Im Heimatmuseum trifft sich regelmäßig der Historische Arbeitskreis des Heimatvereins Bergneustadt. Die Mitglieder verbindet ihr Interesse für Geschichte und Geschichten.
Historischer ArbeitskreisBergneustädter mit Faible für Geschichte und Geschichten

Die Mitglieder des Historischen Arbeitskreises Bergneustadt.
Copyright: Ralf Joost
Immer am dritten Mittwoch im Monat trifft sich der „Historische Arbeitskreis“ des Heimatvereins Bergneustadt bei Kaffee und Kuchen in der Landsknechtstube des Heimatmuseums in der Altstadt. „Uns interessiert alles von gestern rückwärts bis ins Jahr 1301“, erklärt Arbeitskreis-Sprecher Michael Hesse. Denn in diesem Jahr wurde die „Veste Niestat“ erstmals urkundlich erwähnt.
Was die Männer und Frauen aus unterschiedlichen Altersgruppen zusammenbringt, ist ihr Faible für ernsthafte Geschichte und unterhaltsame Geschichten. „Nur wissenschaftliche Forschung zu betreiben wäre uns viel zu langweilig“, sagt Hesse.
Zunächst war es nur eine lose Zusammenkunft
Der Arbeitskreis war zunächst nur eine lose Zusammenkunft engagierter Heimatforscher. Mit der großen Bergneustädter 700-Jahr-Feier anno 2001 stießen neue Interessenten hinzu. Zu den „Urgesteinen“ zählen Willi Kamp, Paul Röttger und der 2025 verstorbene Horst Jäger. Die ältesten Teilnehmer des heutigen AK wie der 88-jährige Franz Toelstede haben noch lebendige Erinnerungen an die Zeit des Zweiten Weltkriegs. „Die amerikanischen Soldaten sind zu Fuß in die Stadt eingezogen“, erzählt er. Doch wo genau kamen sie her? Im Nu sind die Hobbyhistoriker in der schönsten Diskussion. „US-Panzer kamen bestimmt auch aus Derschlag“, ist Dieter Rath überzeugt.
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Vom Kriegsende zu den alten Bunkern ist es nur ein kleiner Schritt. Einer von ihnen war der frühere Eiskeller unterhalb der Altstadt, er bot bei Luftangriffen bis zu 120 Menschen Schutz. Es waren engagierte Mitglieder des Heimatvereins, die den zugeschütteten Eiskeller wieder herrichteten und ihn begehbar machten. Heute bietet der Verein regelmäßig Führungen durch den alten Stollen an.
Von Denkmälern bis zu Tierpark
Die Liste der Themen, mit denen sich der Arbeitskreis laut Protokoll im vergangenen Jahr beschäftigt hat, ist lang und bunt gemischt. Sie reicht von der Idee eines Denkmals für den langjährigen Bürgermeister Wilhelm Budde über die verschiedenen Schützen- und Festplätze, die Wasserleitungsgesellschaft Hackenberg, die Neustädter Chöre bis zum Wildpark, der sich bis 1975 großer Beliebtheit erfreute.
Der Arbeitskreis ging alten Flurbezeichnungen nach und konnte das sonst nicht öffentlich zugängliche Stammhaus von Leopold Krawinkel besichtigen. Auch um das „Nystädter Platt“ will sich der Arbeitskreis kümmern. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.
Eine Gruppe widmet sich dem NS-Widerstand
Drei Mitglieder des AK, nämlich Dieter Rath, Deborah Spence und Diana Leienbach, haben sich zu einer eigenen Arbeitsgruppe zum Thema „NS-Widerstand“ zusammengefunden. Denn der Urgroßvater von Leienbach wurde 1936 in Bergneustadt von der Gestapo festgenommen. Eine weitere Anregung kam von Michael Kamp, dem Leiter des Lindlarer Freilichtmuseums, mit dem Dieter Rath in Kontakt steht. Für einen Sammelband des Museums, der dieses Jahr erscheinen soll, arbeiten Leienbach, Spence und Rath an einem Aufsatz.
Das Trio begann mit seinen Nachforschungen und besuchte verschiedene Archive. Als besonders ergiebig erwies sich das NRW-Landesarchiv in Münster. Eine 21-köpfige Gruppe aus Bergneustadt und Gummersbach stand 1936 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ in Hamm vor Gericht und wurde abgeurteilt, die Verhörprotokolle und Prozessakten erlauben tiefe Einblicke in die Unrechtsjustiz der NS-Zeit.Deborah Spence stieß in einer Akte auf die handschriftliche Notiz: „Ein Polizist hat mir die Zähne ausgeschlagen.“
Parallel dazu interviewt das Trio Nachkommen der Verurteilten. Heinz Kowalski, selbst Mitglied des Arbeitskreises, kann dem Trio mit Schilderungen und Dokumenten zu seinem Vater Helmut weiterhelfen, der ebenfalls von den Nazis verfolgt wurde.

