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OverathStadt setzt bei Sicherheit für Außendienst auf Bodycams

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Fünf Männer stehen nebeneinander und neben einem Ordnungsamt-Wagen.

Mit den neuen Bodycams (rundes Bild) wollen Bürgermeister Michael Eyer (v.l.), Stefan Malczewski vom städtischen Verkehrsbereich und Jörg Schiefer, Zweiter Beigeordneter, für mehr Sicherheit beim städtischen Außendienst (rechts) sorgen.

Overaths städtischer Außendienst erhält Kameras zum Schutz vor aggressiven Bürgern

Der städtische Außendienst sieht im Laufe einer Schicht alle möglichen Dinge. So kontrollieren die Angestellten bei Parkverstößen, achtlos entsorgtem Müll oder Ähnlichem im öffentlichen Raum und sprechen Verwarnungen aus oder verhängen ein Bußgeld. Dabei kann der Ton von Parksündern und Co. auch rauer werden und es kann zu Handgreiflichkeiten kommen. Deshalb hat die Stadt Overath zwei Bodycams für die Kollegen im Außendienst besorgt und bei einem Pressetermin präsentiert.

„Die Kollegen sind allein unterwegs und so kommt es täglich zu Beleidigungen. Körperliche Angriffe haben wir selten, aber auch schon erlebt“, erläutert Stefan Malczewski vom Bereich Verkehr der Stadt, der die Einführung der Bodycams umgesetzt hat. Erhofft werde sich durch die Kameras, die etwa auf Brusthöhe an der Arbeitskleidung angebracht werden, dass sie deeskalierend wirken. Menschen, die wüssten, dass sie auf Video aufgezeichnet werden, verhielten sich oft ruhiger.

Kein Instrument zur Überwachung

Die Bodycams sollen allerdings kein Instrument zur Überwachung sein, wie der Zweite Beigeordnete der Stadt, Jörg Schiefer, klarstellte. „Sie sind nicht dauerhaft aktiv, sondern müssen über einen Knopf angestellt werden“, erklärt Schiefer. Bevor die Aufnahme beginnt, müssen die Mitarbeiter ihr Gegenüber darüber informieren. Die Kamera schneide automatisch die letzten 30 Sekunden vor dem Einschalten mit, damit der Vorfall vollständig dokumentiert werde.

Die Aufnahmen werden dann laut Malczewski zwei Wochen lang auf einem externen Server gespeichert, falls es zu einem Gerichtsverfahren kommt. Sollte das der Fall sein, wird die Frist verlängert.

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Die Zugriffsberechtigung für die Aufnahmen liege allein innerhalb des städtischen Ordnungsamts. Auch hier kann es nur zu einer Ausnahme kommen, wenn ein Gerichtsverfahren ansteht.

Eine weitere Eigenschaft der Kameras ist, dass sie eine Live-Funktion haben. So kann der Außendienst ebenfalls per Knopfdruck Kontakt zum Kollegen im Ordnungsamt aufnehmen. Der kann dann in Echtzeit sehen, was passiert, was gesagt wird und wo sich die Kollegen befinden. Sollte sich eine Situation hochschaukeln und zu eskalieren drohen, kann die Person am anderen Ende der Leitung zum Beispiel die Polizei informieren. „Die Live-Funktion ist aber nicht unbedingt für Eskalationen gedacht. Damit können auch Absprachen getroffen werden“, wirft Schiefer ein. Die Geräte haben nämlich Lautsprecher, so dass zwischen der „Zentrale“ und dem Träger Gespräche möglich sind. Wenn zum Beispiel eine ominöse Flüssigkeit in einen Bach einfließt, kann der Live-Kontakt dazu dienen, eine zweite Meinung einzuholen, ob es sich dabei um etwas Gefährliches   handelt und welche Schritte als nächstes zu unternehmen sind.

Zu sehen ist eine Bodycam, angebracht an der Kleidung eines Angestellten des städtischen Außendienstes.

So sehen die neuen Bodycams aus, wenn sie an der Arbeitskleidung befestigt sind.

Die Kameras sollen laut Schiefer auch beim kommunalen Ordnungsdienst zum Einsatz kommen, der etwa bei Veranstaltungen oder Ruhestörungen tätig ist. Hier komme es öfter zu kritischen Situationen. Dafür sind allerdings keine weiteren Kameras notwendig, denn die Schichten kommen sich nicht in die Quere.

Mit dem Modell, für das sich die Stadtverwaltung entschieden hat, arbeite auch die Polizei in NRW. „Es gäbe die Option, dass die Kameras grün blinken, wenn sie nicht laufen und rot leuchten, wenn sie eingeschaltet sind. Wir dachten aber, dass das verwirrend sein könnte, deshalb leuchten sie nur, wenn sie eingeschaltet werden in Rot“, so Malczewski.

Alles gesetzeskonform

Vor der Einführung seien die Bodycams mit Vertretern des Datenschutzes, des Personalrates, der IT-Abteilung und des Außendienstes getestet und bewertet worden, so dass alles mit gesetzlichen Vorschriften konform gehe.

Nützlich könnten die Aufnahmen auch sein, wenn ein Bürger etwa eine Beschwerde einlegt, die es zu kontrollieren gilt. Das setzt allerdings voraus, dass in der Situation der Aufnahmeknopf betätigt wurde.

Hoffnung auf weniger Anfeindungen

Die beiden Männer vom Außendienst, die zu ihrer Sicherheit nicht namentlich genannt werden, versprechen sich davon ruhigere Dienste. „Wir hoffen, dass man dann nicht mehr so aggressiv angegangen wird. Bisher gab es ja keine Zeugen“, meint einer. Etwa seit der Pandemie könnten sie beobachten, dass Anfeindungen häufiger und aggressiver würden. Sie haben den Eindruck, die Leute hätten keinen Respekt mehr. Oft würden ihre Verwarnungen ignoriert, etwa im Vorbeifahren auf dem Fahrrad.

„Es ist wie mit einer Versicherung: Man hofft, dass man sie nicht braucht, aber es ist besser, wenn man sie hat“, fasst Schiefer zusammen. „Die Kameras dienen letztendlich dem Arbeitsschutz und das ist eine Stelle, an der nicht gespart werden sollte“, findet auch Bürgermeister Michael Eyer.

Zum Einsatz sind die Kameras noch nicht gekommen. Die Bürger sollten erst über die Presse von der Neuerung erfahren. Nach einer gewissen Zeit wolle man evaluieren, ob die Bodycams ihren Zweck erfüllt haben.