichtig, was Themen wie sexualisierte Gewalt gegen Frauen beim Fußball angeht und froh, dass es „Luisa“ nun offiziell gibt.

Das Opfer steht im Fokus

Wer sich unwohl fühlt, kann nun also jederzeit eine mit dem hellblauen Sticker gekennzeichnete Person aus dem „Team Luisa“ ansprechen und sich mit dieser an einen geschützten Ort wie etwa der Fankiste zurückziehen. Ganz wichtig: Es gehe darum, erst dem Opfer zu helfen. Nicht darum, den oder die Täter dingfest zu machen. „Das erfolgt im Anschluss“, sagt Paffrath. „Es ist von Belang, sich wirklich auf das Ofer einzulassen.“ Und nicht den Fokus auf eingreifende Mitarbeitende der Polizei oder des Ordnungsdienstes zu legen, während der Mensch, dem es gerade wirklich schlecht geht, danebenstehe.

„Luisa“ wird von nun an fester Bestandteil bei Spielen in der Bay-Arena sein. Mehr Informationen dazu gibt es im Internet. www.frauennotruf-lev.de

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