Abo

Kunst in EngelskirchenAusstellung zeigt die Spuren des Menschen auf der Erde

3 min
Die Ausstellung Anthropozän - Spuren unseres Tuns im Alten Baumwolllager in Engelskirchen.

Gemeinsame Sache (v.l.): Micha Ende, Manuele Klein und Detlev Weigand. Sie zeigen ihre Arbeiten ab Samstag in Engelskirchen.

Vier Kunstschaffende beschäftigen sich im Alten Baumwolllager mit Konsum, Umwelt und dem Einfluss des Menschen auf die Erde.

„Anthropozän – Spuren unseres Tuns“ haben Manuele Klein und Detlev Weigand die Ausstellung betitelt, die am Samstag, um 19 Uhr im Alten Baumwolllager beginnt. An die Seite geholt hat sich das Künstlerpaar in Engelskirchen weitere Kunstschaffende: den Fotografen Micha Ende, extra angereist aus Brasilien, sowie den Bildhauer Odo Rumpf, Begründer des Kölner Kunst- und Kulturortes Odonien. Der Begriff „Anthropozän“, so erläutern die Ausstellungsmacher, beschreibe ein Zeitalter, in dem menschliches Handeln zu einem bestimmenden Faktor für die Entwicklung des Planeten geworden ist.

Die vier loten in ihren Werken die menschliche Einflussnahme auf eigentlich natürliche Kreisläufe aus, hinterfragen den Einfluss von Religion, zeigen Folgen einer gedankenlosen Konsumgesellschaft, einer Gesellschaft des Egoismus’ und der Globalisierung. Schwerpunkt der Ausstellung sind die Fotografien von Micha Ende zum Thema „Distant Neighbours“, die er mit den Projekten „Waste & Wealth“ und „Harvest Handmade“ neu kuratiert als „Von der Hand in den Müll“ in großformatigen Fotografien im oberen Stockwerk des Baumwolllagers präsentiert.

40 Jahre in Bildern

Der Fotograf hat rund 50 Fotografien aus 40 Jahren kreativen Schaffens ausgewählt, im Laufe der Ausstellungszeit sollen die Exponate wechseln. Als skulpturale Ergänzung dieser Bilder zeigt Odo Rumpf kleinere Werke. Während in Odonien imposante Metallskulpturen den Blick zum Himmel heben lassen, sind es in Engelskirchen die kleinen Details, die zum genauen Hinsehen einladen. Rumpf hat einen Stuhl zusammengeschweißt, darauf zu sehen Plastikspielzeug, das zwar mit Feuer in Berührung kam, doch auch angekokelt und angeschmolzen immer noch erkennbar ist. Plastik: ein quasi unzerstörbarer Fußabdruck des Menschen auf einer fragilen Erde.

Im Eingangsbereich hängen Arbeiten von Detlev Weigand. Eine – lange nicht öffentlich gezeigt – dominiert ein gekrümmtes Fischskelett. Ein Fundstück vom Rhein, dank dünner Kupferauflage konserviert, betitelt schlicht „Abendmahl“. Raubbau des Menschen an der Natur – auch im Werk neben anfindet sich ein Hinweis. Das Bild heißt „Die Zeit ist ausgerenkt“, frei nach Skakespeares Hamlet. Düstere Wolken im Hintergrund, im Vordergrund ein Gebilde, das eine aufblühende Blume genauso sein könnte wie ein Atompilz – Weigands Werke provozieren Diskussionen.

Manuele Kleins Bilder und Skulpturen zeigen den Menschen in seiner Winzigkeit. Ihre dreidimensionalen Schöpfungen aus Holz und Glas erinnern an Gletscherzüge, bunte Figürchen stehen zerbrechlich darin, wirken verloren und nehmen sich doch ihren Raum. Ein ästhetisch schönes Sinnbild für die Dominanz einer an sich schwachen Spezies. Ein Kunstbuch begleitet in einer Auflage von zehn signierten Exemplaren die Schau.

Zudem, so berichtet Klein, sind neben Odo Rumpfs Arbeiten auf drei Bildschirmen Videos von Amöbenpank zu sehen. Dem Ensemble, das in seiner Musik Dadaismus und Fluxus mit abseitigen, mystischen und humorvollen Texten verbindet, gehören auch Manuele Klein und Detlev Weigand an.


Begleitprogramm

Vortrag von Micha Ende am Freitag, 18. September, ab 19 Uhr – Thema: „Von der Hand in den Müll“ oder „Ferne Nachbarn“ mit anschließendem Künstlergespräch.

Finissage am Sonntag, 27. September von 15 bis 18 Uhr. Die Öffnungszeiten bei freiem Eintritt sind donnerstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr.