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Serie

Lebendiges Oberberg
Gärtner lieben das Mauswiesel

4 min
Ein Mauswiesel

Das Mauswiesel folgt seinen Beutetieren bis in die hintersten Gänge ihrer unterirdischen Bauten.

 Mit Unterstützung der Biologischen Station stellen wir Arten vor, die uns im Oberbergischen aufgefallen sind. Heute: das Mauswiesel.

Sie wuseln mit ihren langgestreckten Körpern über Stock und Stein, meistens in Eile und auf der Suche nach Beute: Marder, eine nahezu weltweit verbreitete Familie der Raubtiere. Diese Zugehörigkeit lässt sich anhand ihrer Zähne zweifelsfrei erkennen. Viele dieser relativ kleinen Prädatoren jagen sogar Beutetiere, die wesentlich größer sind als sie selbst.

Viele Marderarten zeichnen sich durch ihre aggressiv-waghalsige Nahrungssuche aus. Das etwa 50 bis 100 Gramm schwere Mauswiesel greift Beutetiere bis zur Größe einer wehrhaften Wanderratte oder eines knapp 20-mal schwereren Wildkaninchens an, die in der Regel mit einem Genickbiss getötet werden.

Steinmarder ärgert Autofahrer

Darüber hinaus leben sie einzelgängerisch und verhalten sich gleichgeschlechtlichen Artgenossen gegenüber ausgesprochen territorial. Mit dem Sekret ihrer Analdrüsen markieren sie ihr Revier. Als Beispiel sei hier der Steinmarder erwähnt, der sich gerne in Motorhauben frisch abgestellter Kraftfahrzeuge aufwärmt. Mit ihrem kräftigen Scherengebiss zerbeißen sie wichtige Kfz-Teile wie Bremsschläuche. Die Männchen dieser Art flippen völlig aus, wenn ein Auto mit fremdem Mardergeruch in ihrem Territorium parkt.

Wir können diese Heißsporne gut an ihren kurzen Gliedmaßen mit den fünf gebogenen, nicht einziehbaren Krallen und dem in die Länge gezogenen Körperbau als Marder identifizieren. Anhand der Größe lassen sich wiederum die Marderarten gut unterscheiden. Größter Vertreter ist mit einer Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 90 Zentimetern der Dachs (Meles meles). Der Fischotter (Lutra lutra) ist etwa genauso lang, aber etwas schlanker. Baummarder (Martes martes) und Steinmarder (Martes foina) bringen es nur noch auf maximal 58 Zentimeter. Noch kleiner ist die Gattung Mustela mit dem maximal 46 Zentimeter langen Iltis (Mustela putorius), dem man domestiziert als Frettchen an der Leine begegnen kann. Das Hermelin (Mustela erminea) erreicht lediglich 33 Zentimeter. Kleinster Vertreter ist zu guter Letzt das Mauswiesel (Mustela nivalis) mit einer Kopf-Rumpf-Länge bis 16 Zentimeter.

Da das Mauswiesel zu den am wenigsten erforschten Kleinsäugerarten Europas gehört, fassten die Biologen Gábor Vass, István Fekete and Attila Bende im Jahr 2025 verschiedene Ergebnisse von Studien zur Ernährungsbiologie des Wiesels zusammen und bewerteten diese. Dabei zeigte sich eine vorherrschende Vorliebe für Säugetiere, wobei kleine Nagetiere einen signifikanten Anteil ausmachten. Die zweitwichtigste Komponente bildeten Vögel vor den Wirbellosen wie Würmer und Schnecken. Gelegentlich werden Kadaver, Eier, Früchte als Alternativen in Betracht gezogen.

Kleine Nagetiere wie Mäuse bilden ergo die Nahrungsgrundlage des Mauswiesels. Turmfalke, Mäusebussard, Graureiher, Waldkauz, Fuchs und viele andere Beutegreifer müssen darauf warten, bis sich die in Landwirtschaft und Gartenbau besonders problematischen Wühlmäuse an die Oberfläche wagen. Nicht so das Mauswiesel: Es folgt der Rötel-, Erd-, Feld- oder Schermaus bis in ihre Gänge und macht ihnen im intimsten Winkel des Baus den Garaus. Für Landwirte und   Gemüsegärtner erfreulich, für die Mäuse eher nicht.


Das Hermelin ist Kölner Wappentier

Hermelin und Mauswiesel sehen sich recht ähnlich, doch das weiße Bauchfell des Mauswiesels ist mit einer zackigen Linie vom braunen Rücken getrennt, wohingegen beim Hermelin im Sommer zwischen den Fellfarben eine gerade Linie verläuft. Außerdem hat das Mauswiesel nicht die schwarze Schwanzspitze des Hermelins.

Vom Hermelin kennen wir vor allem das Winterfell als Pelzmode des Adels – und vom Wappen der Stadt Köln. Die schwarzen Flammen stellen die stilisierten Schwanzspitzen dar. Aber auch bei Mauswieseln sieht man gelegentlich ein weißes Winterfell. Der Fellwechsel dient   der Anpassung an die jahreszeitlichen Veränderungen des Klimas zur Regulierung der Körpertemperatur und der besseren Tarnung. Dieser Vorgang wird vor allem durch das Hormon Melatonin gesteuert, das von der Zirbeldrüse produziert wird und direkt auf die Tageslichtlänge reagiert.

Kürzere Tage im Herbst und längere Tage im Frühling verändern die Melatoninproduktion und lösen den Wechsel des Haarkleides aus. Ein weißes Winterfell ist in schneearmen Wintern allerdings kein Vorteil, da es dann die Sichtbarkeit eher verbessert.