Die Einschätzungen aus Leverkusen und Rhein-Berg passen in das Gesamtbild des IHK-Bezirks.
IHK-Bericht aus LeverkusenBlick auf die Zahlen weckt Erinnerungen an Corona-Tief

Betraut mit der Aufgabe, viele für die IHK unzufriedenstellende Zahlen vorzustellen: Dr. Andreas Zieger.
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Wenn in einem etwa einstündigen Gespräch zur aktuellen Lage der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Opladen Formulierungen wie „absolut miserabel“ und „Schrecksszenario“ fallen, dann dürften Interessierte schon ahnen, dass der Trend kein positiver ist.
Auch zum Jahresbeginn 2026 ist die Ernüchterung groß, da gab es bei Andreas Zieger auch nur in wenigen Momenten gute Miene zum bösen Spiel. Der IHK-Konjunkturexperte begann seine Ausführungen damit, dass sich „nicht viel getan“ habe – und die Zahlen über das komplette Jahr 2025 waren schon alles andere als verheißungsvoll.
51 Unternehmen aus Leverkusen nahmen an IHK-Befragung teil
Aus Leverkusen heraus schaut Zieger aber nicht nur auf die Situation im Rheinland und in Rhein-Berg, sondern richtet auch schnell seinen Blick auf die Bundesregierung. Der erhoffte Aufschwung unter Friedrich Merz sei bis dato „nicht eingetreten“.
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Eines der Schreckensszenarien: Wenige Wochen vor dem sechsten Jahrestag der ersten Corona-Maßnahmen sind nicht wenigen der vielen Werte, die Zieger vorstellt, wie im „Corona-Tief“.
Im Zeitraum zwischen dem 15. Dezember und dem 23. Januar ging die IHK im Gesamtbezirk auf 2300 Unternehmen zu, dadurch gingen 632 Antworten ein, die in den vergangenen Wochen ausgewertet wurden. Die Zahlen sollen die Antwort auf die Frage liefern: „Wie schätzen die Unternehmen die wirtschaftliche Lage in zwölf Monaten ein?“
Die Antworten sind, bis auf wenige Ausnahmen, ausgesprochen pessimistisch. Investitionen werden im Großen und Ganzen „eher zurückgefahren“ – und selbst der Hintergrund, wieso sich der Fachkräftemangel tendenziell eher löse, ist kein guter. Denn auch dafür sorge die Stagnation, wegen der es überhaupt erst eine stark gedrosselte Nachfrage nach Fachkräften gebe, berichtet die IHK.
Die Formulierungen „absolut miserabel“ und „Schreckensszenarien“, die bereits zu Beginn des Textes aufgegriffen wurden, beschrieben indes die Situationen in den Bereichen der Vorleistungsgüter und im Maschinenbau. Rosige Perspektiven sehen anders aus.
Als „heimlichen Star“ seiner Ausführungen bezeichnete Zieger indes die verbrauchernahen Dienstleistungen. Gerade bei den Investitionsabsichten und der Einschätzung der Lage lässt sich hier ein positives Bild zeichnen. 37 Prozent der Befragten haben einen positiven Blick auf die Lage, nur zwölf einen negativen. Bei den Investitionsabsichten stehen 47 Prozent im Positiven nur 18 im Negativen gegenüber. Die Folgerung ist simpel: Zum Friseur und zum Physio gehen die Bürgerinnen und Bürger schlichtweg weiterhin.
Aus Leverkusen nahmen übrigens 51 Unternehmen teil, aus Rhein-Berg waren es 73. Die beiden Auswertungen werden den Politikerinnen und Politikern vor Ort nicht gefallen – in allen Bereichen gibt es in Leverkusen und Rhein-Berg negative Werte. In Leverkusen folgt auf ein Minus von 5,9 (Investitionsabsichten) -11,8 bei der Lage, -Zwölf bei den Beschäftigungsaussichten und gar bei den Erwartungen ein Wert von -19,6. Im Rheinisch-Bergischen Kreis gibt es indes nur marginale Unternehmen. Hier beläuft sich das Minus bei den Investitionsabsichten auf 12,7 Prozent, bei den Erwartungen gibt es -6,9, bei der Lage ein Minus von 10,9 und bei den Beschäftigungsaussichten -13,9.
Immerhin: Ein Positivbeispiel aus der Region nannte Zieger noch vor Abschluss seiner Ausführungen – das Unternehmen Miltenyi Biotec aus Bergisch Gladbach, das vonseiten der IHK als „wahnsinnig innovativ“ bezeichnet wurde. Alles in allem gab es viel Rot an einem grauen Nachmittag in Leverkusen, die IHK wird hoffen, dass sie in den kommenden Quartalen wieder von einer Positivtendenz berichten kann.


