Leverkusen – Einem großen Anteil der Menschen sind sie unsympathisch, bei Naturfreunden und Ökologen sind sie gleichermaßen unbeliebt, manche streiten dafür, sie effektiv zu verbieten.
Schottergärten bieten Tieren (und Menschen) keine Nahrung, sie heizen sich bei Sonneneinstrahlung extrem auf und sie verschlechtern auf diese Weise das Stadtklima. Begrünte Gärten und Beete haben den gegenteiligen Effekt. Inzwischen wirkt es fast wie ein Akt zur Schau gestellter politischer Inkorrektheit, einen solchen Garten anzulegen.

Ein Schottergarten in Leverkusen im Eisholz.
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Dennoch sind Schottergärten gar nicht mal so selten. Der Leverkusener Stadtverwaltung ist daran gelegen, dass es weniger werden, dass insgesamt mehr begrünt wird, wo möglich. Der Chempark-Betreiber Currenta hat Geld gespendet, mit dem ein Versuch gestartet werden soll, um etwas gegen die Steinwüsten zu tun.
Das soll so gehen: Wer umkehren möchte und vom Schottergärtner zum klima-, tier- und menschenfreundlichen Gartenbesitzer werden möchte, kann eine kostenlose Beratung vor Ort von der ökologisch orientierten Landschaftsarchitektin Yvonne Göckemeyer bekommen. Dafür stellt Currenta etwa 5000 Euro zur Verfügung.
Insgesamt gibt Currenta in diesem Jahr 20.000 Euro für Naturprojekte aus, die in Leverkusen gemeinsam mit dem Grünflächenamt verplant werden. 10.000 sind in Blühflächen geflossen, für 5000 Euro wurde ein kurzes Video über die Umgestaltung von Steingärten gedreht und es wurden 2500 Flugblätter gedruckt. Die sollen gezielt in Briefkästen an Häusern geworfen werden, die einen steinernen Garten haben.

Das Flugblatt
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Ulrich Bornewasser von Currenta sagt auf einer kleinen Pressekonferenz im Innenhof des Grünflächenamts am Neulandpark: „Es hat ja keinen Zweck, die an alle Haushalte zu verteilen, in Hochhäusern macht das wenig Sinn." Er wolle versuchen, dafür Pfadfinder zu gewinnen. Wer nicht darauf warten will, bekommt das Flugblatt auch im Nachbarschaftsbüro Chem-Punkt an der Friedrich-Ebert-Straße.
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Ulrich Hammer vom Grünflächenamt erklärt, wie die Wandlung einer Wüste in eine Oase funktionieren kann: Die Steine können meist sogar liegen bleiben. „Man nimmt Pflanzen, die so dicht wachsen, dass es das Unkraut sehr schwer hat, zum Beispiel die Elfenblume.“ Die braucht aber etwas Schatten, für Schotterflächen, die in der prallen Sonne liegen, gibt es passende Pflanzen, die die Hitze aushalten.
Hammer ist Landschaftsarchitekt und er räumt mit einem Vorurteil über Schottergärten auf: „Die sind gar nicht so pflegeleicht. Zuerst vielleicht schon, aber nach ein paar Jahren kommt zwischen den Steinen Unkraut, das sieht nicht gut aus.“ Dass Steingärten oft durch Gießen mit glyphosathaltigen Produkten Leverkusener Unternehmen unkrautfrei gemacht werden, kommt bei der Pressekonferenz nicht zur Sprache. Der Pflegeaufwand sei bei einem fachkundig bepflanzten Garten auf keinen Fall höher.

Der Parkplatz am Campus in der Bahnstadt mit Schotterbeeten.
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Ulrich Hammer glaubt, dass die grauen Gärten eine Modeerscheinung sind. Das komme in Wellen, sagt er. In den 70er Jahren hatten viele statt Schotter Kiesel im Garten liegen.
Dennoch, auch die Stadt selbst ist nicht davor sicher, dass auch auf öffentlichen Grundstücken Steine liegen statt Grünes wächst: Zum Beispiel wurden in der Bahnstadt in Beeten auf dem Campus-Parkplatz absichtlich aus gestalterischen Gründen Bahnschotter ausgelegt; ein Fehler ausgerechnet in einem Hitze-Problembezirk, der bis heute nicht korrigiert wurde.



