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UmweltKönnte es bald Bio-Diesel in Overath geben?

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Zu sehen ist eine Zapfsäule mit HVO100-Kraftstoff.

Eine HVO100-Tankstelle könnte es in Zukunft auch in Overath geben.

Mit dem Kraftstoff, der auf Pflanzenfetten basiert, auch bekannt als HVO100, beschäftigte sich jüngst der Overather Ausschuss für Umwelt, Mobilität, Tourismus und Digitalisierung. So hat die CDU vorgeschlagen, die städtischen Diesel-Wagen mit dem Bio-Diesel-Kraftstoff zu betanken und so 90 bis 95 Prozent CO2-Ausstoß zu sparen.

Wie die Verwaltung in der Vorlage erläutert, sind nach aktuellem Stand 40 Prozent der in Frage kommenden Fahrzeuge mit HVO100 betankbar plus die der Feuerwehr. Die restlichen sind vom Hersteller nicht dafür freigegeben. Würde man sie doch betanken, könnte der Garantieanspruch verloren gehen. Zusätzlich zu beachten sei, dass die nächste Tankstelle für HVO100 in Lohmar liege, was Zeit kosten würde.

Kosten für eigene Tankstellebetragen 20.000 Euro

Aus diesem Grund komme eine eigene Tankstelle in Frage, deren Kosten auf 20.000 Euro geschätzt wurden, ohne die Bautätigkeiten und einen erforderlichen Ölabscheider, wie Markus Funke, Amtsleiter des Baubetriebsamtes, erläuterte. Dazu kämen noch 3600 Euro Mehrkosten pro Jahr für den Kraftstoff selbst, da der über dem Preis von normalem Diesel liegt. Das könnte sich bei einer eigenen Tankstelle allerdings etwas relativieren.

Hans Schlömer (SPD) wollte wissen, wie CO2-neutral der Sprit tatsächlich ist, wenn etwa Palmöl oder ähnliche Fette zugegeben würden, sonst gehe die Bilanz nämlich nicht mehr auf. Außerdem fragte er, ob die Gefahr von Engpässen entstehen könne, da der Kraftstoff „gefühlt“ nicht sehr verbreitet sei, ob potenzielle Partner in Aussicht stünden und welche Alternativen es für HVO100 gibt.

Rücksprache mit Raffinerien

Funke stellte klar, dass vieles noch in Erfahrung gebracht werden müsste und es zunächst darum gegangen sei, die groben Rahmenbedingungen zu präsentieren. Was die CO2-Bilanz betreffe, so müsste noch Rücksprache mit Raffinerien gehalten werden und auch die Synergien seien „noch in der Findung“. Ob es Engpässe geben wird oder nicht, hänge damit zusammen, ob es eine eigene Tankstelle geben wird. Eines stehe aber fest, der Standort müsste öffentlich zugänglich sein.

Guido Lazotta (CDU) erkundigte sich, ob es möglich wäre, die bestehende Tankstelle der Autobahnmeister zu erweitern, was laut Funke aus technischen Gründen nicht machbar sei.

E-Mobilität nicht verdrängen

Eric Renneberg (Grüne) schlug daraufhin vor, das Thema weiter auf der Agenda zu halten und E-Mobilität darin mit einzubeziehen und zu beraten. Zum jetzigen Zeitpunkt sollte aber noch kein Beschluss gefasst werden, da noch zu wenig Informationen vorlägen. Seine Fraktion stehe weiterhin hinter der E-Mobilität und wolle sie nicht durch HVO100 verdrängen.

Schlömer stellte einen Prüfauftrag für eine ökologische Bilanz des Kraftstoffs genauso wie konkretere Pläne für die Umsetzung einer Tankstelle. Dort wo es sinnvoll sei, könne HVO100 durchaus hilfreich sein, allerdings nicht, wenn statt E-Autos Dieselfahrzeuge angeschafft würden.

E-Mobilität noch risikobehaftet

Funke wies darauf hin, dass ein kompletter Flottenaustausch auf E-Mobilität nicht ratsam sei, da sie derzeit nicht für alle Einsätze die notwendige Kapazität hätten. Beim Winterdienst etwa und Einsätzen, die zehn Stunden am Stück dauerten, kämen E-Fahrzeuge an ihre Grenzen. Renneberg schlug daraufhin vor, auch die Grenzen der E-Fahrzeuge vorzustellen und merkte an, dass der Vorschlag frühestens bei der Haushaltsberatung diskutiert werden könne, da die Kosten recht hoch ausfielen. Darauf konnten sich die Ausschussmitglieder einigen.

In Bergisch Gladbach gibt es den Treibstoff HVO100 bereits seit vergangenem Juni (wir berichteten) bei der Tankstelle Emova. Dort betankt vor allem der Gladbacher Abfallwirtschaftsbetrieb seine Müllfahrzeuge mit dem Bio-Sprit. Der ist auch für private Wagen geeignet und dabei geruchlos und durchsichtig klar.