Der Songtitel „The Perfect Tragedy" beschreibt es ganz gut. Im vergangenen Jahr grätschte das Pfeiffersche Drüsenfieber dazwischen, eine Virusinfektion setzte Sängerin Helen und Bassist Chris unmittelbar vor dem Konzert außer Gefecht. Nun aber wollen die Musiker von Latin Greek zum Heimspiel antreten, und ihr Ruhm ist in der Zwischenzeit gewachsen. Am Samstag, 31. Oktober, Einlass ist um 17 Uhr, steigt wieder der „Rock am Scheelbach" und die zum Quintett abgerundete Band aus Lindlar gehört zu den fünf Gruppen auf dem Programmzettel.
Der Eintritt kostet zehn Euro. Der Erlös dient wie immer einem guten Zweck, diesmal der Arbeit des Lindlarer Jugendzentrums Horizont und des Start-Projekts der Ökumenischen Initiative Wipperfürth und Radevormwald.
Lindlarer Festival gibt es seit 24 Jahren
Vor 24 Jahren hatte das Festival Premiere. Mit den Schwestern Michelle und Aileen Fliegner an der Spitze hat eine neue Generation die Organisation unter dem Dach des Sportvereins übernommen. Ausnahmsweise findet das Festival nicht unter freiem Himmel am Platz des SV Frielingsdorf statt, sondern zieht nebenan in die Scheelbachhalle ein, wo aber ebenfalls bis zu 400 Rockfans Platz haben dürften. Der Sportplatz bekommt einen neuen Kunstrasen und ist wegen der Bauarbeiten gesperrt. Die „Halloween-Edition" bleibt ein Sonderfall, im kommenden Jahr soll das Festival wieder im Sommer (voraussichtlich am 28. August) und im Freien stattfinden.
Neben Latin Greek treten in diesem Jahr Light The Blind (Köln), Mikesch (Wuppertal), Soundspillers (Lindlar) und Nivo (Stuttgart) auf. Wer möchte, kann sich wieder ein Tattoo als bleibende Erinnerung an den Abend stechen lassen. Vielleicht mit einem Gruselmotiv? Das Veranstaltungsteam verspricht jedenfalls „die fetteste Halloween-Rockerei" und fordert: „Kostüme raus, Gitarren hoch und ab in die Scheelbachhalle!"

Keyboarder Paul Rappenhöner (2.v.l.) ist jetzt festes Mitglied.
Copyright: Johanna Hepp
Dem kann sich David Bosbach nur anschließen. Der Latin-Greek-Gitarrist freut sich darauf, vor heimischem Publikum einen ganz neuen Song zu testen. In dieser Woche war die Band in Münster, um im Studio des Produzenten Simon Leander Raschen einige Probeaufnahmen zu machen. Bosbach würde gern noch in diesem Jahr eine neue EP mit fünf Titeln einspielen. Im kommenden Jahr will Latin Greek damit wieder bekanntere Bands supporten, aber auch eine eigene Clubtour machen und vielleicht auf Festivals auftreten.
Der Nachfolger ihres Indiepop-Erstlings „Main Attraction" aus dem vergangenen Jahr wird die besten Stücke versammeln, die Latin Greek im Frühjahr bei einer Songwritingklausur in Amsterdam geschrieben und danach im Bonner Ministudio von Helen Kremer und Chris Fischer ausgefeilt haben. „Wir schlagen eine Brücke zu einem neuen Stil", sagt David Bosbach. „Der Sound ist härter, aber auch durchdachter und strukturierter. Es gibt Harmoniegesang und interessante Effekte."
Lindlarer Band ist nun zu fünft
Im zu Ende gehenden Jahr ist einiges passiert. „Wir sind als Band enger zusammengewachsen." Keyboarder Paul Rappenhöner ist nun festes Mitglied der Band und war auch dabei, als Latin Greek im Juni beim großen Hurricane-Festival in Scheeßel bei Bremen aufgetreten sind. Um mit großen Acts wie Florence + The Machine, The Offspring und Kraftclub die Bühnen teilen zu dürfen, hatten sich Latin Greek an einem Online-Voting beteiligt und ihre Fanbasis erfolgreich mobilisiert.
David Bosbach schwärmt noch immer von dem Hurricane-Erlebnis. „Das war einer der Tage im Leben, die man nicht vergisst. Die gigantische Bühne, der Megasound, die vielen Leute, die dort arbeiten - das war schon surreal." Hinter der Bühne genossen die Lindlarer einen Catering-Komfort, der deutlich über dem Standard der kleinen Clubs liegt, in denen sie sonst auftreten. „Als Musiker fühlt man sich wie der King of Currywurst." Promis wie Jan Böhmermann liefen ihnen backstage über den Weg, Die britische Sängerin Natasha Bedingfield versorgte am Buffet ihre Tochter. Den umjubelten Auftritt von Latin Greek kann man sich bei Magenta Music ansehen.
Der „Rock am Scheelbach" ist ein paar Nummer kleiner. Nach der Absage im vergangenen Jahr hat David Bosbach aber „umso mehr Bock" dort zu spielen. „Was das Team da auf die Beine stellt, ist irre. Wir freuen uns, ein Teil davon zu sein", sagt der Gitarrist und merkt an: „Meine Freundin wohnt in Frielingsdorf. Es ist mal ganz schön, nach dem Auftritt direkt nach Hause gehen zu können."


