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Rösrath-HoffnungsthalDer Bleifelder Hof Indian Fisch & Grill hat in der Region eine Nische gefunden

6 min
Oben das Schild des Restaurants mit seinem Namen, davor die beiden Inhaber, eine junge Frau aus Bleifeld und zwei junge Männer aus Indien, beide mit schwarzem Turban.

Ein gut eingespieltes Team im Bleifelder Hof Indian Fisch & Grill: Navpreet Simmi (l.) und Inderjeet Singh (r.) mit ihren Mitarbeitenden. Sie versorgen ihre Gäste aus dem Bergischen und internationale Wandergruppen mit Köstlichkeiten aus dem Norden Indiens - und mit vielem mehr.

Das Restaurant hat für alle und die ganze Familie etwas zu bieten – im Dorf hoch über dem Hoffnungsthaler Sülztal

Navpreet Simmi hat mit ihren gerade 34 Jahren schon viel Mut bewiesen. Man spürt die Energie, die die junge Frau antreibt – und die sie aus Nordindien nach Rösrath in den Bleifelder Hof geführt hat. Sie hat einen offenen, freundlichen und klaren Blick. Und genauso klar schaut sie auch auf sich selbst: „Ich habe gemerkt: Am PC sitzen, kein Kundenkontakt – das ist nicht meins.“ Und: „Das Leben ist so kurz. Mein Mann fährt acht Stunden zur Arbeit, ich genauso. Wir sehen uns kaum.“ Das wollten sie nicht, sie wollten stattdessen gemeinsam etwas aufbauen.

Dass es dann ein gemeinsames Restaurant geworden, war so eigentlich nicht geplant. Im Gegenteil: „Ich habe immer gesagt, Gastronomie ist zu stressig, zu unberechenbar, zu viele Probleme, Mitarbeiter zu finden,“ bekennt sie. „Ich habe zu meinem Vater immer gesagt: Gastronomie mache ich nie in meinem Leben“, erzählt sie und schaut dabei so, als wundere sie sich immer noch ein bisschen über sich selbst.

Navpreet Simmi kommt aus einer Gastronomen-Familie

Navpreet Simmi kommt aus einer Gastronomen-Familie. Ihr Vater führt seit 40 Jahren ein Restaurant, erzählt sie. Seit sie 2008 nach Deutschland gekommen ist, hat sie abends und am Wochenende immer mitgeholfen, erst im Service, später in der Buchführung.

Sie ist ihren eigenen Weg gegangen: Als sie mit 17 nach Deutschland kam, konnte sie kein Wort Deutsch. Eineinhalb Jahre lang paukte sie die Sprache, mit dem Google-Übersetzer als ständigem Begleiter. Dann die Fachoberschule, dann eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement – alles mit guten Noten bestanden. „Es war hart, sehr hart“, erzählt sie. „Aber ich vergesse nie, dass ich das geschafft habe.“

Ihr Mann Inderjeet Singh ist gelernter Koch

Und doch fehlte ihr innerlich immer etwas. Dass die die junge Frau und ihr Mann Inderjeet Singh im Bleifelder Hof gelandet sind, war purer Zufall. Eigentlich war es nur ein Ausflug zum Essen. Die beiden fuhren von ihrem damaligen Wohnort Porz nach Rösrath-Hoffnungstal, weil ein Bekannter das Restaurant Bleifelder Hof empfohlen hatte. Sie wollten die Steaks probieren. „Wir haben dann gemerkt, dass das Restaurant einen neuen Pächter sucht“, erzählt Simmi.

„Jetzt sind wir zu zweit hier, die Familie ist da und mein Mann kann gut kochen“, freut sie sich. „Qualität ist für mich das Wichtigste. Ich kenne viele Restaurants, und Qualität zu finden, ist schwer.“ Auf einen fremden Koch mag sie sich nicht verlassen. So fügte es sich gut, dass ihr Mann Inderjeet Singh selbst gelernter Koch ist und bei seinen beruflichen Stationen, zuletzt auch in Köln, viel Erfahrung gesammelt hat.

Von der Besichtigung bis zur Eröffnung vergingen weniger als sechs Wochen

„Manchmal muss etwas reifen“, sagt sie rückblickend. Als es aber soweit war, ging dann alles ganz schnell. Ende Juli wurde der Vertrag unterschrieben und das Eröffnungsdatum für das Indian Fisch & Grill im Bleifelder Hof in Rösrath wurde auf den 29. August 2025 festgelegt. Von der ersten Besichtigung bis zur Eröffnung vergingen weniger als sechs Wochen.

Bevor sie den Pachtvertrag unterschrieben, haben die beiden die Gastronomie im Umkreis systematisch erkundet. Sie fuhren von Restaurant zu Restaurant, aßen, beobachteten, notierten. Das Ergebnis war eindeutig: Qualitätsfisch und gegrilltes Fleisch als Spezialgericht gab es in Rösrath kaum. Und nordindische Küche – gar nicht. Die Nische war frei.

Die Speisekarte geht bewusst über das Indische hinaus

Nord- und südindische Küche sind nicht dasselbe, erklärt Simmi. In der Südindischen Küche dominiert Reis, dazu Gerichte wie Dosa, ein Fladen aus fermentiertem Reis- und Linsenteig, und Sambar, eine Gemüsesuppe auf Linsenbasis. Im Norden ist die Basis Brot – Naan, Roti, Chapati – und die Klassiker heißen Butter Chicken, Chicken Tikka Masala, Saag (Senfblattcurry) oder Chole (Kircherebsencurry). „Das kann man wirklich nicht vergleichen – das ist so verschieden wie vielleicht die französische und die spanische Küche.“

Die Speisekarte, die Simmi und ihr Mann entwickelt haben, geht dabei bewusst über das Indische hinaus. „Es gibt Situationen, da wollen die Eltern indisch essen, aber die Kinder wollen Fisch oder etwas anderes. Das kennen wir selbst“, so die Mutter von zwei Töchtern. Auf der Karte stehen deshalb auch Backfisch – selbst gemacht, so Simmi, nicht tiefgekühlt – sowie Fischfilet und Lachsgerichte. Schnitzel steht nicht drauf, wird aber auf Nachfrage serviert. Auch das vegetarische und vegane Angebot ist breit aufgestellt, von Paneer Tikka Masala über verschiedene Dhal-Gerichte bis zu Gemüsecurrys. „In der indischen Küche ist das kein Notbehelf. Das ist ein eigener, vollwertiger Teil der Küche.“ Ihr Anspruch: Ein Lokal, das für alle funktioniert. Auch für Familienfeiern und für große Gruppen.

Ohne Lösung für die Kinder wäre das Projekt nicht möglich gewesen

Dass alles so schnell ging, überrascht Simmi selbst noch heute. In kurzer Zeit mussten Unterlagen beschafft, Mitarbeiter gefunden, das Lokal hergerichtet und die Werbung organisiert werden. Finanziell half ihr Vater, dazu ein überschaubarer Kredit: „Wir sind keine Menschen, die gerne Schulden machen.“ Parallel dazu mussten sie die Betreuung für ihre beiden kleinen Töchter organisieren. Ohne Lösung für die Kinder wäre das Projekt nicht möglich gewesen. Die Lösung kam buchstäblich in letzter Minute: Die Schwiegereltern aus Indien landeten am 27. August in Deutschland – zwei Tage vor der Eröffnung.

Die Töchter wachsen dreisprachig auf: Punjabi mit den Großeltern, Englisch mit der Mutter, Deutsch im Kindergarten – letzteres aber erst, wenn ein Platz für die demnächst Dreijährige gefunden ist. „Einen Kitaplatz in Deutschland zu finden, ist ein echter Kampf“, sagt Simmi trocken. Das Team vom Bleifelder Hof ist inzwischen eingespielt. Eine Servicekraft aus Bleifeld, dazu zwei indischstämmige Studenten, die studieren und überwiegend online lernen – was ihnen erlaubt, in Rösrath zu arbeiten. Dass die Studenten gut Englisch sprechen, hat sich schon bewährt: Im vergangenen Sommer saß plötzlich eine 45-köpfige belgische Wandergruppe auf der Terrasse. Niemand von ihnen sprach Deutsch. Kein Problem.

Für die Zukunft hat sie Ideen: Events für jüngere Gäste oder eine Bollywood-Night

Das Sommergeschäft mit dem großen Außenbereich ist eine der Stärken des Standorts. Im Winter, wenn der Schnee kommt, ist es ruhiger – das musste Simmi auch erst lernen. „Zwei, drei Tage kam niemand. Das war ein Schock.“ Für das laufende Jahr plant sie keinen Urlaub. Erst einmal ein Jahr durcharbeiten, dann sehen. Für die Zukunft hat sie konkrete Ideen: Events für jüngere Gäste, vielleicht eine Bollywood-Night, ein Cocktailbereich in einem der Nebenzimmer. „Junge Leute haben mir gesagt, hier fehlt sowas. Das höre ich mir an.“ Aber erst, so sagt sie, soll das Bestehende stabil laufen. Wachstum ja – aber mit Bedacht.

Navpreet Simmi sitzt an einem der sauber gedeckten Tische im Bleifelder Hof Indian Fisch & Grill, die Schalen aus Indien ringsum, das Geschirr importiert, vieles selbst dekoriert. Sie ist 34 Jahre alt, hat in Deutschland Deutsch gelernt, eine Ausbildung gemacht, in verschiedenen Unternehmen gearbeitet und dann doch das gemacht, was sie nie wollte. „Manchmal muss etwas reifen“, sagt sie nochmal. „Bei manchen geht das schneller als bei anderen.“