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Jubiläum150 Jahre Feuerwehr Bergneustadt vom Holzrohr zur Hightech Drehleiter

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Der Löschzug Bergneustadt steht vor fünf Einsatzwagen.

Der Bergneustädter Löschzug blickt auf 150 Jahre zurück.

In Bergneustadt wird das 150 jährige Bestehen gefeiert mit Einblicken in Geschichte, Einsätze und gelebte Kameradschaft.

Es dauert ziemlich genau fünf Jahre, bis das junge Deutsche Kaiserreich 1876 den Brandschutz angeht. Neue Wohnhäuser dürfen fortan nicht mehr mit Stroh gedeckt werden. Und Feuerlöschschläuche sollen eine bestimmte Kupplung besitzen, damit sie auch mit denen aus den Nachbarorten zusammenpassen. Vor allem aber, so stellen es sich die kaiserlichen Beamten vor, soll jeder größere Ort Feuerwehrmänner haben, die sich ausbilden lassen, ständig üben und dann zur Stelle sind, wenn es in der Nachbarschaft qualmt.

Erstes Löschfahrzeug Mitte der 1930er Jahre.

Mitte der 1930er Jahre stellte die Feuerwehr ihr erstes motorisiertes Löschfahrzeug in Dienst.

In Bergneustadt braucht es nicht lange, um eine solche Truppe auf die Beine zu stellen – und auch unterstützende Technik in Form einer Druckspritze ist schnell beschafft. Im Sommer bauen die Männer eine Wasserleitung, damals noch aus Holz, die das Wasser von der Bergstraße über natürliches Gefälle in die Altstadt sausen lässt – eine ganz erhebliche Erleichterung für den Fall der Fälle in dem dicht bebauten Stadtkern. Ältere Bergneustädter erinnern sich noch an das unheimliche Gluckern in den (inzwischen nicht mehr hölzernen) Rohren, dem die Straße „Geesthölzchen“, also Geisterhölzchen, ihren Namen verdankt.

Spritzenhaus zum 50. Geburtstag

An jene Männer aus dem Jahr 1876 wird in den kommenden Tagen noch einmal erinnert – am übernächsten Wochenende feiert der Löschzug Bergneustadt nämlich seinen 150. Geburtstag (siehe auch Kasten). Den Gründungsvätern ist es also gelungen, über viele Jahrzehnte immer wieder Nachfolger zu finden und die Stadtverordneten davon zu überzeugen, dass sich Investitionen in den Brandschutz früher oder später lohnen.

Ab 1909 rückt die Bergneustädter Feuerwehr mit einer mechanischen Leiter aus. Überhaupt wächst der Bestand an Ausrüstung kontinuierlich, 1926, also vor genau 100 Jahren, wird deshalb ein nagelneues Spritzenhäuschen am Kirchplatz eingeweiht. Acht Jahre später bauen die Floriansjünger das erste Bergneustädter Löschfahrzeug zusammen – mit Platz für sechs Einsatzkräfte, eine ganze Menge Schlauch, Leiter, großen Scheinwerfer und einer Geschwindigkeit, bei der kein Pferdegespann mithalten kann.

Großübung der Feuerwehr zur 675-Jahr-Feier der Stadft Bergneustadt mit 4 Drehleitern an der Altstadtkirche im Jahr 1976.

Eine Aufnahme von 1928 zeigt die frühe fahrbare Leiter der Bergneustädter Feuerwehr im Einsatz.

Es gibt allerdings nicht nur fröhliche Seiten in der Chronik der Bergneustädter Wehr. Bei den Luftangriffen auf das städtische Krankenhaus im März 1945 müssen die Wehrleute Dinge mitansehen, die sie lange nicht vergessen werden. Eine besonders schöne Anekdote dreht sich dafür um das Weihnachtsfest 1947: Fast 50 Bergneustädter Feuerwehrleute sind gefallen, doch die Verbliebenen erinnern sich an das Versprechen der Kameradschaft, das sie sich vor dem Krieg gegeben haben. Sie packen Verpflegungspakete für die Witwen und verteilen sie am Heiligabend in der Stadt. 1950 organisiert der Löschzug das erste Waldfest im Bergneustädter Stadtwald.

Mit fahrbarer Leiter im Jahr 1928.

Bei einer Großübung im Jahr 1976 spritzen vier Drehleitern gleichzeitig Wasser auf den Turm der Altstadtkirche.

Die Wehr hat bis heute das große Glück, dass ihre runden Geburtstage stets mit besonderen Stadtjubiläen zusammenfallen. So sorgt die Feuerwehr auch 1976, zu ihrem 100. Geburtstag, bei der 675-Jahr-Feier für tolle Bilder: Bei einer Großübung wird Wasser aus der Aggertalsperre bis in die Altstadt gepumpt und der Zwiebelkirchturm von vier Drehleitern gleichzeitig besprüht. Zwei Jahre später, im Juni 1977, gibt es wieder Anlass zum Feiern, der Umzug in die neue Feuerwache an der Talstraße ist abgeschlossen.

28 Männer und vier Frauen tun in diesen Wochen Dienst im Löschzug Bergneustadt, der von Andreas Carduck und Christopher Judt angeführt wird. Sie werden inzwischen mithilfe einer App alarmiert, seit dem vergangenen Jahr steht eine hochmoderne Drehleiter in der Wache und auch sonst hilft in vielen Bereichen des Feuerwehrlebens inzwischen der Computer mit.

Was ihre Hilfsbereitschaft angeht, unterscheiden sich die Bergneustädter Feuerwehrleute aber überhaupt nicht von jener Männertruppe, die einst voller Tatendrang loszog, um eine hölzerne Wasserleitung in die Altstadt zu bauen – damals, im Jahr 1876, heute vor 150 Jahren.


150 Jahre Löschzug

Drei Tage lang feiert die Feuerwehr Bergneustadt ihr Jubiläum. Los geht es am Freitag, 8. Mai, um 19 Uhr mit einem öffentlichen Festkommers im Festzelt auf dem Parkplatz der Firma Martinrea an der Bahnstraße.

Musikalisch wird es am Samstag: Unter dem Motto „Bergneustadt brennt“ beginnt um 18 Uhr im Zelt die „Feuerwehr-Party XXL“ mit gleich fünf Bands. Genaue Details und Informationen zum Vorverkauf gibt es auf der Jubiläums-Homepage des Löschzugs.

Am Sonntag ab 10 Uhr wiederum verwandelt sich die Innenstadt in eine Blaulichtmeile mit allerlei Fahrzeugen von Feuerwehr und Rettungsdienst, Einsatzübungen der Jugendfeuerwehr und viel Programm für Kinder. www.150jahre-lz1.de