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Umstrittene ÄußerungFeuerwehr Gummersbach weist "Spielplatz"-Vergleich zurück

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Ein Gruppenfoto von Feuerwehrmännern, die für ihre langjährige Mitgliedschaft geehrt wurden.

Be der Jahresdienstbesprechung der Freiwilligen Feuerwehr Gummersbach wurden langjährige Mitglieder geehrt.

Die Feuerwehr sei ein "Spielplatz für Männer", hatte Konrad Gerads (Grüne) kürzlich gesagt.  Bei der Jahresdienstbesprechung der  Feuerwehr Gummersbach gab es daran heftige Kritik.

Bei der Jahresdienstbesprechung der Freiwilligen Feuerwehr Gummersbach fielen öfters die Worte „Spielplatz“ und „Spielzeug“. Und jedes Mal gab es Gelächter und viel Applaus der mehreren Hundert Feuerwehrmänner und -frauen, die am Sonntagmorgen in der Aula des Lindengymnasiums zusammengekommen waren.

Der Hintergrund: Vergangene Woche hatte Konrad Gerards, der Fraktionssprecher von Bündnis 90/Die Grünen, im Gummersbacher Hauptausschuss die Feuerwehr als „großen Spielplatz für Männer“ bezeichnet und die hohen Kosten für den Ausbau des Parkplatzes am Gerätehaus Dieringhausen kritisiert.

Jeder Cent ist gut angelegt, Spielzeug ist nicht dabei
Raoul Halding-Hoppenheit, Bürgermeister von Gummersbach

Raoul Halding-Hoppenheit, Bürgermeister von Gummersbach, dankte den fast 700 ehrenamtlichen und hauptamtlichen Feuerwehreinsatzkräften im Namen von rund 53.000 Gummersbachern für ihr Engagement. 2026 werde die Stadt gut elf Millionen Euro für die Wehr ausgeben. „Jeder Cent ist gut angelegt, Spielzeug ist nicht dabei“, bemerkte Halding-Hoppenheit süffisant.

So soll die Schutzausrüstung der Wehrkräfte ausgetauscht werden, das neue Gerätehaus Homert gehe in Betrieb, Bernberg/Dümmlinghausen sollen ein neues Gebäude bekommen, für Rebbelroth und Derschlag suche die Stadt ein Grundstück. Die Wache in Brunohl erhalte eine neue Trennung zwischen Weiß- und Schwarzraum sowie eine neue Garage. Eine neue Drehleiter komme 2027. Und der Parkplatz an der Wache in Dieringhausen sei für die Einsatzkräfte unverzichtbar. „Sie sind uns lieb, Sie sind es wert, bleiben Sie uns erhalten“, schloss der Bürgermeister.

Lob vom Landtagsabgeordneten

MdL Christian Berger hob hervor, dass der hohe ehrenamtliche Einsatz der Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren alles andere als selbstverständlich sei. Wie schon am Tag zuvor bei der Wehrbesprechung in Bergneustadt ging Kreisbrandmeister Julian Seeger auf die veränderte politische Weltlage ein. Katastrophenschutz und Zivilschutz seien riesige Herausforderungen, viele Fragen, etwa die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr, seine noch ungeklärt. Auch Seeger wies den Spielplatzvergleich als unangemessen zurück.

Noch deutlicher wurde Frank Raupach, der Leiter der Gummersbacher Feuerwehr. „Alle Maßnahmen sind sinnvoll und begründbar. Wir sind alles, nur kein Spielplatz für Männer, und kein kostspieliger Dorfverein. Unsinnige Äußerungen in der Öffentlichkeit dürfen nicht zum Standard werden“, mahnte Raupach. Die Politik sei eingeladen, bei der Feuerwehr vorbeizuschauen und sich zu informieren.

641 Einsätze gab es im Jahr 2025

Die Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD und FDP nahmen an der Dienstbesprechung teil. Auch die Grünen, Die Linke, BSW und AfD habe man eingeladen, so Raupach, Absagen seien ausgeblieben.

641 Einsätze verzeichnete die Gummersbacher Wehr im Jahr 2025, das entspricht dem langjährigen Durchschnitt. 99 Mal mussten die Einsatzkräfte zu Bränden ausrücken, 268 Mal leisteten sie technische Hilfe, dazu kamen 57 sonstige Einsätze und 197 Fehleinsätze, vor allem durch Brandmeldeanlagen. „Viel zu viel“, so Raupach.

Der schlimmste Einsatz war ein Großbrand am 23. September. Ein Einfamilienhaus brannte völlig aus, eine Bewohnerin kam ums Leben. Viel Lob gab es für die Jugendfeuerwehr mit 63 Einsatzkräften, davon 18 Mädchen, und die jüngste Einheit der Gummersbacher – die Kinderfeuerwehr „Löschraketen“ unter Leitung von Carmen Buschmann. Ein kleines Video, dass das praxisnahe Training und die Begeisterung der Kinder zeigte, stieß auf große Begeisterung im Publikum. „Das ist sensationell, das kriege ich Pippi in den Augen“, freute sich Raupach. 


Ehrungen

Für langjährigen, aktiven Dienst erhielten das Feuerwehrehrenzeichen des Landes NRW: Jürgen Bauer, Thomas Gerlach, Rainer Gräfer, Lutz Nöckel, Edgar Reichling, Michael Schwendt, Steffen Steinhauer (50 Jahre); Lars Hohmuth, Joachim Löwing, Olaf Wilke, René Sdrada, Andreas Esser (35 Jahre); Jan Abrolath, Andreas Begoihn, Thomas Enders, Mark Feldbusch, Daniel Hohmuth, Timo Manz, Andre Pfälzer, Achim Rudat, Alexander Thies, Daniel Wenzlau (25 Jahre)

Für langjährige Mitgliedschaft erhielten die Ehrennadel des Verbandes Deutscher Feuerwehren: Jürgen von Montigny (70 Jahre); Erhard Diehl, Peter Florkowski, Gunter Franken, Friedhelm Köster, Walter Krieger (60 Jahre); Jürgen Bauer, Holger Blank, Thomas Gerlach, Rainer Gräfer, Bernd Klein, Lutz Nöckel, Edgar Reichling, Jürgen Reichling, Michael Schwendt, Steffen Steinhauer (50 Jahre); Andre Heinrich, Michael Kronenberg, Lothar Pfeiffer, Ivo Radek (40 Jahre); Jan Alberts, Souliman Bousouf, Marcel Fredrich, Robert Guther, Nadine Hansen, Kai Jarchow, Hendrik Köster, Dennis Kretschmer, Jordy Leßlich, Anke Löwing, Marvin Meßing, Timo Prislan, Björn Reese, Zven Reinecke, Kevin Schmidt, Marvin Schmitz, Tom Ueberberg, Arne Wäschenbach (10 Jahre)