WasserwirtschaftStauweiher in Osberghausen bleibt umstritten

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Das Stauehr in Osberghausen.

Das Stauwehr in Engelskirchen-Osberghausen ist für Fische unüberwindlich und soll darum abgerissen werden.  

Eine Bürgerversammlung des Aggerverbands hat den Konflikt deutlich hervortreten lassen. Und was wird aus den Giftsedimenten?

Die Zukunft des Stauweihers Osberghausen bleibt umstritten. Daran hat eine Informationsveranstaltung, zu welcher der Aggerverband am Montagabend   in die Silberseehalle nach Gummersbach-Erbland eingeladen hatte, nichts geändert. Auch die Ansichten der Bürger, die dort das Wort ergriffen, waren durchaus kontrovers. Für problematisch halten viele den Umgang mit den mutmaßlich stark belasteten Sedimenten, die das rund 150.000 Kubikmeter fassende Becken zu etwa zwei Dritteln füllen – und die Kosten einer Entsorgung.

Uwe Moshage, Vorstand des Aggerverbands, gab Entwarnung: „Wahrscheinlich wird es dafür eine 80-prozentige Förderung geben, die übrigen 20 Prozent müssen wir auf unsere Kunden umlegen. Wir sind aber bestrebt, die Wasserkosten niedrig zu halten.“

Rathauschefs von Engelskirchen und Gummersbach reden mit

Der Aggerverbandschef hatte eingangs den Sachstand zusammengefasst. Anschließend standen auch Lukas Miebach und Raoul Halding-Hoppenheit, die Bürgermeister von Engelskirchen und Gummersbach, sowie Wim Dissevelt, Abteilungsleiter Talsperren und Fließgewässer beim Aggerverband, für die Fragen der rund 120 Bürger bereit.

Moshage schilderte, dass der Aggerverband von der Bezirksregierung Köln Anfang März eine Ordnungsverfügung erhalten hat, nach der innerhalb von 24 Monaten ein Antrag zum Rückbau des Stauwehrs vorzulegen ist, um die Durchgängigkeit der Agger in diesem Bereich wiederherzustellen. Nach der Genehmigung sind die erforderlichen Maßnahmen in weiteren zwei Jahren umzusetzen.

Engelskirchener Altbürgermeister gibt Empfehlung

Eigentlich sollte das Staubecken bis Anfang Mai vollständig entleert werden. Dann stellte der Engelskirchener Biologe und ehemalige Bürgermeister Gero Karthaus fest, dass die Brut geschützter Vogelarten bereits begonnen hat. Weil durch das Ablassen des Wassers besonders geschützte Arten bei ihrer Fortpflanzung beeinträchtigt würden, wurde die Entleerung auf die Zeit von September bis November verschoben.

Hintergrund für die Abrissanordnung ist, dass das Recht auf Wasserkraftnutzung   Ende letzten Jahres entfallen ist, nachdem der bayerische Kraftwerksbetreiber Auer bis dahin keine Maßnahmen zum Schutz der Fischpopulation umgesetzt hatte. Aggerverbandsvorstand Moshage legte dar, dass es in dieser Situation eine Reihe von Interessenkonflikten gibt.

Oberbergischer Naturschützer gegen Angler

So forderten die Naturschutzorganisationen die Durchgängigkeit der Agger für Fische und Kleingetier, die Sportfischer dagegen den Erhalt des Angelgewässers. Ebenso die Bürger, die wegen des Verlusts des Erholungswertes eine Petition mit derzeit über 1700 Unterschriften gestartet haben.

Ende letzten Jahres habe auch Landesumweltmister Oliver Krischer (Grüne) den Erhalt der Wasserkraftanlagen befürwortet. Und schließlich habe die Auer Holding   eine Klage gegen den Abstau eingereicht: „Das ist die ganze Gemengelage.“

Bereits vor der Veranstaltung hatten die Bürgermeister Miebach und Halding-Hoppenheit in einer gemeinsamen Stellungnahme verdeutlicht, dass die aktuelle Situation auf die Untätigkeit der Aggerkraftwerke-Gesellschaft zurückzuführen und der Aggerverband auf deren Mitwirkung bei der Herstellung der Fischdurchgängigkeit angewiesen gewesen sei.

Auf die Anordnung der Bezirksregierung hätten die Kommunen zwar keinen Einfluss, sagen Miebach und Halding-Hoppenheit. Jedoch wollen sich die Bürgermeister dafür einsetzen, dass die zukünftige Nutzung in Bezug auf Hochwasserschutz, Erholungswert und Naturschutz einen möglichst hohen gesellschaftlichen Mehrwert erzielt.