Postillon von NümbrechtFriedhelm Stöcker saß bis 2004 auf dem Bock einer Postkutsche

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Der Nümbrechter Gastwirt Friedhelm Stöcker schlüpfte ab 1973 in die Rolle des Postillons und lenkte die Postkutsche.

  • Friedhelm Stöcker war eigentlich Gastwirt. Aber 1973 schlüpfte er mit Begeisterung in die Rolle des Postillons von Nümbrecht.
  • Mit seiner schwarz-gelben Kutsche wurde Stöcker zu einem Aushängeschild der oberbergischen Region.
  • 2004 ging er in den Ruhestand. Und die Kutsche steht heute im Museum.

Waldbröl – Vor rund einem halben Jahrhundert hatte der Ründerother Gemeindedirektor Günter Schmidt die Idee, den Tourismus in Oberberg auf außergewöhnliche Art anzukurbeln. In Friedhelm Stöcker, Gastwirt im Nümbrechter Sonnenhof, fand er sogleich einen begeisterten Mitstreiter für seine Anregung, eine Postkutschenlinie auf die Räder zu stellen.

Stöcker konnte sich nämlich sehr gut vorstellen, als Postillon auf dem Bock einer solchen Kutsche zu sitzen. Sie sollte angefertigt werden nach dem Vorbild des Gefährts, das er auf einer Postkarte in Bad Kissingen entdeckt hatte.

Um aus der Idee Realität werden zu lassen, mussten weitere Mitstreiter gefunden werden, Behördengänge standen an und nicht zuletzt kam die Frage auf: Woher soll die Postkutsche denn nun eigentlich kommen, und welche Strecke soll sie fahren? Friedhelm Stöcker überwand alle Hürden.

Die Kutsche, ein neunsitziger Nachbau der kaiserlichen Postkutschen von 1871, entstand in Ründeroth bei der Firma Müller. Die damals extra in Dortmund angefertigte preußische Uniform passt dem Waldbröler heute noch und das Posthorn bekam er von der Oberbergischen Jägerschaft am Tag vor der ersten Fahrt überreicht.

Premiere am 17. April 1973

Am 17. April 1973 war es schließlich so weit: Im Zuge eines großen Festes und in Anwesenheit von Vertretern der Oberpostdirektion startete die Kutsche am Sonnenhof im Nümbrechter Weiler Geringhausen in Richtung Wiehl.

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Ein Foto aus Friedhelm Stöckers aktiver Zeit als Postillon

Bis ins Jahr 2004 saß er auf dem Kutschbock, ließ sich und seine zum Teil sehr prominenten Gäste von den gelassenen Kaltblütern ziehen und öffnete manchmal das Schiebedach, um die vielen Fragen der Fahrgäste zu beantworten. „Ich kam von einem landwirtschaftlichen Betrieb. Der Umgang mit den Pferden war mir vertraut“, erinnert sich der 83-Jährige.

Mit Vertrauen hat es auch zu tun, dass der Teilzeit-Postillon auf das Postgeheimnis vereidigt wurde und somit Post nicht nur befördern, sondern auch selber stempeln durfte. Diese Sonderstempel waren so beliebt, dass sogar Post aus Australien bei den Stöckers eintrudelte.

Dagmar Stöcker bedauert es noch heute ein wenig, dass dieser Sonderstempel letztlich von der Post wieder eingezogen wurde. Aber die „wunderbaren Erinnerungen überwiegen diesen kleinen Wermutstropfen“. Friedhelm Stöcker trank derweil 1989 ein Schnäpschen mit der CDU-Politikerin Rita Süßmuth, fuhr schon 1973 Minister Egon Bahr, kutschierte Mitte der 1980er Jahre die quirligen Jacob Sisters und beeindruckte wenig später Fernsehgarten-Moderatorin Ilona Christen.

Aushängeschild für Oberberg

Für Oberberg war das romantisch durchs Grüne zuckelnde Gefährt zum Aushängeschild geworden. Und auch außerhalb der Region spannte der Postillon an, damit seine Fahrgäste ausspannen konnten. 25 Jahre nach der Jungfernfahrt machte die Postkutsche innerhalb von zwei Wochen eine 300 Kilometer lange Tour durch Nordrhein-Westfalen, in Leverkusen und Düsseldorf war sie da schon längst gewesen.

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Als die Kutschfahrten immer beliebter wurden, brauchte Friedhelm Stöcker Hilfskräfte. Mit Walter Gran an seiner Seite fuhr Stöcker im Herbst 2004 in den Ruhestand. „Es war eine wunderbare Zeit“, sind Friedhelm Stöcker und Ehefrau Dagmar sicher.

Die Kutsche steht seit wenigen Wochen in Much-Berzbach im Rhein-Sieg-Kreis, und zwar im Bauern- und Technikmuseum. Die Stöckers haben sich fest vorgenommen, das alte Schätzchen bald einmal zu besuchen.

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