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Leverkusener Schriftsteller„Kreativität fließt von allein aufs Blatt? Quatsch!“

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sensenhammer schreibwerkstatt

Autor Christian Linker bei der Kinder-Schreibwerkstatt im Sensenhammer.

Leverkusen – Früher, erzählte der Leverkusener Schriftsteller Christian Linker bei der Kinder-Schreibwerkstatt im Schlebuscher Industriemuseum Sensenhammer, habe er geglaubt, dass nur das eigene Talent dafür ausschlaggebend sei, einen Roman zu schreiben. „Die Kreativität fließt von allein aus dem Kopf aufs Blatt“, so die Vorstellung. „Doch das ist Quatsch.“

Den vier Teilnehmerinnen und Teilnehmern seiner Schreibwerkstatt, Moritz, Justus, Zoe und Paula, zeigte Linker am Dienstag und Mittwoch, wie aus kreativen Ideen ganze Romane werden können.

Sinneswandel nach Schreibkrise

Linker schreibt seit vielen Jahren erfolgreich Kinder- und Jugendbücher. Dass Schreiben auch ein Handwerk ist, realisierte er zum ersten Mal, als er in einer Krise steckte. Nach seinen ersten Jugendbüchern wendete er sich einem neuen Thema zu: Er wollte über eine junge Frau schreiben, die sich radikalisiert und als Gotteskriegerin in den Dschihad zieht, erzählt er. Doch das Buch scheitert: „Mein Lektor sagte mir: Das ist das schlechteste Buch, dass du je geschrieben hast.“

Nach dieser Enttäuschung beschloss Linker, die Idee vom genialischen Autor beiseitezulegen und an seinem Schreiben zu arbeiten. Er besuchte Schreibkurse, schaute sich viel von Drehbuchautoren ab, die sich intensiver mit dem Handwerk des Geschichtenerzählens auseinandersetzen würden. Mittlerweile gibt er selbst Kurse und sagt: „Schreiben ist eine Mischung aus Talent und Handwerk. Und das Handwerk kann man lernen.“

Sensenhammer dient als Inspiration

Wie das geht, zeigte er den vier Kindern am Dienstag, auf deren Probleme beim Schreiben Linker individuell einzugehen versuchte. Zunächst erzählten sie von ihrer Leidenschaft für das Geschichtenerzählen und von den Schwierigkeiten, die ihnen dabei begegnen: Wie lassen sich die vielen Ideen, die einem im Kopf herumschwirren zu einer funktionierenden Geschichte zusammenstricken? Wie erzeugt man Spannung? Wie verleiht man seinen Figuren Tiefe?

Christian Linker hatte keine maßgeschneiderten Antworten parat, versuchte den Kindern aber mit Übungen einen Pfad aufzuzeigen, wie sie ihr Schreiben selbstständig verbessern können. Das Industriemuseum mit seinen Fabrikhallen, den alten, skurrilen und interessanten Gegenständen, die dort zu finden sind, diente dabei als Inspirationsquelle.

„Man muss die Regeln kennen, um sie brechen zu können“

So sollten die Kinder sich Gegenstände suchen, auf deren Grundlage sie eine Erzählung entfalten. Bei Moritz etwa wurde aus einem alten Hufeisen eine epische Schlacht zwischen Gut und Böse, in dessen Zentrum das glücksverheißende Hufeisen steht.

Ein „MacGuffin“ sei das, erklärte Linker: Ein Gegenstand, der eine Geschichte erst motiviert. „So wie der Ring in ‚Herr der Ringe‘, der die friedlichen Hobbits erst dazu bewegt, aus ihrem beschaulichen Auenland loszuziehen und Abenteuer zu erleben.“ Wichtiger als sagenumwobene Gegenstände und epische Schlachten seien aber die Figuren: „Innere Kämpfe sind für eine gute Geschichte meist entscheidender als äußere Kämpfe“, so Linker.

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Der Schriftsteller stellte den Kindern außerdem das Konzept der Heldenreise vor: eine prototypische Erzählstruktur, die als Leitplanke für das Plotten von eigenen Geschichten dienen kann – vom Ruf des Abenteuers, über Bewährungsproben bis zum Entscheidungskampf. Linker sagte aber auch: „Man muss die Regeln kennen, um sie brechen zu können.“

Ihm selbst habe es sehr geholfen, sich mit den handwerklichen Seiten des Schreibens auseinanderzusetzen. Mit dem Wissen ausgestattet, setzte sich Linker Jahre später noch einmal an sein einst gescheitertes Buchprojekt. „Dschihad Calling“ sollte eines seiner erfolgreichsten Bücher werden. Man darf also gespannt sein, zu welchen Buchprojekten die Schreibwerkstatt die vier jungen Teilnehmer motivieren wird.