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65 JahreInge und Hans Henrici aus Nümbrecht feiern das Fest ihrer Eisernen Hochzeit

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Inge und Hans Henrici neigen die Köpfe zueinander.

Seit 65 Jahren gehen Inge und Hans Henrici gemeinsam durchs Leben und hielten auch in schweren Zeiten stets zusammen.

Hans Henrici entdeckte die damals 19-Jährige in der Hunsheimer Kirche beim Üben an der Orgel. Es funkte sofort.

Am morgigen Ostersonntag feiern die Nümbrechter Inge und Hans Henrici das Fest ihrer Eisernen Hochzeit. Etwas wehmütig zeigen sie ein Gruppenfoto von ihrer Hochzeit beim Vereinshaus in Wehnrath (heute Reichshof) vor 65 Jahren: „Wir beiden sind die einzigen, die von all denen noch leben.“

Der 91-Jährige ist im Siegerland geboren und aufgewachsen. Nach seiner Gesellenprüfung 1953 als Kunstglaser fand er Arbeit bei einem schlesischen Glashändler im sauerländischen Werdohl. Schmunzelnd erinnert er sich an die Ermahnung seines Chefs, als ein anderer Mann auf der Baustelle gotteslästerlich fluchte: „Beten Sie nicht so laut – wussten Sie nicht, dass Gott auch wildgewordene Gebete erhört?“ Henrici schildert, dass die Baustelle ein guter Ort gewesen sei, um über den Glauben zu sprechen. Dort sei er mit Jugendlichen in Kontakt gekommen, die ihn nach ihrer Flucht – oft aus Schlesien – nach dem Sinn des Lebens befragt hätten. Er gründete mehrere Jugendgruppen und Posaunenchöre. Dieses Engagement sollte ihn später zu seiner Frau führen.

Ein altes Hochzeitsfoto.

Am 5. April 1961 wurde die Hochzeit gefeiert.

Heinz Szmais, der bei ihm Trompete gelernt hatte, zog später aus dem Sauerland ins oberbergische Hunsheim und gründete dort selbst einen Posaunenchor. In diesem spielte die Jubelbraut: „Dass mir mein Vater das erlaubt hat, wundert mich heute noch.“ Damals sei es nicht üblich gewesen, dass Frauen im Posaunenchor spielen. 1958 besuchte Henrici seinen ehemaligen Schüler und entdeckte die damals 19-Jährige in der Hunsheimer Kirche beim Üben an der Orgel. Sofort habe er gedacht: „Das ist sie – das wird meine zukünftige Frau.“

Doch das funktionierte nicht so einfach: „Als ich sie gefragt habe, ob ich sie nach Hause bringen darf, gab sie mir einen Korb.“ Daraufhin schrieb er ihr unzählige Liebesbriefe, die er bis heute aufbewahrt hat: Er erzählt: „Es hat ein Jahr gedauert, bis sie endlich angebissen hat.“ Er selbst besuchte zu dieser Zeit eine schweizer Missionsschule. 1959 war die Verlobung und im Sommer 1960 seine Ordination als Vikar.

Schockierend war eine Nachricht, die ihm der Küster direkt nach seinem ersten Gottesdienst in Werdohl überbrachte: „Ihre Braut ist verunglückt und liegt im Sterben. Bitte sofort ins Krankenhaus Bergneustadt.“ Nach einem doppelten Schädelbasisbruch bei einem Mopedunfall gab es kaum eine Überlebenschance für die junge Frau. Doch das wollte Hans Henrici nicht einsehen: „Sie war ein Gottesgeschenk für mich und die Perle meines Lebens.“

Nach einem mehrmonatigen Krankenhausaufenthalt und der Behandlung von „wunderbaren Ärzten“ kehrte seine Verlobte ins Leben zurück. Sie erholte sich über den Winter und am 5. April 1961 wurde die Hochzeit gefeiert. Die gelernte Schneiderin unterstützte ihren Mann bei der Gemeindearbeit und übernahm die Seelsorge hilfsbedürftiger Familien. 1962 und 1964 wurden die Söhne Rüdiger und Matthias geboren, 1972 Tochter Christina.

Ohne je ein reguläres Studium absolviert zu haben, schaffte Henrici nach der Vorlage wissenschaftlicher Arbeiten 1975 seine Prüfung vor den Professoren der westfälischen Kirchenleitung und wurde Pastor im Siegerland, bevor er 1985 bis zu seinem Ruhestand nach Nümbrecht wechselte. Auch danach waren Inge und Hans Henrici als seelsorgerisches Team unterwegs.


Die Jubilare

Inge Henrici schwärmt: „Ich habe einen wunderbaren Mann, der alles für mich tut.“ Mit 87 Jahren sei sie nun nicht mehr so mobil wie vor 65 Jahren. Sie betont: „Ich mag es, wenn er mich auch dann liebevoll in den Arm nimmt, wenn ich mal wieder richtig kratzbürstig bin.“

Hans Henrici ergänzt: „Wir lassen die Sonne nicht über unserem Zorn untergehen – wir leben aus der Vergebung.“ Ein tägliches Ritual sei das gemeinsame Gebet. „Ehen werden im Himmel geschlossen. Ich habe seit meiner Jugend dafür gebetet, die richtige Frau zu finden.“