Der Dunkle Wiesenkopf-Ameisenbläuling ist „Schmetterling des Jahres 2026“. In Oberberg zählt der Schmetterling zu den seltensten Tierarten.
Schmetterling des JahresEine Ameise adoptiert seine Larven

Zwei seltene Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläulinge auf der Blüte des Großen Wiesenknopfs bei Morsbach. Foto: Buchen
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Zum „Schmetterling des Jahres 2026“ ist der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling gewählt worden. Mit dieser Wahl macht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) auf die wachsenden Gefährdungen aufmerksam, denen dieser Tagfalter durch intensive Landnutzung ausgesetzt ist.
Im Oberbergischen zählt dieser Schmetterling zu den interessantesten und zugleich seltensten Tierarten. Wie der Name Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling schon sagt, ist der 33 Millimeter große, zimtbraune Falter in seinem Lebenszyklus auf zwei weitere Arten angewiesen: den Großen Wiesenknopf als lebensnotwendige Wirtspflanze und die Knotenameise.
Raupen geben zuckerhaltiges Sekret ab
Während seiner kurzen Flugzeit, im Oberbergischen vom 7. Juli bis 30. August, nutzt der kleine Falter die Blüten des Wiesenknopfs als Nahrungsquelle, Platz für die Paarung und Eiablageort. Die jungen Larven ernähren sich zunächst von den Blüten, wandern anschließend zum Boden und werden dort von der Rotgelben Knotenameisen „adoptiert“ und in deren Nester getragen, eine Folge ihrer perfekten Nachahmung des Duftes von Ameisenlarven. Außerdem sondern die Schmetterlingsraupen ein zuckerhaltiges, für die Ameisen leckeres Sekret ab. In den Nestern leben die Falterraupen dann als „Wolf im Schafspelz“ von der Ameisenbrut, bis sie sich verpuppen und im folgenden Sommer als Schmetterlinge schlüpfen. Dieses komplexe Zusammenspiel von Pflanze, Falter und Ameise ist faszinierend und zugleich extrem störanfällig. Schon kleine Veränderungen in der Bewirtschaftung oder im Klima können dieses fragile Gleichgewicht aus dem Takt bringen.
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Die Bestände des Großen Wiesenknopfs sind infolge intensiverer Grünlandnutzung durch verstärkte Düngung und häufige Mahd stark zurückgegangen; die Art steht inzwischen auf der Vorwarnliste gefährdeter Pflanzen. Auch die Knotenameise wird seltener, da vielerorts die Böden durch den Klimawandel heißer und trockener werden.
Erhaltungszustand ist „ungünstig-unzureichend“
Die Folgen sind gravierend: In Deutschland wird der Erhaltungszustand des Ameisenbläulings derzeit als „ungünstig-unzureichend“ mit negativem Trend eingestuft. Immer mehr Lebensräume des nach EU-Recht streng geschützten Falters verschwinden und sein Bestand schrumpft, auch im Oberbergischen.
Hier kommt der Schmetterling, der zwar zur Familie der Bläulinge zählt, aber beige-braun gefärbte Flügel mit wenig Blau und schwarzen Punktreihen auf den Unterflügeln hat, nur noch in der Gemeinde Morsbach vor. Im äußerst südlichen Zipfel des Kreisgebietes ist er in den letzten 30 Jahren im unteren Wisserbachtal und Holpebachtal beobachtet worden, allerdings war die Zahl der Individuen dort sehr gering. In beiden Bachtälern zusammen wird der Bestand aktuell nur noch auf 20 bis 30 Schmetterlinge geschätzt.
Beobachtungen auch in Windeck
An diese letzten Vorkommen im südlichen Oberbergischen, an der nördlichsten Verbreitungsgrenze dieser Art in Deutschland, schließen sich Beobachtungen in der benachbarten Gemeinde Windeck an. Dort an der Sieg rund um Rosbach und in den südlichen Nutscheidtälern gibt es aktuell ebenfalls noch einzelne Restvorkommen des Ameisenbläulings. Bis auf ein kleines Vorkommen am Niederrhein bei Neuss ist die Art in Nordrhein-Westfalen sonst kaum noch anzutreffen.
Zahlreiche Projekte zeigen, dass sich der Einsatz für den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling lohnt: Naturschutzorganisationen, Ehrenamtliche und engagierte Landwirtinnen und Landwirte setzen sich erfolgreich dafür ein, geeignete Wiesen zu erhalten oder wiederherzustellen. Wenig Düngung, extensiv genutzte, wechselfeuchte Wiesen mit Saumstrukturen, angepasste Beweidung und Mahd sind wichtig für den Falter. Investitionen in seine Lebensräume zahlen sich doppelt aus: Sie sichern nicht nur den Fortbestand des Wiesenknopf-Ameisenbläulings, sondern fördern insgesamt eine hohe Artenvielfalt.


