TechnikIn Börlinghausen besuchten Studierende eine nachhaltige Landwirtschaft

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Der Börlinghauser Landwirt Bernd Krämer (r.) begrüßte Manfred Stern und weitere Exkursionsteilnehmer.

Der Börlinghauser Landwirt Bernd Krämer (r.) begrüßte Manfred Stern und weitere Exkursionsteilnehmer.

Studierende der TH in Gummersbach ließen sich in Marienheide-Börlinghausen eine Öko-Landwirtschaft erklären.

Die Landwirtschaft ist ein interessantes Feld für die Technik, erst recht in den Zeiten der Klimawende. Und der Bioland-Hof von Bernd Krämer ist ein Vorreiter. Im Rahmen ihrer Umweltringvorlesung hat die Technische Hochschule in Gummersbach darum unter Leitung des Lehrbeauftragten Manfred Stern eine Exkursion zu dem Betrieb   am Rande des Marienheider Ortes Börlinghausen organisiert. Rund 30 Studenten aus den Bereichen Informatik und Wirtschaftsingenieurwesen und zehn Gäste interessierten sich für die nachhaltige Technik der ökologischen Landwirtschaft.

Bauer Krämer schilderte, dass sein Vater früher einen Landwirtschaft bei der Gummersbacher Ortschaft Wasserfuhr betrieb. Aus Platzmangel wurde der Hof 1970 nach Marienheide „auf die grüne Wiese“ umgesiedelt. Die neue Hofstelle sei von Anfang an nachhaltig angelegt worden. So sei dort der erste „Kaltstall“ in der Region errichtet worden. Der staatlich geprüfte Landwirt führte aus, dass die Variante für die derzeit rund 70 Milchkühe einen wesentlich besseren Komfort biete als die früher üblichen Warmställe.

Planungen für Windrad begannen 1995

Es sei schon seinem Vater sehr wichtig gewesen, das Futter für die Tiere extensiv zu gewinnen und keine mineralischen Dünger zu verwenden. So werde bei ihm als Grunddüngung lediglich Mist und Gülle in Kombination mit Kalk genutzt. Darum sei es naheliegend gewesen, als die Milchpreise 2016 „im Keller“ waren, auf zertifizierte Bio-Produktion umzusteigen. „Das passte auch zu meiner Überzeugung“, erklärte Krämer: „Bei mir müssen die Kühe so lange wie möglich auf die Weide.“

Der Familie sei es immer sehr wichtig gewesen, neben der Milchviehhaltung weitere Standbeine zu haben. So habe seine Mutter früher „Urlaub auf dem Bauernhof“ angeboten, sein Vater Pensionspferde in Obhut genommen. 1995 wurde mit der Planung eines Windrads begonnen worden, das drei Jahre später fußläufig zur Hofstelle errichtet wurde. Die Finanzierung war ihrer Zeit voraus: Um Kapital zu sammeln wurden Beteiligungen ausgeschrieben, und zwar zum Vorzugspreis für die Bürger aus der Umgebung.

Bei mir müssen die Kühe so lange wie möglich auf die Weide.
Bernd Krämer, Landwirt

Im Jahr 2003 wurde ein weiteres Windrad bei Dannenberg errichtet, was sich aber schwieriger gestaltete, da es dort nachbarschaftliche Proteste gegeben habe, berichtet Krämer. Noch einmal fünf Jahre später habe er das Dach des Kuhstalls mit einer Solaranlage ausgestattet, die 59 Kilowatt Nennleistung erzeugt. Der Landwirt betonte, wie wichtig es ihm ist, aus mehreren Quellen Einkommen zu erwirtschaften. So war es ihm in den trockenen Sommern der vergangenen Jahre möglich mit dem Ertrag aus der Energiegewinnung die Viehhaltung quer zu subventionieren: „In dieser Zeit musste ich Futter für bis zu 40 000 Euro zukaufen.“

Nach dem Auftakt auf dem Hof führte Bernd Krämer die Besucher zur Besichtigung des inzwischen 25 Jahre alten Windrads mit einer Nabenhöhe von 65 Metern und einer Leistung von 500 Kilowatt. Naturschützer kritisieren, dass Windräder eine Gefahr für Vögel sind. Auf Nachfrage erklärt Krämer, dass er noch nie einen toten Vogel bei der Anlage entdeckt habe: „Ich gehe täglich hier vorbei, und entweder ist da nie etwas passiert oder der Fuchs war jedes Mal schneller.“

Krämer rechnet, dass die Anlage noch für fünf weitere Jahre betrieben werden kann. Danach muss sie verschrottet werden, der vollständig aus Stahl bestehende Turm sei aber gut zu recyceln. Krämer bedauert: „An ein Repowering ist jedoch nicht zu denken bei den jetzt gültigen Abstandsregeln.“ Es könnte sein, dass der Mast stehen bleibt, nachdem Gondel und Blätter demontiert sind: „Vor ein paar Jahren hat ein Telefongesellschaft ihre Mobilfunkantennen dort oben angebracht und es ist gut möglich, dass sie diesen Standort weiter nutzen.“

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