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Start-FestivalUri Caine macht im Opladener Club aus Wagner Kaffeehausmusik

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Uri Caine am Klavier.

US-Jazzer mit Faible und Händchen für Wagner: Uri Caine. 

Der US-Jazzer Uri Caine und sein Ensemble gastieren im Scala, um Wagner zu spielen. Ungewöhnlich. Unerhört. Und unglaublich gut.

Richard Wagner ist einer der populärsten Komponisten des Landes. Und einer der umstrittensten seiner Zunft. Die auf die Spitze getriebene und bis zur letzten Note mit Kalkül arrangierte Gewalt und Wuchtigkeit seiner Werke machte Adolf Hitler und seine Nazi-Schergen ebenso wenig verwunderlich wie erwiesenermaßen zu glühenden Anhängern. In Wagners Opern tunmeln sich zudem durchaus verinzelt Figuren, die antisemitische Züge tragen. Weshalb viele Menschen Wagner zwar lieben ob der eindringlichen und zu Herzen gehenden Epik seiner Musik. Weshalb ihn aber auch viele Menschen abgrundtief hassen. Und dann kommt da beim „Start-Festival“ der Bayer-Kultur mit Uri Caine ein Star-Jazzer und widmet Wagner einen ganzen Abend?

Außergewöhnliches im Club

Ja. Genau so ist es. Und es ist weder verwerflich. Noch ist es zum Hassen. Denn da ist nicht nur die Herkunft dieses US-Akmerikaners – Caine stammt aus einer jüdischen Familie. Da ist auch sein Umgang mit der Wagner'schen Musik. Der ist so derart außergewöhnlich, dass am Ende ein Konzert steht, das beeindruckt. Caine hat sich ein Streichquartett sowie einen Akkordeonisten zusammengesucht, sich selbst ans Klavier gesetzt – und Wagner-Kompositionen von „Tristan und Isolde“ über „Lohengrin“ bis zum „Tannhäuser“ in das Gewand von Kaffeehausmusik überführt. Und er spielt das dann als Uri Caine & Friends den Zuhörenden in der eher legeren Atmosphäre des Opladener Scala-Clubs vor.

Die Idee zu diesem Projet sei ihm gekommen, als er in Venedig zufällig in jenes Café geraten sei, in dem Wagner auf seine alten Tage stets Tagebuch geschrieben habe. „Dort spielte ein Ensemble wie dieses stets Musik für die Gäste.“ Und er, Caine, habe sich gefragt, wie das wohl klingen würde, wenn Wagners Mega-Musik einmal so arrangiert und zum Besten gegeben würde.

Das Ergebnis ist an diesem Abend in Opladen zu erleben: Caines Geistesblitz und Kreativität sowie die Genialität seines Ensembles nimmt Wagner den Schrecken, die Gewalt, das Überhöhte und mitunter emotional völlig übers gesunde Maß Hinausschießende und hinterlässt Stücke, die eher tänzerisch, geschmeidig daherkommen. Und stets voller Humor. Der Walkürenritt am Ende klingt eher nach Volksfest und Ringelpietz, denn nach Wut und Wahnsinn. Und Caine schafft etwas, das selten ist: Er lässt Menschen lächeln und lachen. Herzlich. Zu Wagner. Wer hätte das schon gedacht?