Notaufnahmen im Kreis sind an der Belastungsgrenze. Kräfte aus Oberberg helfen in Kölner Notlazarett.
43 Grad KörpertemperaturGartenbauer stirbt in Gummersbach nach Arbeit in sengender Hitze

Hitze an die 40 Grad hat im Kreis das erste Todesopfer gefordert.
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Die Hitzewelle fordert auch in Oberberg ihre Opfer. Ein Gartenbauer ist am Samstag (27. Juni) im Kreiskrankenhaus Gummersbach gestorben. Das berichtet die Sprecherin des Klinikums, Angela Altz, auf Nachfrage. Der Mann habe fünf Stunden in der sengenden Hitze Steine verlegt. „Als er bei uns ins Haus kam, hatte er eine Körpertemperatur von 43 Grad“, so Altz. Die Ärzte in der Notaufnahme hätten ihn nicht mehr retten können.
„Das sollte allen eine Warnung sein, dass man die Gefahren der Hitze ernst nimmt“, sagt die Kliniksprecherin. Altz berichtet weiter, dass Stand Sonntagmittag drei weitere Menschen auf der Intensivstation in Gummersbach in Lebensgefahr schwebten. In allen Fällen sei die enorme Hitze der Grund für den kritischen Zustand.
Auch die Zahlen, die die Klinikumssprecherin für den Samstag nennt, sprechen für sich: In Gummersbach hätten 135 Patienten hitzebedingt die Notaufnahme aufgesucht. Bei 40 von ihnen habe es internistische Befunde gegeben, bei den übrigen neurologische beziehungsweise unfallchirurgische. Ähnlich angespannt war die Lage im Kreiskrankenhaus Waldbröl. Dort suchten 74 Menschen hitzebedingt Hilfe in der dortigen Notaufnahme. 34 Fälle seien internistisch gewesen, berichtet die Sprecherin des Klinikums.
Rettungsdienst im Kreis wurde aufgestockt
Der Oberbergische Kreis verkündet am Sonntag via Social Media, dass die Krankenhäuser voll seien. Landrat Klaus Grootens berichtet auf Nachfrage, dass die Einsatzleitung am Sonntag getagt habe. Und er bestätigt auch, dass die oberbergischen Krankenhäuser Schwierigkeiten hätten, mit der hohen Zahl von Hitzepatienten klar zu kommen. Radevormwald sei dicht, die Häuser in Waldbröl und Gummersbach an der Belegungsgrenze. Ziel müsse es nun sein, vor die Lage zu kommen. „Gemäß dem Grundsatz: Besser haben als Brauchen“, so der Landrat. Grootens Eindruck ist, dass viele Leute die Lage unterschätzten, auch jüngere. Und er betont, dass man endlich sehen müsse, dass der Klimawandel real ist. „Und das wird uns fordern.“
Derweil wurde der Rettungsdienst im Oberbergischen aufgestockt, um auf die aktuell hohen Einsatzzahlen der letzten Tage zu reagieren. Das berichtet Julian Seeger, Leiter des Amtes für Brand-, Zivil- und Katastrophenschutz beim Oberbergischen Kreis. „Die Lage ist angespannt, aber es geht noch“, sagt Seeger am Sonntagmittag im Gespräch mit dieser Zeitung.
Die vergangenen Tage hätten schon ein hohes Einsatzaufkommen gebracht, weshalb man den Rettungsdienst für den „Spitzenbedarf“ aufgestellt, sprich zusätzliche Rettungswagen in Dienst gestellt habe. Anders als in den Nachbarkreisen mussten im Oberbergischen aber noch nicht die Krankenhäuser unterstützt werden, wie Seeger weiter ausführt. Hilfe aus dem Oberbergischen war allerdings am Samstagabend gefragt. In Köln musste in einer Messehalle in Deutz ein Behelfskrankenhaus aufgebaut werden. Dafür rückten aus dem Oberbergischen 110 Einsatzkräfte in Richtung Domstadt aus, um die Kräfte zu unterstützen.
Hintergrund für dieses Hilfegesuch sei gewesen, dass der Rettungsdienst und die Kliniken in der Domstadt am Limit gewesen seien mit Blick auf die Versorgung der Hitzepatienten, sagt Seeger. Nachdem um 22 Uhr die Unterstützungsanfrage Oberberg erreicht habe, seien die Kräfte für einen sogenannten „Behandlungsplatz 50“ zur Sammelstelle nach Wiehl-Bomig in die Nähe der Autobahn gefahren, um von dort im Konvoi nach Köln zu fahren.
Ein „Behandlungsplatz 50“ ist, wie Seeger erklärt, ein Behelfskrankenhaus für 50 Patienten. Ein kleines mobiles Lazarett, wie er sagt. Die Patienten dieses Lazaretts seien unkritische Fälle gewesen, und am Ende sei deren Zahl auch nicht sehr hoch gewesen. Der Oberbergische Kreis muss einen solchen Behandlungsplatz vorhalten. Daran beteiligt sind Kräfte von DRK, Maltesern, Feuerwehr und ein Einsatzleitwagen des Kreises. Um 5 Uhr in der Früh war der Einsatz wieder beendet. „Wir müssen sehen, was der Tag noch bringt“, so Seeger. Sollte in Köln weiterer Bedarf sein, entscheide der Regierungspräsident, wer den Einsatz übernimmt.
