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Weideaustrieb am Imbacher BauernhofDie Freude von 200 Leverkusener Milchkühen ist ansteckend

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Arla-Landwirtin Anne Wieden aus Neukirchen lässt ihre 200 Milchkühe nach der Winterpause im Stall hinaus auf die Weide.

Landwirtin Anne Wieden aus Bergisch Neukirchen lässt ihre 200 Milchkühe nach der Winterpause im Stall hinaus auf die Weide.

Der Weideaustrieb ist für Landwirte und vor allem deren Nutztiere ein ganz besonderer Tag: Ab sofort dürfen sie wieder auf die Wiese.

Sie muhen laut und erregt, springen wie ein Bock in die Höhe, tollen auf der hoch gewachsenen Wiese miteinander herum und zeigen sichtlich ihre Freude: 200 Milchkühe des Imbacher Bauernhofs in Bergisch Neukirchen durften am Donnerstagmorgen nach langer Winterpause wieder auf die Wiese. Weideaustrieb heißt dieses besondere Ereignis, zu dem die Landwirtin Anne Wieden traditionell die Presse und einige Nachbarn eingeladen hatte.

Denn: Der Weideaustrieb ist in skandinavischen Ländern ein bedeutendes landwirtschaftliches und kulturelles Event, das auf Schwedisch „Kosläpp“ (Kuh-Loslassen) genannt wird. In Deutschland würde eher der Weideabtrieb (oft auch Viehabtrieb oder Almabtrieb genannt), das Zurückbringen von Nutztieren wie Kühen, Schafen oder Ziegen von den Sommerweiden oder der Hochalm zurück in die Ställe im Tal, zelebriert.

Arla-Landwirtin Anne Wieden und ihre Kühe

Arla-Landwirtin Anne Wieden und ihre Kühe

Seit September hatten die 200 Kühe in ihrem Stall auf dem Imbacher Bauernhof verbracht, der in vierter Generation seit 2019 von Anne Wieden und ihrer Familie betrieben wird. Die studierte Agrarwissenschaftlerin produziert Milch für die große dänisch-schwedische Molkereigenossenschaft „Arla Foods“. „Eigentlich war der Weideaustrieb erst nächste Woche geplant, aber wir haben den Termin vorgezogen, weil schon viele warme Tage da waren und der Boden nun gut begehbar für die Tiere ist“, erklärt die 34-Jährige. „Die Kühe hatten richtig Lust, rauszugehen.“

Der Weideaustrieb markiert in der Landwirtschaft traditionell den Startschuss in die Sommermonate und ist daher etwas ganz Besonderes auf dem Bauernhof. Viele Mitarbeitende und einige Nachbarn sind am Morgen gekommen, um den Moment mitzuerleben, wenn das Gatter des Kuhstalls geöffnet wird, auch Gudrun Buchmann (67) mit ihrem Mann Norbert (69): „Wir kommen sehr gern mit unseren Enkeln her. Es ist wirklich interessant und man lässt sich von der Freude der Kühe anstecken. Wir kannten das nur aus dem Fernsehen und wollten es uns gern selbst anschauen.“

Das Ehepaar Norbert und Gudrun Buchmann lässt sich gern von der guten Laune der Kühe anstecken.

Das Ehepaar Norbert und Gudrun Buchmann lässt sich gern von der guten Laune der Kühe anstecken.

Ab sofort werden die Milchkühe auf dem Imbacher Hof morgens und nachmittags gemolken, verbringen mindestens 160 Tage lang sechs Stunden am Tag auf der Weide und die Nächte in ihrem Stall – bis zum Herbst. „In den kalten und nassen Wintermonaten möchte man als Mensch auch ungern rausgehen. In diesen Monaten fühlen sich die Kühe im warmen und trockenen Stall sehr wohl“, erklärt die Arla-Landwirtin. „Wir decken immer wieder trockenes Stroh ein und können für optimale Bedingungen sorgen. Selbst im Sommer, wenn die Tiere jederzeit auf die Wiese gehen können, bleiben sie manchmal im Stall, weil wir dort mit Ventilatoren für bessere Bedingungen sorgen können.“

Imbacher Bäuerin auf Buko-Verpackung

Die Landwirtin gibt zu: „Auf der Wiese kommt man dem Tierwohl am nächsten.“ Aber im Winter sei die Weide häufig nicht für Nutztiere begehbar. Hufe schädigen die Grasnarbe, was zu Verdichtungen auf der Weide und verringerter Futterleistung im nächsten Jahr führe. Die Arbeit auf dem Bauernhof sei trotzdem der schönste Job der Welt für die 34-jährige Imbacherin: „Ich hätte mir auch einen anderen Beruf aussuchen können, aber ich bin gern Milchbäuerin, weil der Beruf sehr vielseitig ist. Ich sitze im Büro, bin aber auch viel draußen auf der Fläche unterwegs und arbeite mit den Tieren zusammen. Jedes Jahr ist anders, man kann nie fest planen, diese Spannung habe ich in keinem anderen Job“, schwärmt Anne Wieden.

Ihr Gesicht mit dem strahlenden Lächeln ziert deshalb auch die Verpackung des Frischkäses „Buko“, den Arla Foods produziert.