Nach einem besonderen Highlight gleich zu Beginn ging es für die Gruppe, ausgestattet mit Taschenlampen und Bat-Detektoren, ans Aggerufer.
„Bat-Night“Teilnehmer einer Exkursion in Engelskirchen kamen der Zwergfledermaus ganz nah

Den Exkursionsteilnehmern bot sich die seltene Chance, einer Zwergfledermaus ganz nahe zu kommen.
Copyright: Ralf Joost
Beim Stichwort „Bat-Night“ fällt den meisten vermutlich zunächst der Superheld Batman ein. Aber was hat Batman, also der Fledermausmann, wohl mit Engelskirchen zu tun? Genau dort und unter diesem Titel fand am Freitagabend, pünktlich zum 30. Internationalen Tag der Fledermaus, ausgerufen durch das Europäische Büro für Fledermausschutz (Eurobats), eine spannende Exkursion statt. Dabei ging es weniger um den Superhelden, sondern vielmehr um das nachtaktive Säugetier.
Unter der Leitung von Christine Meyer-Cords, ehrenamtliche Vorständin des Naturschutzbundes Oberberg und Mitarbeiterin des Eurobats-Sekretariats in Bonn, wartete auf die rund 30 Teilnehmenden nicht nur ein spannender Abend mit viel Wissenswertem über die Fledermaus, sondern auch eine unerwartete Überraschung, die kein üblicher Exkursionsinhalt ist. Mit Einbruch der Dunkelheit waren Groß und Klein nach Engelskirchen gekommen und trotzten den oft heftigen Regenschauern. So startete die Exkursion zunächst im überdachten Eingangsbereich des Rathauses, dort blieben Gäste und Anschauungsmaterialien trocken.
Zwei Fledermausarten sind in Engelskirchen stark vertreten
Christine Meyer-Cords, die Naturschutz und Landschaftsökologie studiert hat und auf diesem Weg „auf die Fledermaus kam“, erläuterte, dass es in Deutschland rund 25 Arten der fliegenden Säugetiere gibt, weltweit jedoch mehr als 1400. In Deutschland habe die Fledermaus eher ein schlechtes Image, da sie mit dem Teufel, Corona oder einem Nestling im menschlichen Haar in Verbindung gebracht werde, berichtete die Expertin. Auch werde die Fledermaus gerne als Blutsauger oder Vampir dargestellt, diese Arten seien jedoch nur in Südamerika vertreten, erklärte Meyer-Cords.
Quartieren sich Fledermäuse in Häusern ein, nutzen sie nur vorhandene Schlupflöcher. Lediglich am Kot werde dann sichtbar, dass eine Fledermaus eingezogen ist und ihr Quartier sauber halte. Meyer-Cords verriet: „In Engelskirchen sind die Zwergfledermaus und das große Mausohr, das derzeit auch hier im Rathaus ein Paarungs- oder Übergangsquartier bezogen hat, stark vertreten.“ Apropos Paarung: Die Handflügler bekommen jährlich nur ein Fledermaus-Junges. Somit bedürfen die kleinen Säuger eines besonderen Schutzes wegen Quartiersverlusten durch Gebäuderenovierungen, Futtermangel durch Insektensterben und weiteren Umwelteinflüssen, so die Expertin.

Leiterin Christine Meyer-Cords hatte viele Infos über Fledermäuse dabei.
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Zu den gespannt lauschenden Besucherinnen und Besuchern der Exkursion gehörten Renate Bernhardt und Christian Buresch. Beide kommen aus Engelskirchen, sind langjährige Nabu-Mitglieder und wollten sich über die Bestände der Fledermaus, die einen positiven Trend verzeichnet, erkundigen.
Nach der theoretischen Einführung wartete auf die Teilnehmer eine, im wahrsten Sinne des Wortes, kleine Überraschung. Denn Christine Meyer-Cords hatte eine Zwergfledermaus mitgebracht. Diese war einen Tag zuvor über die Türschwelle von Sonja Kapune aus Lohmar gekrochen und völlig erschöpft im Eingang liegengeblieben. Daraufhin hatte Kapune Christine Meyer-Cords kontaktiert, die den kleinen Nachtschwärmer abholte und ihn mit Mehlwürmern aufpäppelte. Da die Zwergfledermaus nicht verletzt war, nutzte die Referentin – bevor sie in ihrem Revier wieder freigelassen wird – die Gelegenheit, den Exkursionsteilnehmern den Bruchpiloten vorzustellen. Eine einmalige Chance, dem nur daumengroßen Tier so nahe zu kommen.
Bat-Detektoren machten die Laute der Fledermaus hörbar
Nach diesem besonderen Highlight gleich zu Beginn ging es für die Gruppe, ausgestattet mit Taschenlampen und kleinen, grauen Boxen – sogenannten Bat-Detektoren – weiter ans Aggerufer. Während in der Dämmerung die meisten Vögel verstummen, sind dort die „Jäger der Nacht“ unterwegs. Die nachtaktiven Fledermäuse kommunizieren über Ultraschalllaute oberhalb von 20 Kilohertz. Diese Töne sind für das menschliche Ohr nicht mehr hörbar. Die Detektoren jedoch machten die hochfrequenten Ultraschallrufe für die Teilnehmer hörbar.
Begeistert hielten vor allem die Kinder die Detektoren in Richtung Ufer. Felix (6), Falk (9) und Alexa (13), die mit ihren Eltern aus Gummersbach gekommen waren, lauschten begeistert den Geräuschen und waren ganz aufgeregt, weil sie die kleine mitgebrachte Fledermaus kurz streicheln durften. Immer wieder huschten winzige Schatten im rasanten Zick-Zack-Flug an der Gruppe vorbei. „Da ist eine“, riefen Leni (6) und Jani (9) aus Münster, die bei ihrer Oma Sigrid Reichenbach in Lindlar auf Ferienbesuch sind. Leiterin Meyer-Cords erklärte, wie nützlich Fledermäuse sind: „Eine einzige Zwergfledermaus frisst bis zu 4000 Mücken und andere Insekten in nur einer Nacht.“
Für die Teilnehmer ging es schließlich mit neuem Wissen und voller Euphorie zurück nach Hause. Dort wollten Leni und Jani unbedingt eine Fledermaus malen. (cag)
Angebote des Nabu Oberberg rund um die Fledermaus
Der Nabu Oberberg steht für Fragen rund um die Fledermaus zur Verfügung, beispielsweise, wie man verletzten Tieren helfen kann. Aber auch Fragen zu Gebäudesanierungen und dazu, wie man trotz Gebäudedämmung den Tieren ihren Lebensraum lassen kann, werden beantwortet. Zudem werden immer wieder Helfer für das Aufhängen von Nistkästen gesucht. Wer bei einer Nistkästenkontrolle dabei sein möchte, ist ebenso willkommen. Interessierte können Kontakt aufnehmen unter info@nabu-oberberg.de. (cag)
