Abo

AusstellungKunstforum Gummersbach zeigt Düsseldorfer Keramik

3 min
Ein Mann neben einem Tisch mit kleinen Keramikobjekten.

Die Irritation und der Humor seiner Street Art spielen auch eine wichtige Rolle bei den Arbeiten, die der Düsseldorfer Bildhauer Torben Grimm jetzt im Kunstraum Markt 1 ausstellt.

Die Chemie stimmt nicht immer: Die keramischen Kunstwerke des Düsseldorfers Bildhauers Torben Grimm überraschen ihn auch selbst.

Vielleicht findet er auch in Gummersbach eine geeignete Betonwand. Überall auf der Welt – von Hawaii bis Shanghai, von Tallin bis Marrakesch – hat Torben Grimm seine kleinen Rundkacheln installiert. Sie sind nur 3,5 oder 4,5 Zentimeter groß und passen damit exakt in die Ankerlöcher, die dort nach dem Bau zurückgeblieben sind. Eine Karte auf seiner Homepage zeigt, wo genau er die mit blauen Figuren bemalten Keramikscheibchen heimlich installiert hat.

Die Irritation und der Humor seiner Street Art spielen auch eine wichtige Rolle bei den Arbeiten, die der Düsseldorfer Bildhauer jetzt im Kunstraum Markt 1 auf Einladung des Kunstforums Gummersbach ausstellt. Am kommenden Sonntag, 11 Uhr, wird die Ausstellung eröffnet. Besuchen kann man sie danach bis 11. Oktober (donnerstags und freitags, 16 bis 18.30 Uhr, sowie samstags, 11.30 bis 14.30 Uhr).

In Brunsbüttel fing alles an

Der   Ausstellungstitel „Weißes Gold“ verweist auf Zeiten, in denen das wertvolle Porzellan aus China importiert wurde und man in Europa dem Geheimnis seiner Herstellung nachspürte. Torben Grimm ist im Hauptberuf Lehrer an einem Neusser Gymnasium und unterrichtet dort neben Kunst auch Chemie. Dieses Doppelinteresse hat seinen Ursprung in der Brunsbütteler Töpferei der Großeltern, berichtet Grimm: „Im Keramikhandwerk spielt beides eine Rolle, Chemie und Kunst.“ Der Teenager war von   den Gestaltungsmöglichkeiten und der Wandelbarkeit des Materials so fasziniert, dass er später beide Fächer studierte.

Und heute begreift Grimm seine Arbeit sowohl als ästhetisches wie chemisches Experiment. Trotz aller Fachkenntnis über den Prozess lässt sich das Brennen der Glasur nur begrenzt steuern, berichtet der Künstler: „Jedes Mal, wenn ich den Ofen aufmache, erlebe ich eine Überraschung. Es ist immer anders, als ich mir vorgestellt habe“, sagt Grimm. „Das Ergebnis ist manchmal missglückt, dann muss das Experiment wiederholt werden.   Und immer führt es zu neuen Fragen und Ideen.“

Von China nach Delft

Auch der Blick in die reiche Geschichte der Keramikkunst ist ihm Inspiration: „Es ist spannend zu sehen, wie lange es gedauert hat, bis es den Delfter Fayencen gelungen ist, das chinesische Porzellan einigermaßen gut zu faken.“ Grimms keramische Arbeiten seien kulturelle Speicher, in die sich Wissen, Ritual, Handel, Macht und Ästhetik eingeschrieben haben, schreibt das Kunstforum in der Ankündigung. Die Figuren und Objekte bewegten sich „zwischen Materialforschung und poetischer Erfindung“.

Vereinsvorsitzende Silke Knapp-Trauzettel ist es mit der Grimm-Ausstellung gelungen, eine originelle Herangehensweise nach Gummersbach zu holen. Die Anregung kam von dem Düsseldorfer Künstler Michel Sauer, der nicht nur Grimm an der Siegener Uni unterrichtet hat, sondern Jahre zuvor auch Knapp-Trauzettel und ihren Mann, den Gummersbacher Künstler Christoph Knapp, der am Sonntag denn auch in Grimms Werk einführen wird.

Manchmal erfahre er von Freunden seiner Kunst, die mittels der Internetkarte seine Keramikkacheln besuchen, was aus den Betonverschönerungen geworden ist, berichtet Torben Grimm. „In Singapur wurde die Scheibe von der Stadtreinigung gelb überstrichen – was aber auch ganz interessant aussieht.“ Ob er sich auch in Gummersbach verewigen wird, kann er noch nicht sagen. „Ich werde aber vorbereitet sein.“