Abo

Perfekter Schwank für MütterGute besuchte Lesung von Lioba Albus in Leverkusen

3 min
20220908_MW_Älter werden 05

„Scheinbar der perfekte Schwank für alle Mütter“: Lesung in der Stadtbücherei Wiesdorf

Leverkusen – „Es versprach, ein schöner Tag zu werden“, als es „Ding Dong“, an der Tür klingelt: Es sind die längst ausgezogenen Kindern. „Also gut, ein paar Tage könnt ihr bleiben – aber nicht länger“, sind die Worte, mit denen Mila – die Protagonistin aus Lioba Albus Romandebüt „Älter werde ich später“ – den beiden Asyl gewährt. Der Beginn eines heiteren Romans, so frech, emanzipiert und direkt wie die Kabarettistin und Autorin selbst. Auszüge daraus hat Albus am Donnerstag bei einer Lesung in der Stadtbibliothek Leverkusen vorgetragen.

Scheinbar der perfekte Schwank für alle Mütter, erschreckend gut kann sich das fast ausschließlich aus Frauen bestehende Publikum hier nämlich offenbar in die überspitzten Geschehnisse hineinversetzen.

Männergeschichten holen sie ein

Die 59-jährige Mila hat ein erfüllendes Leben, die Kinder waren eigentlich aus dem Haus, sie hat ihren Yoga-Raum und ihre Saunafreundinnengruppe, die viel gemeinsam unternimmt. Dann aber müssen ihr Sohn und ihre Tochter wieder einziehen und Männer aus ihren wilden Jahren verlangen auf einmal wieder Aufmerksamkeit und Antworten auf alte Fragen. Mila ist überfordert. „Müde Menschen machen Fehler“, so fragt sie sich schnell, wie sie die Bagage wieder los wird. Und gibt es vielleicht am Ende doch den Einen, mit dem zusammen das Leben noch ein bisschen federleichter ist?

Das könnte Sie auch interessieren:

Man merkt den verschiedenen kleinen Handlungen des Werkes an, dass Albus, wie sei selbst sagt, eigentlich ihr ganzes Leben lang seit ihrer Schauspielausbildung in München „Quickies“ für Kleinkunstbühnen geschrieben hat. Der Roman ist viel mehr ein Feuerwerk aus Comedy-Bits, die elegant zu einem großen Ganzen verwoben und eingerahmt sind.

Aus dem Grund hat Albus es sich aber zunächst auch gar nicht richtig zugetraut, einen ganzen Roman zu verfassen, verrät sie: „Aber dann habe ich mir einfach eine kleine Pandemie kommen lassen.“ Für die Sauerländerin sei das Schreiben in dieser Zeit eine große Stütze gewesen.

Gefühle kommen wieder hoch

„Mütter sind immer froh, ihre eigene Brut zusehen“, so Protagonistin Mila, „denkt ihr.“ So kommt es in ihrem Roman schnell zu den ersten Differenzen: ob in Sachen Liebesleben, Haushalt oder Hygiene. Beim Anblick von Sohn Leo, dessen Geschäftsidee gerade gescheitert ist und der sich – nachdem sie sich gegenseitig betrogen haben – von seiner schwangeren Freundin getrennt hat und wie selbstverständlich mit einem Hund sein altes Zimmer wieder beansprucht, empfindet Mila fast eine Art Ekel. Laute Lacher füllen die Stadtbibliothek bei Milas animalischen Beschreibungen ihres Sohnes. „Man scheiße Mutter, du hast mich geweckt“, wird sie von ihm direkt am ersten gemeinsamen Morgen begrüßt – mit einem Männerschnupfen. Schon ist Mila diejenige, die sich gassigehenderweise um den Hund kümmern muss: „All die Jahre einer dauerüberforderten alleinerziehenden Mutter, zogen wieder über mich her.“

Mila verabredet sich mit ihren Freundinnen auf ein Glas Rotwein, um die Geschehnisse zu besprechen. „Diese Geschichten über deine Kinder haben immer ihren ganz eigenen Unterhaltungswert“, sagt eine. Das ist auch gleichzeitig das große Erfolgsgeheimnis des Werkes. So lädt „Älter werde ich später“ ein wenig dazu ein, gemeinsam mit einer lustigen Mutter über die Geschichten aus den Leben ihrer Kinder zu lästern, sich zumindest darüber herrlich zu amüsieren. So werden die eigenen kleinen Familienstreitigkeiten plötzlich ganz klein. Mit viel Ironie und Sarkasmus, stellenweise durchaus vulgär, stürzt die alles andere als auf den Mund gefalle Autorin, die fiktive Familie in eine heitere Geschichte, so absurd und nachvollziehbar zugleich, dass sie nur das Leben schreiben kann.