Comedienne Hazel Brugger zeigte sich bei ihrem Auftritt in der Gummersbacher Schwalbe-Arena ausnahmsweise extrovertiert.
ComedyHazel Brugger sprach in Gummersbach über vier Duschen und einen Bundeskanzler

„Good Evening Europe“: Mit ihrem neuen Programm feierte die Schweizerin Premiere in Gummersbach – und wurde von 1100 Gästen gefeiert.
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„Heute mal kein Handball – heute ist die Schwalbe-Arena für Euch und mich da“, begrüßte die Comedienne Hazel Brugger am Samstagabend ihre rund 1100 Gäste vor einer Kulisse von gigantischen Wolkenbergen. Mit ihrem fünften Bühnenprogramm „Good Evening Europe“ feierte sie ihre Premiere in der Schwalbe-Arena. Gleich zu Beginn beschrieb sich die frühere Poetry-Slammerin scherzhaft als introvertiert. So habe sie keine Angst davor, irgendwo nicht dabei zu sein – sondern eher davor, an irgendeiner Veranstaltung teilnehmen zu müssen: „Einmal in so einer Halle aufzutreten, ersetzt mir dann, einen ganzen Monat mit Leuten zu reden zu müssen.“
Die zweifache Mutter von Töchtern fand ihre Schwangerschaften belastend: „Es ist schon schlimm, wenn in deinem Körper jemand lebt, den du noch nie gesehen hast.“ Danach sei die Familie weiter gewachsen – um zwei Schildkröten. Ursprünglich habe sie ja einen Hund für ihr Haus in Südhessen haben wollen, doch sei die Verantwortung für ein solches Tier recht hoch. Amüsant beschrieb sie daher den Besuch im Reptilienfachhandel: „Und jetzt haben wir halt Hunde mit Helm.“
Auf die Bremse treten, wenn es anfängt, Spaß zu machen
Gleich darauf widmete sich die 32-Jährige den Herausforderungen an junge Mütter. Das Schlimmste am Elternsein sei, dass man auf die Bremse treten muss, wenn es anfängt, Spaß zu machen: „Auf Juchee folgt O weh.“ Erziehung sei in der heutigen Zeit auch nicht immer leicht. So sei ihr Urgroßvater von einem Panzer überrollt worden, als er nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf dem Heimweg war. Die Urgroßmutter habe den Hinweis auf dieses Schicksal gern genutzt, um ihre Sprösslinge zur Räson zu rufen, wenn diese frech wurden.
Die Zeiten haben geändert. Während anderenorts Kinder in einer 30-köpfigen Kindergartengruppe mit einer Erzieherin klarkommen müssen, die vor Überlastung Tinnitus hat und schon zweimal aus dem Ruhestand zurückgeholt wurde, sei sie in der Schweiz in einer Gruppe mit acht Kindern und zwei Erzieherinnen aufgewachsen, die sich liebevoll um jedes einzelne gekümmert hätten, berichtet Brugger. „Was habe ich da für Druckmittel gegen meine Kinder?“ Wenig Hilfe bekomme sie da von ihrem Mann Thomas: „Freu dich doch, wenn Eltern ihren Kindern nicht mehr erzählen müssen, dass früher alles schlechter war .“
„Wie sagen wir der Hazel bloß, dass sie stinkt?“
Nach der Pause äußerte sie sich belustigt über den Umstand, dass sie in der Garderobe der Schwalbe-Arena vier Duschen zur Verfügung hatte und mutmaßte, dass das eine Anspielung sein könnte: „Wie sagen wir der Hazel bloß, dass sie stinkt?“ Grundsätzlich aber liebt die US-amerikanische Schweizerin ihre Wahlheimat Deutschland, in der sie seit zwölf Jahren lebt: „Ich mag den Vibe, die große Abenteuerlust, den Esprit und das Fuego der Deutschen.“ Ein Problem habe sie allerdings mit dem Bundeskanzler: „Vielleicht sollte Friedrich Merz seine Reden mit einem Panflötensolo einleiten, um die Menschen emotional abzuholen.“
Schließlich beschrieb sie eine Begegnung mit Angela Merkel. Die Altbundeskanzlerin habe sie nach der Erscheinung von deren Memoiren auf einem Bahnhof mit einer einfachen Plastiktüte in der Hand getroffen. Brugger versprach: „Ich werde so lange in Deutschland leben und Steuern zahlen, bis sich jede Rentnerin ein vernünftiges Gepäckstück leisten kann.“
Am Ende des gut zweistündigen Programms, das statt flacher Witze auch durchaus tiefgründige Gedanken bot, holt sie im Rahmen der Zugabe Sophie aus dem Publikum auf die Bühne. Im Christmas-Sweaters erklärte diese schmunzelnd: „Ich hatte bei dieser Veranstaltung eigentlich auf einen Tannenbaum gehofft.“ Amüsiert bekundete Brugger: „Wegen so etwas liebe ich Deutschland – in der Schweiz funktioniert so etwas nicht.“
