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TierweltFrischling Friedrichs beschwerliche Reise zum neuen zu Hause

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Ein Frischling steht im Sand zwischen den Beinen seiner neuen Ziehmutter.

Frischling Friedrich, der in Overath von einer Frau aufgegriffen wurde und nun ein neues zu Hause hat, verfolgt seine neue Ziehmutter auf Schritt und Tritt.

Warum man Wildtiere nicht mitnehmen soll erklärt Nils Backhausen vom Hegering Overath.

Frischling Friedrich ist erst ungefähr drei Monate alt und doch hat er auf seine jungen Tage schon so einiges erlebt. Eben noch war er mit seiner Mutter und Geschwistern in Overath unterwegs, da müssen sie eine Straße überqueren und der kleine Friedrich verliert den Anschluss. Noch am Straßenrand stehend sieht ihn eine Frau, vermutet den Kleinen in Not und nimmt ihn kurzerhand mit, um ihn beim Tierarzt abzugeben. Der verständigt kurze Zeit später die Polizei, die Nils Backhausen kontaktierte, erster Vorsitzender des Hegerings Overath.

„Das darf man unter keinen Umständen machen. Wildtiere, egal ob Rehkitze, Frischlinge oder andere Tierarten, darf man nicht anfassen oder mitnehmen“, warnt der Experte. Das Problem ist nämlich folgendes: Einmal vom Menschen berührt, kann man Wildtiere nicht auswildern. Die Bache, also Mama-Wildschwein, nimmt ihr Junges nicht mehr zurück. Ohne seine Rotte sind die Überlebenschancen für Friedrich, wie auch für andere Wildtierjungen, die von Menschen berührt wurden, gegen Null, denn andere Rotten nehmen keine fremden Jungtiere auf. Außerdem kann sich auch der Finder in Gefahr bringen. Wenn die Bache noch in der Nähe ist und jemand Hand an ihr Junges legt, wird sie aggressiv und angriffslustig. Das gilt auch für Hunde, sollte man einen dabeihaben.

Zu sehen ist ein kleines Wildschwein in einem Stall, das auf einer Decke liegt. Es sieht erschöpft aus.

Zunächst ging es dem kleinen Wildschwein gar nicht gut. Husten und Durchfall hatten Friedrich geschwächt.

Doch Friedrich hat im wahrsten Sinne noch einmal Schwein gehabt. Backhausen und seine Partnerin Laura Krebs, die bei einem Tierarzt arbeitet, packten zu Hause ein, was sie an Medikamenten, und sonstigen Utensilien für die Rettung brauchten, kauften Milch und brachten das Tier zu einem befreundeten Tierpfleger, wo Krebs ihm erst einmal eine Infusion legte. „Er war total dehydriert und hatte bestimmt zwölf Stunden nichts mehr gegessen, mit 3,8 Kilogramm wurde er abgegeben. Hinten war er ganz eingefallen“, berichtet sie. Sein Zustand verschlechterte sich weiter. Husten und Durchfall kamen hinzu, für Friedrich sah es zwischenzeitlich nicht gut aus.

Das ist inzwischen einige Wochen her. Mithilfe eines Instagram-Aufrufs bekam Backhausen einen Tipp, wo Friedrich ein dauerhaftes zu Hause finden könnte. „Wenn ich keine Bleibe für ihn gefunden hätte, hätte ich ihn erschießen müssen“, so der Jäger. Wildschweine sind nämlich nicht nur intelligente Tiere, sie sind auch sehr sozial, so dass immer jemand für das Tier da sein müsse. „Wir haben auch selbst überlegt, ihn aufzunehmen, aber wir gehen beide arbeiten und mit meinem Ehrenamt beim Hegering, wäre das nicht gegangen“, erzählt Backhausen. Erschießen musste zum Glück nicht sein.

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Auf einem großen Areal mit viel Grün drumherum lebt er nun bei seinen „Zieheltern“, wenn man so will. Die wollen lieber anonym bleiben, schließlich darf man in Deutschland eigentlich keine Wildtiere halten. Dort, weiterhin im Rheinisch-Bergischen Kreis, ist das kleine Wildschwein richtig aufgeblüht.

„Oink, oink, oink“, redet Friedrich fröhlich vor sich hin, um sich zu versichern, dass seine neue „Mama“, auf die er nun geprägt ist, auch in der Nähe ist. Das kleine Schwänzchen wackelt lustig hin und her, es wird getobt, gebrochen, was bedeutet, dass er mit seiner noch kleinen Schnauze die Erde aufwühlt, und natürlich genascht. Auf Schritt und Tritt verfolgt er seine Halterin, wie ein kleiner Hund. Nachts schlafe er in einem kleinen Bettchen neben seiner Ziehmutter und auch Kuscheln findet das kleine Wildschwein toll. „Manchmal knubbelt er an meinem Ohr und dem Ohrläppchen herum, ich glaube das erinnert ihn an seine Mutter“, vermutet die Halterin.

Ein Wildschwein liegt auf dem Rücken und lässt sich am Bauch kraulen.

In seinem neuen zu Hause wird er viel gekuschelt und gekrault.

Doch was jetzt noch goldig und klein ist, entwickelt sich zu einem ausgewachsenen Keiler mit scharfen Waffen, so werden die langen Eckzähne bezeichnet. Und vor denen ist Vorsicht geboten. „Wir werden ihn auf jeden Fall kastrieren lassen“, sagt seine Ziehmutter. Nicht nur, um zu verhindern, dass er für Nachwuchs sorgen könnte, auch um aggressives Verhalten vorzubeugen. Damit Friedrich seine Ziehmutter auch als Bache, also als Rottenführer, respektiert, nimmt sie ihn immer mal wieder hoch und hält ihn fest, auch wenn er sich wehrt. Damit vermittle sie Dominanz, was wichtig für später wird. „Oder ich nehme ihn hoch, drehe ihn und lasse ihn wieder runter.“ Auch deshalb sei es wichtig, dass man da sei. Sind die Waffen nämlich erst einmal ausgewachsen, schärfen sich die oberen und unteren Eckzähne durchs Kauen gegenseitig, so entsteht ein scharfes Werkzeug, dass menschliche Haut schneiden kann wie Butter. Ein Wildschwein, das einen also nicht respektiert, ist sehr gefährlich.

Auch wenn er bereits seine Grenzen bei seinen Haltern austeste, noch geht keine Gefahr von ihm aus. „Ich habe in meinen Revier Wildtierkameras, auf den Aufnahmen konnte ich ihn und seine Rotte ausmachen. Unter seinen Geschwistern war er der kleinste und wahrscheinlich schwächste, deshalb wurde er abgehängt“, erklärt Backhausen sich Friedrichs Schicksal. Apropos: Wie kam es eigentlich zu dem Namen? „Das hat nichts mit Friedrich Merz zu tun, falls Sie sich das gedacht haben“, sagt Backhausen und lacht. Tatsächlich finden Krebs und Backhausen den Namen einfach nur schön. Außerdem klinge „Frischling Friedrich“ gut zusammen. Und wer sich gefragt hat, wann Frischlinge eigentlich ihre Streifen verlieren: Das passiert laut Backhausen etwa ab sechs Monaten.

„Ich bin froh, dass wir dieses zu Hause für ihn gefunden haben, ich hätte ihn nicht erschießen wollen. Aber es macht mich auch traurig, weil er eigentlich nicht hierhergehört, für ihn ist das nicht fair“, resümiert Backhausen.