Um sich Gehör zu verschaffen, hatten Hitdorfer Eltern das Mittel der Bürgerfragestunde im Stadtrat wiederbelebt.
Streit um SchulplätzeEltern sind enttäuscht vom Leverkusener Stadtrat

Dustin Flock trägt seine Bürgerfragen dem Stadtrat vor.
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„Ich bin sehr enttäuscht vom Leverkusener Stadtrat.“ Mit diesen Worten verlässt Dustin Flock gemeinsam mit acht Mitstreitern den Ratssaal. Im Namen einer Interessenvertretung von Eltern aus Hitdorf hatte er zwei Fragen für eine Bürgerfragestunde im Stadtrat eingereicht. Vorab stellte Verwaltungsmitarbeiterin Susanne Weber klar, dass es dazu keine Aussprache mit den Stadtratsmitgliedern geben wird. Schon das hatte zu Ärger bei den Eltern geführt, sie hätten gerne gewusst, wie die Fraktionen zu dem Thema stehen.
Das Thema ist die Ablehnung von 28 Hitdorfer Schülern am Monheimer Otto-Hahn-Gymnasium. Obwohl der Schulleiter signalisiert hat, dass er eine weitere Eingangsklasse zur Aufnahme der Leverkusener Kinder aufmachen könnte, lehnt die Monheimer Stadtverwaltung das mit Verweis auf zusätzliche Kosten ab. Die Stadt Leverkusen lehnt eine Kostenbeteiligung ab.
So trug Flock seine Fragen an Stefan Hebbel vor: Warum der Oberbürgermeister eine „lösungsorientierte Sachkostenbeteiligung“ ablehne, zumal für die Stadt nun zusätzliche Fahrtkosten für die Kinder anfallen, will er in seiner ersten Frage wissen. Hebbel greift auf die von Monheim kommunizierten Kosten von 1000 bis 1500 Euro pro Schüler im Monat zurück – dagegen seien die 49 Euro Fahrtkosten, mit denen sich die Stadt an einem Schülerticket ab 3,5 Kilometern Schulweg beteiligt, ein kleiner Betrag. „Wenn ich die Plätze in der Stadt nicht hätte, müsste ich das Geld aufbringen“, sagt Hebbel. „Da ich die Plätze hier anbieten kann, auch ohne zusätzliche Container, wäre das eine freiwillige Aufgabe, das darf ich nicht.“ Damit komme Leverkusen auch der Pflicht zur Sicherung wohnortnaher Bildung nach, antwortet Hebbel auf die entsprechende zweite Frage.
Zweifel an den Kosten
Dass ein Schulplatz die Stadt Monheim so viel Geld kostet, bezweifeln die Eltern im Nachgang. Laut Statistischem Bundesamt verursacht ein Schulplatz an einem Gymnasium im Schnitt Kosten von rund 10.500 Euro pro Jahr. Darin sind auch Personalkosten enthalten, die vom Land getragen werden, und Investitionskosten, die in Monheim nicht anfallen würden, da die Schule angibt, ausreichend Raum für eine zusätzliche Klasse zu haben. „Die verbleibenden Sachkosten können also kaum bei mindestens 12.000 Euro pro Jahr liegen“, sagt ein Vater. Die Interessengemeinschaft hat bei Monheims Bürgermeisterin Sonja Wienecke eine Kostenaufschlüsselung angefragt.

Die Eltern im Publikum sind während der Fragestunde aufgestanden, um ihre Unterstützung zu signalisieren.
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Eine Nachfrage wird Flock gewährt. Er will wissen, ob die Stadt weitere Gespräche mit Monheim führen oder gar ein Moderationsverfahren bei der Bezirksregierung anstreben will: „Frau Wienecke hat uns gegenüber Gesprächs- und Verhandlungsbereitschaft erklärt. Sind Sie auch gesprächsbereit?“, fragt Flock Hebbel direkt. Der gibt zurück, er habe aus Monheim „keine Gesprächsbereitschaft vernommen“, kritisiert im Gegenzug, dass Monheim nicht nach Leverkusen kommuniziert habe, dass durch einen neuen Stadtratsbeschluss die viele Jahre gelebte Praxis gefährdet sei.
Keine Gesprächsgrundlage
Auch Schuldezernent Marc Adomat sieht „keine Variablen, die wir verhandeln könnten“. Alle Kinder würden einen Platz an einem Gymnasium bekommen. Tatsächlich haben alle 28 in Monheim abgelehnten Kinder mittlerweile eine Zusage an ihrer Leverkusener Wunschschule bekommen, entweder dem Landrat-Lucas- oder dem Lise-Meitner-Gymnasium, an dem kurzfristig eine weitere Eingangsklasse gebildet wurde. „Das freut uns natürlich, dafür mussten hier aber Kinder abgelehnt werden, die jetzt ebenfalls weite Wege an eine andere Schule auf sich nehmen müssen“, weiß ein Vater zu berichten.
Dennoch ist Flock froh, die in Vergessenheit geratene Möglichkeit der Bürgerfragestunde genutzt zu haben. Mehrere Eltern hätten auf ihre Anfrage nach einem Termin zu diesem Thema in Hebbels Bürgersprechstunde eine Absage erhalten. „Das war die jetzt einzige Möglichkeit, uns Gehör zu verschaffen“, sagt Flock. „Mit Frau Wienecke konnten wir sprechen und sie hat uns gesagt, dass sie nur ein Entgegenkommen aus Leverkusen braucht“, sagt ein weiterer Vater. Die Eltern verlassen die Ratssitzung mit dem Gefühl, letztendlich doch nicht ernsthaft gehört worden zu sein.

