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Kreissportgericht BergWar es eine harmlose Rangelei oder eine „hemmungslose Schlägerei“?

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Symbolbild Schiedsrichterpfeife, Gelbe und Rote Karte.

Der Schiedsrichter erklärte, auch er hätte die Begegnung abgepfiffen und den beiden Spielern die Rote Karte gezeigt.

Kreissportgericht des Fußballkreises Berg verhandelte die Vorkommnisse zwischen Borussia Derschlag und Eintrach Hohkeppel III. 

Eigentlich wollte das Kreissportgericht des Fußballkreises Berg unter Vorsitz von Stefan Flock Licht in die Vorkommnisse beim kleinen müller & klein-Cup des SSV Nümbrecht kurz vor Weihnachten bringen. Im letzten Spiel der Vorrunde waren die Teams von Borussia Derschlag und dem SV Eintracht Hohkeppel III so aneinander geraten, dass die Turnierleitung die Partie abbrach und beide Mannschaften vom Turnier ausschloss.

Während Turnierleiter Matthias Faulenbach nicht nur ein Gerangel, sondern – ebenso wie Schiedsrichter Stephan Greb – auch Schläge und Tritte gesehen hatte, hatte auf Nachfrage keiner der anwesenden Fußballer Schläge ausgeteilt oder welche eingesteckt. Oft war die Rede davon, dass man deeskalierend habe einwirken wollen.

16 Fußballer standen wegen tätlichen Angriffs unter Verdacht

Vor der Spruchkammer standen 16 Fußballer wegen des Verdachts eines tätlichen Angriffs gegen einen Spieler. Wegen der hohen Zahl an Geladenen war das Sportgericht aus der Overather Geschäftsstelle des Fußballkreises ins Vereinsheim des VfL Engelskirchen umgezogen.   Die Mindeststrafe sind sechs Spiele Sperre, es geht hoch bis 72 Partien oder sogar bis zu einem Ausschluss über mehrere Jahre.

Am Ende der zweieinhalbstündigen Sitzung wurden die beiden Spieler, deren Verhalten Ausgangspunkt der Rudelbildung war, für jeweils acht Spiele gesperrt, dazu müssen beide Vereine je 100 Euro wegen verursachten Spielabbruchs bezahlen. Ob sie das Urteil annehmen, da waren sich die Vereinsvertreter anschließend noch nicht im Klaren.

Ein Einwurf war der Ausgangspunkt der Rudelbildung

Beide Mannschaften waren bei dem Hallenturnier bis zu ihrem Aufeinandertreffen ungeschlagen und Derschlag führte knapp 30 Sekunden vor Schluss mit 3:2. Nachdem ein Derschlager Spieler den Ball ins Aus geschossen hatte, wollte ein Hohkeppler auf Höhe der Neun-Meter-Linie diesen mit Blick auf die Uhr schnell einrollen, was sein Gegner verhinderte. Er tanzte vor dem Fußballer hin und her, der die Geduld verlor und ihn schubste.

Der Derschlager schubste zurück. Während die Derschlager aussagten, dass beide Spieler am Boden lagen, bestritt das der Hohkeppeler. Seine Team kollegen konnten sich nicht erinnern, ob er am Boden gelegen habe oder nicht. Unstrittig war dagegen, dass die Derschlager von ihrer Bank aufsprangen und zu den Kontrahenten liefen, ebenso wie die Gegner, die jedoch einen weiteren Weg hinter sich bringen mussten.

Auch der Schiedsrichter hätte die Partie abgebrochen

Die Schiedsrichter und die Turnierleitung sahen Faustschläge, die laut Schiedsrichter auch in Richtung des am Boden liegenden Derschlager Spielers gingen. Wenn die Turnierleitung das Spiel nicht abgebrochen hätte, hätte er es getan und den beiden Spielern, die das Gemenge ausgelöst hatten, Rot gezeigt, erklärte der Schiedsrichter.

„Eine solche hemmungslose Schlägerei kann der SSV Nümbrecht nicht akzeptieren“, sagte Turnierleiter Faulenbach zum Abbruch des Spiels und der Disqualifizierung der beiden Teams. Das sei kein leichter Schritt gewesen, so der Nümbrechter, zumal beide Mannschaften dankenswerterweise nach Absagen anderer Teams nachgerückt waren.     Vom Zeitnehmertisch in rund zehn Meter Entfernung habe er die Auseinandersetzung gesehen und schnell gehandelt. Doch weder er noch der Schiedsrichter konnten konkret Fußballer benennen, die geschlagen oder getreten hätten.

In seiner Urteilsbegründung sagte Kreissportgerichtsvorsitzender Stefan Flock, dass das unsportliche Verhalten des Derschlagers Ausgangspunkt der Auseinandersetzung gewesen sei. Der Hohkeppeler Spieler habe sich benachteiligt gefühlt und ebenfalls unsportlich reagierte. Daraus habe sich eine Tätlichkeit entwickelt, die mit einer Strafe geahndet werde. „Das Gericht ist überzeugt, dass beide Spieler auf dem Boden gelegen haben.“ Ob sich daraus eine Schlägerei entwickelt habe, werde im Dunkeln bleiben. Es sei aber unrealistisch, dass 16 Spieler schlichtend eingegriffen hätten. Es sei nicht zuzuordnen, welche Spieler was getan hätten und man habe nicht die gesamte Mannschaft sperren wollen.