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Prozess in KölnWie eine  Leverkusener Firma eine Schrottimmobilie gewinnbringend verkauft

3 min
Landgericht Köln Bild: Ralf Krieger

Der Eingang zum Landgericht Köln

Die vor dem Landgericht Köln Angeklagten sollen ihre Immobilienbetrügereien aus einer Firma mit Sitz in Leverkusen betrieben haben.

Im Herbst 2021 müssen sich in der Innenstadt von Marl ganz erstaunliche Dinge zugetragen haben. Da muss eine Handwerker-Mannschaft ein großes Gebäude mit projektierten elf Wohnungen für den äußeren Anschein hübsch hergerichtet haben: neue Fußböden, neue Tapeten, frische Farbe auf den Wänden. Ohne Baugenehmigung. Bei der Größe des Gebäudes dürften die Arbeiten länger als ein paar Wochen gedauert haben. 

Im Januar 2022, wechselt das Objekt für 2,05 Millionen Euro den Eigentümer. Die Baugenehmigung liegt weiter nicht vor. Die beiden Käufer, ein Fliesenlegermeister und ein IT-Unternehmer aus dem Münsterland, wollen Eigentumswohnungen aus den teilweise inzwischen vermieteten Wohneinheiten machen und diese gewinnbringend verkaufen. Doch: „Wir haben im Endeffekt eine Ruine gekauft, wo Müll hinter dem Rigips war“, so einer der beiden Käufer am Mittwoch im Landgericht Köln. Dort müssen sich vier Männer und eine Frau verantworten, die unter anderem wegen gewerbsmäßigen Betrugs mit Immobilien angeklagt sind. Sitz ihrer Firma: Leverkusen.

Opfer haben sich täuschen lassen

In den Zeugenaussagen der beiden Käufer wird deutlich, dass sie sich vom schönen Schein der Immobilie haben täuschen lassen. Zwar dringen sie ihren Aussagen nach wiederholt darauf, dass die Verkäufer fehlende Unterlagen nachreichen, insbesondere die fehlende Baugenehmigung. Doch sie glauben den Beteuerungen eines der Angeklagten, man werde sich um alles kümmern. Tatsächlich geschieht nichts.

Der Angeklagte, der als Ansprechpartner fungiert, setzt offenbar darüber hinaus seine mitangeklagte Verlobte als Strohfrau für zwei Firmen ein. Sie fungiert formell als Geschäftsführerin oder Gesellschafterin, hat aber tatsächlich mit den Firmen nichts zu tun. So jedenfalls stellt sie es in einer persönlichen Erklärung, die ihre Anwältin verliest, zu Beginn des Verhandlungstages dar. „Ich schäme mich sehr“, schließt sie ihre Ausführungen.

In Marl entwickeln sich die Dinge ganz anders als von den neuen Eigentümern geplant. Etwa zwei Wochen nach dem Notartermin stellt der Fliesenleger fest, dass „seine“ Mieter bis auf einen Friseur alle wieder ausgezogen sind. Weil sie mussten. Die Stadt hatte dem Treiben in ihrem Zentrum schließlich ein Ende gesetzt und die Nutzung fast des gesamten Gebäudes untersagt. An dem Tag, als die beiden Männer den Kaufvertrag unterzeichneten.

Dass sie Immobilienbetrügern aufgesessen sind, ahnen die beiden da aber immer noch nicht. Über Monate hinweg lassen sie sich von einem der Angeklagten hinhalten. Dann bricht der Kontakt abrupt ab. Erst 2023 beauftragen sie einen Gutachter für Bauschäden. Dieser Mann, der gleichfalls im Landgericht aussagte, stellt erhebliche Mängel beim Brand- und Schallschutz und bei der Wärmedämmung fest. Etwa eine Million Euro müssen die Männer aus dem Münsterland in ihre Immobilie investieren, um sie bewohnbar zu machen. Statt elf hat sie jetzt neun Einheiten, zwei davon Lagerräume. „Wir sind fast pleite gegangen an dem Objekt“, sagt einer der beiden im Gericht.

Der Prozess wird fortgesetzt.