Im PaRoLi-Land gibt die SB24 den Takt vor. „Der Bus kommt in fünf Minuten“, ruft einer. Schnell stellen die in weißen Superheldenshirts Gekleideten ihre Kölschgläser ab und packen die Kinder in die Bollerwagen. Die flotten Karotten setzen die Hüte auf, der Spielmannszug greift zu den Instrumenten.

Die flotten Karotten aus Lützenkirchen.
Copyright: Michael Wand
Nein, sie warten hier am Landhotel May-Hof nicht auf den Schnellbus, weil sie einsteigen möchten. Sondern weil sie direkt nach der Busdurchfahrt die Burscheider Straße für sich in Beschlag nehmen. Auch acht auf Hochglanz polierte Traktoren schmeißen knatternd die Motoren an: Nach zwei Jahren Pause geht er wieder: Der traditionelle Zug zum nunmehr 70. Dorffest der Bergisch Neukirchener Stadtteile Pattscheid, Romberg und Linde (PaRoLi) zum diesjährigen Superhelden-Motto der "PaRoLivengers".
Das könnte Sie auch interessieren:
Es ist ein bisschen wie Mini-Karneval: Eine kleine Abordnung des Bayer-Spielmannszug vorne weg, zwei Wagen mit dröhnender Musik, nur fliegt neben dem traditionellen Wurfmaterial den Temperaturen entsprechend auch Wassereis zu den Wartenden am Straßenrand. Alle 20 Minuten legt der Zug eine Pause ein. Zum Verschnaufen für die Teilnehmer - und damit der nächste Schnellbus passieren kann. Die lange Schlange an zuweilen stark irritierten Autofahrern danken es ebenfalls.

Das Königspaar: Christin und Sascha Lülsdorff mit Tochter Clara.
Copyright: Michael Wand
Martina und Sebastian Gierse gehen mit ihren Kindern Julian (6) und Jana (4) mit. Die Kleinen sind hochkonzentriert mit ihrem Wurfmaterial zu Gange und können nicht antworten. Für die Mutter ist es der Höhepunkt einer ereignisreichen Zeit, als Freunde des aktuellen PaRoLi-Königspaares Christin und Sascha Lülsdorff haben sie das Fest mit vorbereitet. „Es war auch einfach schön, mal wieder aktiv Leute zu treffen, Pläne zu schmieden und umzusetzen“, sagt Martina.
Vier Tage Party
Vier Tage lang wird auf dem Festplatz in Pattscheid gefeiert, von der „Warm-up-Party“ am Freitag über den Festzug mit abendlicher Tanzparty am Samstag, dem auf die Kinder ausgerichteten Sonntag bis hin zum Krönungsball für das neue Königspaar am Montagabend.

Kamelle vom Festwagen,
Copyright: Michael Wand
Viel Aufwand für die 800 Mitglieder starke Dorfgemeinschaft, die das Fest ehrenamtlich auf die Beine stellt. Vom massenhaften Erdbeerenschneiden für die traditionelle Bowle bis hin zur über Monate liebevoll erstellten Festzeitschrift. Und wie überall werden auch in Pattscheid die ehrenamtlichen Helfer weniger. Deswegen ist der 1. Vorsitzende froh, ein junges Königspaar gefunden zu haben. „Das ist kein riesiger finanzieller Aufwand, aber man muss schon viel Zeit investieren“, sagt Frank Reckmann.
Zu frühe Sperrstunde
Und auch wenn das digitale Dorffest mit in die Gärten übertragenen Spielen und einem mobilen Cocktailwagen ein voller Erfolg war: Dass jetzt jeden Abend mehrere hundert Menschen im Zelt auf dem Festplatz feiern und hier mal wieder „richtig die Post abgeht“, das sei alle Mühe wert gewesen. Nur eins ärgert die Organisatoren: Dass sie um 1 Uhr Schluss machen müssen, während beim Summerjam in Köln um 3 Uhr die Musik noch dröhnt. „Wir hätten auch Kraft bis 3 Uhr. Oder auch 4 Uhr“, betont Udo Wötzel.



