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CO₂-Preis-Abgabe
Oberbergs Bundestagsabgeordneter Brodesser (CDU) befürwortet Entlastung der Wirtschaft

3 min
29.01.2025
Gummersbach
Carsten Brodesser
CDU
Bundestagsabgeordneter

29.01.2025 Gummersbach Carsten Brodesser CDU Bundestagsabgeordneter

Mit dem Jahreswechsel ist auch der Benzinpreis wieder gestiegen. 

 Viele Oberberger haben es mit dem Jahreswechsel an den Zapfsäulen der Tankstellen sofort gemerkt: Mit dem neuen Jahr ist die nächste planmäßige Erhöhung des CO₂-Preises in Kraft getreten. Die Bundesregierung hat den Preis für den Ausstoß einer Tonne CO₂ von zuvor 55 Euro auf einen Korridor zwischen 55 und 65 Euro angehoben. Dies führt direkt zu höheren Aufschlägen an der Zapfsäule. Für Gaskunden ergibt sich 2026 ein gemischtes Bild aus steigenden staatlichen Abgaben und einer gleichzeitigen Stabilisierung des Marktes. Allerdings muss das, wie im Fall der Aggerenergie, nicht automatisch zu höheren Preisen führen.

„Trotz der Erhöhung des CO₂-Preises in 2026 um zirka 0,28 Cent pro Kilowattstunde konnte die Aggerenergie den Gaspreis insgesamt senken“, sagt Unternehmenssprecher Peter Lenz. Ausschlaggebend dafür seien gesunkene Beschaffungskosten und der Wegfall der Gasspeicherumlage, die der Kostenentwicklung entgegenwirkte. „Insgesamt führte dies dazu, dass der Gaspreis bei der Aggerenergie in allen Tarifen bereits zum 1. Januar gesenkt werden konnte und auch nochmals in der Grundversorgung zum 1. April gesenkt wird“, sagt Lenz. Der Grundgedanke bei der CO₂-Abgabe ist bekannt: Die Preisentwicklung soll Anreize schaffen, auf Elektroautos und Wärmepumpe nebst PV-Anlage umzusteigen. Wie das aber bei nach wie vor hohen Lebenshaltungskosten vor allem für Lebensmittel gehen soll, haben wir den oberbergischen Bundestagsabgeordneten Carsten Brodesser gefragt: Ist gut gemeint am Ende auch gut gemacht? Eine abschließende Antwort gibt es nicht.

Brodesser sieht die Belastungsgrenze der Bürger erreicht

Dabei sieht Brodesser durchaus die Belastungsgrenze der Bürgerinnen und Bürger erreicht. Er tue sich auch schwer mit den einseitigen Belastungen durch steigende CO₂-Abgaben auf Gas und Kraftstoffe sowie den Wegfall von Vergünstigungen, wie bei der Stromsteuer. Gleichwohl sagt er, dass die Bundesregierung für den Kauf von E-Autos mit entsprechenden Prämien neue Anreize geschaffen habe. Der Lindlarer steht dafür ein, die Energiepolitik „vom Kopf auf die Füße“ zu stellen, wie er es nennt. Anstatt Menschen zu teuren Investitionen wie Wärmepumpen oder E-Autos zu drängen, während gleichzeitig die laufenden Lebenshaltungskosten steigen, hält er bessere Rahmenbedingungen für alle erneuerbaren Energien und den Abbau bürokratischer Hürden für einen überdenkenswerten Ansatz. Klimaschutzmaßnahmen sollten sozial verträglich sein. Allerdings sieht der Oberberger auch die Gefahr, dass die aktuelle Preispolitik insbesondere den ländlichen Raum hart trifft.

Brodesser verweist im Gespräch darauf, dass Förderprogramme zur CO₂-Minderung zwar existierten, diese aber die massiven Preissteigerungen im Alltag nicht vollständig kompensieren könnten. Die Kritik an der Bundesregierung, dass sie nur für die Industrie die Stromsteuer auf den EU-Mindestsatz gesenkt habe, kann der Abgeordnete nachvollziehen. „Das fand ich schon schwer, dass es anders gekommen ist als geplant.“ Die Senkung der Stromsteuer für alle, also auch die privaten Haushalte, sei unter einem Haushaltsvorbehalt im Koalitionsvertrag vereinbart worden. „Das Hemd der Unternehmer ist uns schon wichtig, denn am Ende müssen wir die Wirtschaft handlungsfähig machen“, sagt Brodesser. Was die Entwicklung einzelner Kosten angehe, sieht Brodesser es allerdings nicht als die Aufgabe der Politik an, die Preise zu diktieren. Diese Entwicklung müsse man schon dem Markt überlassen, betont er. Das gelte neben den Kosten für Energie auch fürs Wohnen, Bauen und die Lebensmittel.

Wobei er schon die Entwicklung wie etwa bei den Milchpreisen mit Skepsis beobachtet. Hier sei ein Kartell entstanden, das zu Lasten der Landwirte gehe. Und was sagt Brodesser zu der Kluft zwischen Klimawende und Bezahlbarkeit? Er räumt ein, dass es ökonomisch kaum möglich ist, dass Menschen mit geringen Einkommen ein E-Auto kaufen, so lange dies deutlich teurer als ein Verbrenner ist. Und wenn dann der Strom an der Ladesäule nicht günstiger sei als Benzin, sei man schon weit weg von der Idealvorstellung.