Die Märkte der Bremer Enso-Gruppe werden als Genossenschaft geführt. Dafür müssen sich mindestens 600 Oberbergerinnen und Oberberger finden.
Neuer Lebensmittelmarkt„Tante Enso“ möchte in Morsbach-Lichtenberg heimisch werden

Sie waren die letzten, die in Morsbach-Lichtenberg Lebensmittel verkauft haben: Im September 2022 übernahmen Anna-Lena Dzundza und Idriz Lekpek das „Lichtenberger Lädchen“. Etwas mehr als ein Jahr später gaben sie das Geschäft jedoch wieder auf.
Copyright: Jens Höhner (Archiv)
Eine Flasche passierte Tomaten für die Pastasoße, dazu ein schöner Rotwein, etwas Gemüse, natürlich Parmesan und für den gemütlichen Fernsehabend später auf dem Sofa noch ein wenig Knabbergebäck – und das an sieben Tagen in der Woche, 24 Stunden am Tag.
In der Morsbacher Ortschaft Lichtenberg soll das in diesem Jahr möglich werden: Die Unternehmensgruppe Enso aus Bremen möchte auf dem früheren Industriegelände der Firma Brocke einen Lebensmittelmarkt der etwas anderen Art eröffnen. „Tante Enso“ heißt das Konzept, das der Kundschaft sowohl den Einkauf zu gewöhnlichen Zeiten mit Bedienung als auch den Einkauf etwa zu später Stunde ohne Personal erlaubt. Dann öffnet die „Tante Enso“-Karte die Ladentür.
Damit sich „Tante Enso“ aber tatsächlich an der Bergstraße niederlässt, muss zunächst eine Genossenschaft gegründet werden. Die Läden der Bremer Kette funktionieren nämlich nach dem Gemeinschaftsprinzip: Bis Mittwoch, 18. Februar, müssen sich mindestens 600 Oberbergerinnen und Oberberger finden, die dann mindestens einen Genossenschaftsanteil in Höhe von 100 Euro erwerben.
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Konzept der Enso-Gruppe hat das Planungsdezernat des Oberbergischen Kreises überzeugt
Gegründet worden ist das Unternehmen 2016 von Norbert Hegmann und Thorsten Bausch, bis heute gibt es bundesweit 83 „Tante Enso“-Filialen. Eine neue Niederlassung in Lichtenberg wäre die erste in Oberberg – und die einzige weit und breit.
Wegweiser in Oberbergs Süden und sozusagen Lotse ist der Oberbergische Kreis, das Planungsdezernat ist im vergangenen Jahr auf die Enso-Gruppe zugegangen. „Deren Konzept gefällt uns und hat überzeugt“, erklärt Dezernent Frank Herhaus. Zudem sei eine Standortanalyse auf den Weg gebracht worden. Denn Lebensmittelläden gibt es in Lichtenberg zurzeit keine.
Zuletzt haben im Dezember 2023 Anna-Lena Dzundza und Idriz Lekpek als Betreiber des „Lichtenberger Lädchens“ das Handtuch geworfen. Wer also Nahrungsmittel braucht, der muss nach Morsbach, Waldbröl-Hermesdorf oder in die Reichshofer Orte Denklingen oder Wildbergerhütte fahren. „Und am Ende hat Lichtenberg am besten zu dem gepasst, was Enso sucht“, betont Dezernent Herhaus.

Das Konzept von Tante Enso soll eine moderne Nahversorgung in ländliche Regionen. Auch Lichtenberg könnte bald davon profitieren. Das Konzept vorstellen wollen (von links): Timo Neuber (Dorfgemeinschaft), Kerstin Wittershagen (Wirtschaftsförderung der Gemeinde Morsbach), Bernd Vankerkom (Mitinhaber des Firmengländes), Morsbachs Bürgermeister Jan Schumacher, Erhard Binder (Mitinhaber des Firmengländes) und Philip Isenberg (Abteilungsleiter „Tante Enso“).
Copyright: Liane Becker/Gemeinde Morsbach
Einziehen soll „Tante Enso“ in das Glas-Gebäude an der Bergstraße, in die frühere Verwaltung der Firma Brocke. Das mehr als 26.000 Quadratmeter große Gelände gehört seit Ende 2021 den Gummersbacher Investoren Bernd Vankerkom und Erhard Binder. „Wir können Enso im Erdgeschoss eine Fläche mit einer Größe von etwa 320 Quadratmetern anbieten, Parkplätze finden sich gleich nebenan“, sagt Vanderkom.
Eine Kunststoffspritzerei und Dienstleister für industrielle Messtechnik und Konstruktion gehören heute zu den weiteren Nutzern des ehemaligen Brocke-Areals. Auch auf deren Beschäftigte als künftige Anteilseigner am Lebensmarkt setzen der Oberbergische Kreis und ebenso die Gemeinde Morsbach.
Deren neuer Bürgermeister Jan Schumacher hofft sehr, dass es so kommt: „Ein solcher Markt wäre nicht nur toll für Lichtenberg, sondern auch für jedes Dorf ringsherum“, findet er. „Auch die älteren Menschen würden profitieren: Das Seniorenzentrum ist in der Nähe, es ist keine 500 Meter entfernt.“
Bei einem Informationsabend am Dienstag, 20. Januar, wollen die Gemeinde, das Unternehmen Enso und auch die Dorfgemeinschaft von Lichtenberg das Projekt vorstellen. Dem Bergischen Land am nächsten sind zurzeit die Enso-Märkte in Wassenach am Laacher See und in Bad Emstal. Die älteste, noch geöffnete „Tante Enso“-Filiale befindet sich in Schnega (Landkreis Lüchow-Dannenberg), am morgigen Donnerstag folgt eine weitere in Gescher-Hochmoor. Für ein Gespräch mit der Redaktion war indes weder die Enso-Gruppe, noch der für Morsbach zuständige Expansionsleiter Philipp Isenberg erreichbar.
Das ist „Tante Enso“: Informationsabend in Morsbach-Lichtenberg am 20. Januar
Die „Tante Enso“-Filialen verstehen sich als moderne Nachfolger der „Tante Emma“-Läden, weil sie die digitale Technik und den traditionellen Einkauf zusammenbringen und somit die Versorgung zu jeder Uhrzeit erlauben. Vier Stunden an Werktagen soll zudem Personal der Kundschaft zur Seite stehen. Zutritt jenseits dieser Zeiten erhält mithilfe der „Tante Enso“-Karte jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist. Bezahlt wird dann einer Selfcheckout-Kasse.
Ziel des Bremer Unternehmens ist es, unter dem Dach genossenschaftlich organisierter Märkte die Nahversorgung vor allem in Orten auf dem Land mit Einwohnerzahlen zwischen 1000 und 3000 zu gewährleisten, da es diesen oft an einem nahe gelegenen Supermarkt fehle. Dafür nutzt „Tante Enso“ eigenen Angaben zufolge bestehende oder neugebaute Ladenlokale mit einer Größe von etwa 230 Quadratmetern, auf dieser Fläche soll ein Sortiment mit 3000 bis 4000 Artikeln Platz finden. Unter dem Markennamen „Enso Helden“ sollen zudem Waren und Lebensmittel aus regionaler und lokaler Produktion den Weg in die Regale finden.
Der Name „Enso“ ist Japanisch und bedeutet Kreis. Er soll die Gemeinschaft symbolisieren und somit auch das Recht auf Mitbestimmung der Anteilseigner. Für den Start in Morsbach-Lichtenberg werden mindestens 600 Oberbergerinnen und Oberberger gesucht, die mindestens einen Anteil mit einem Wert von 100 Euro an der myEnso Teilhaber eG zeichnen. Erklärt wird das Vorgehen bei einem Informationsabend am Dienstag, 20. Januar, ab 18 Uhr in der Kirche St. Joseph, Asbacher Weg 3.

