WohnungsmarktWarum Mieten in Leverkusen eher noch teurer als günstiger werden

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Lichstraße Wohnungen. Foto: Ralf Krieger

Wohnhäuser in der Wiesdorfer Lichstraße

Der Wohnungsmarktbericht der Stadt Leverkusen liefert die Zahlen der vergangenen Jahre, lässt aber auch einen Blick in die Zukunft zu.

„Der Bedarf an zusätzlichen Wohnungen hält an.“ Das ist eine der zentralen Aussagen des Wohnungsmarktberichts 2022 für Leverkusen, den die Stadt in diesem Monat veröffentlicht hat. Die Statistikstelle der Stadt analysiert jährlich kommunale Daten und solche aus öffentlichen Quellen und kumuliert sie mit Expertenbefragungen zum Wohnungsmarktbericht, der in Tiefe und Breite anderen Untersuchungen meist deutlich überlegen ist. Bezieht sich der Bericht auch auf das Vorjahr 2021, so hat der Druck auf den Wohnungsmarkt bis heute nicht abgenommen.

716 Wohnungen neu gebaut – so viele wie seit 20 Jahren nicht

Das zeigt sich bei den Nettokaltmieten, die binnen eines Jahres um gut 3,6 Prozent zulegten: Statt 8,55 Euro wurde ein Quadratmeter nun für 8,86 Euro angeboten. Für neue Mieterinnen und Mieter einer 70-Quadratmeter-Wohnung bedeutete das im Umkehrschluss eine um etwa 22 Euro höhere Monatsmiete im Vergleich zum Vorjahr.

Während 716 neue Wohnungen gebaut wurden – ein 20-Jahres-Höchstwert – und damit 73 Prozent mehr als im Jahr zuvor, ging die Zahl der Baugenehmigungen im gleichen Zeitraum um mehr als 40 Prozent auf 208 zurück. Das wiederum dürfte sich in einer kleiner werdenden Zahl von Baufertigstellungen ab 2022 deutlich bemerkbar machen – insbesondere, weil sich der Wert zuvor schon halbiert hatte. So wurden 2019 noch 725 genehmigte Bauanträge registriert.

Eine Entlastung für den angespannten Wohnungsmarkt ist da nicht in Sicht – denn der Bedarf liegt bei 520 neuen Wohnungen, und zwar jedes Jahr. Die Realität zeigt: Seit 2010 liegt die jährliche Fertigstellungsrate mit 290 bei nicht einmal bei der Hälfte der benötigten Wohnungen.

Leverkusen: Der Bestand an mietpreisgebundenen Wohnungen sinkt

Auch sinkt der Bestand an geförderten Wohnungen in Leverkusen weiter, Von 5269 im Jahr 2019 auf 4646 im Jahr 2021 – somit gab es innerhalb von zwei Jahren knapp zwölf Prozent weniger preisgebundene Sozialwohnungen. Neu entstanden sind 2021 nur 73 geförderte Wohnungen. „In Leverkusen soll der preisgebundene Bestand bis 2030 um rund 36 Prozent zurückgehen“, heißt es im Wohnungsmarktbericht. Nur noch 3000 Wohnungen mit Mietpreisbindung soll es dann geben. Diese Entwicklung trifft finanziell schwache Bürgerinnen und Bürger – bislang erschwingliche Wohnungen werden sie sich nicht mehr leisten können.

Und so sprechen die Expertinnen und Experten auch davon, dass sich im Berichtszeitraum die Lage insbesondere im unteren Mietsegment verschlechtert habe. „Sowohl der Eigentumsmarkt als auch mittleres, preisgünstiges und gebundenes Mietsegment sind angespannt bis sehr angespannt“, lautet das Fazit im Bericht. In den nächsten drei bis fünf Jahren werde keine Entspannung erwartet.

Das hat nach Ansicht von Experten zum Beispiel der Sparkasse Leverkusen verschiedene Gründe: Leverkusen sei zwischen Köln und Düsseldorf weiterhin ein attraktiver und nachgefragter Standort, sagte Sprecher Benjamin Rörig kürzlich der Redaktion. Zudem habe sich der Druck auf den Mietmarkt durch den Zuzug ukrainischer Geflüchtete weiter erhöht. Hinzu komme: Weil die Zinsen bei Immobilienkäufen stark angestiegen sind, sei ein Kauf für viele heute nicht mehr machbar – also drängen Menschen, die vorher nichts zur Miete gesucht haben, zusätzlich auf den Mietmarkt. Die Konkurrenz nimmt zu.

Auch für Neubauten sind die gestiegenen Zinsen ein Problem, genau wie die hohen Kosten für Baumaterial: Wirtschaftlich oder gar preisgünstig zu bauen, wird schwieriger, folglich halten sich viele Investoren zurück. Ein wahrer Einbruch beim Wohnungsbau könnte nach Meinung der Experten daraus folgen.

Die Folge aus diesen Entwicklungen: Die Preise steigen weiter.

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