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Weiße Pracht am BlockhausEndlich wieder Schneespaß mit Lift in Reichshof-Eckenhagen

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Das Foto zeigt den Lift am Sonntag.

Damit der Lift am Blockhaus in Reichshof-Eckenhagen in Betrieb gehen kann, muss genug Schnee liegen – das war am Sonntag der Fall.

Der erste Schnee in diesem Jahr sorgt am Blockhaus in Reichshof für Rodelspaß, Winterwanderungen und volle Hänge.

„Heute wollen wir noch einmal Kind sein“, sagt die Reichshoferin Charline Gerschau mit einem strahlenden Lächeln am Samstagmittag am Blockhaus. Nach den heftigen Schneefällen am Morgen waren Hunderte aus Oberberg den angrenzenden Regionen, auch aus dem Ruhrgebiet und dem Köln-Bonner Raum zum Blockhaus gereist, um einen Tag unbeschwerter Winterfreude zu genießen.

Punsch, Glühwein und Bockwurst

Und am Sonntag gab es noch mal eine Schippe drauf – im Wortsinn: Es kamen nicht nur mehr Menschen, es war auch so viel Neuschnee gefallen, dass vormittags der Lift in Betrieb genommen werden konnte. In bewährter Manier   betätigten sich Freiwillige aus Reichshofer Feuerwehr-Einheiten gestern als Parkplatzeinweiser. Zudem wurde die Einbahnstraßen-Regelung in Kraft gesetzt: „Die Anfahrt ist von der Autobahn kommend über Hespert möglich und die Abfahrt hinunter nach Eckenhagen“, hatte die Kurverwaltung schon samstagsabends für den Folgetag angekündigt.

Charline Gerschau war mit vier Freunden gekommen. Mitgebracht hatten sie Schlitten, Snowscooter und Popo-Rutscher. Chiara Beilard aus Gummersbach verriet, dass sie zuvor bei Charlines Eltern in Derschlag gewesen waren. Mutter Andrea hatte die Winterspaßgeräte daraufhin aus der hintersten Ecke des Schuppens hervorgekramt. Beilard schmunzelnd: „Die hat viele Jahre keiner mehr gebraucht und wir mussten sie erst einmal gründlich entstauben.“ Nun aber konnten die Mittzwanziger an die Schneefreuden ihrer Kindheit anknüpfen. Nach einigen Rutschpartien gönnten sie sich unten an der Talstation des Lifts Punsch, Glühwein und Bockwurst.

Der Lift selbst war am Samstag noch nicht in Betrieb. Hardy Dresbach, Chef der Skiabteilung des Betreibers TuS Brüchermühle, schilderte, dass er aus Sicherheitsgründen noch nicht laufen konnte: „Bei nur rund acht Zentimetern Schnee bildet sich sofort Eis – es müsste noch einmal das Gleiche hinzukommen.“ Der Wunsch ging dann ja in Erfüllung, am gestrigen Sonntagvormittag lief das Ding.

Erst seit Silvester ist der Lift überhaupt wieder betriebsbereit, vorher hatte es ein Problem bei der Elektronik gegeben. Siggi Weber aus dem rund zehnköpfigen Team berichtet, dass sich der Schlittenverleih nur schleppend entwickelt: „Das ist bei Liftbetrieb ganz anders.“ Anders als in anderen Jahren, als es keinen Frost gegeben hatte, sei die Unterlage jedoch recht gut und neige nicht zum Verschlammen: „Wir hoffen, dass bis nächstes Wochenende noch Schnee dazukommt, der auch liegen bleibt.“

Die Stunde Fahrtzeit hat sich wirklich gelohnt.
Alexander Wiederspann aus Meckenheim

Üblicherweise ist der obere Teil des Hangs unterhalb der alten Jugendherberge von Schneemännern übersät. Am Samstag gab es jedoch erst mal nur einen einzigen Winzling. Fachmännisch erläutert der siebenjährige Maxi aus Meckenheim das Problem: Der Schnee pappte nicht. Daher baute er in den Rodelpausen an einer Schneeburg. Für ihn war es das erste Mal auf dem Blockhaus. Vater Alexander Wiederspann erklärt, dass die Familie das Wetter einfach gelockt habe: „Die Stunde Fahrtzeit hat sich wirklich gelohnt.“ In Meckenheim habe es zwar auch geschneit: „Aber es ist nicht eine Flocke liegengeblieben.“

Louisa Reuber und Jona Dresbach helfen beim Aussteigen.

Louisa Reuber und Jona Dresbach helfen beim Aussteigen.

Auf ihre Kosten kamen auch Winterwanderer und Skilangläufer. Das ehrenamtliche Spurteam hatte bereits um 7 Uhr morgens damit begonnen, die Rodelhänge zu walzen und bis Mittag die Rundkurse Blockhaus und Silberkuhle sowie die Fernloipe Hahn-Belmicke zu spuren. Katja Wonneberger-Kühr, Leiterin der Kur- und Touristinfo Reichshof, berichtete, dass das trotz der noch nicht allzu üppigen Schneelage gut funktioniert habe: „An Stellen, die sonst eher kritisch sind, haben uns diesmal Schneeverwehungen geholfen.“

Am Nachmittag machte sich auch Bürgermeister Jan Gutowski ein Bild von der Lage. Am Sonntagmorgen traf er sich vor Ort mit Feuerwehr, Ordnungsamt und Kurverwaltung zur Lagebesprechung. Auch das Deutsche Rote Kreuz war mit seiner neuen Mobilstation einsatzbereit. Gutowski: „Wir möchten ein reibungsloses Wintersporterlebnis ermöglichen.“ Dazu gehöre auch der Einsatz des Ordnungsamts und das Halteverbot auf der Blockhausstraße: „Wenn es nicht anders geht, wird abgeschleppt.“

Ich war vor 30 Jahren das letzte Mal hier oben. Das hier oben ist ein tolles Wintermärchen.
Marc Dujardin

Mit Blick auf die Erfahrungen von Samstag wies Gutowski am Sonntagmorgen auf die Straßenverhältnisse hin: „Ich habe gestern hier oben oftmals Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen gesehen, die offenbar mit falschen Vorstellungen von den Verhältnissen angereist sind“ – nämlich mit Sommerreifen.

Erstmals gibt es in diesem Jahr eine Verpflegungsstation auf dem Parkplatz südlich der Panoramahütte. Im Angebot hat der ehemalige Hüttenwirt Bernhard Junge Bratwurst, Glühwein und Kakao. Für letzteren hat er einen Braukessel mit Doppelrührwerk umfunktioniert: „Das ist optimal – nichts brennt an und es bildet sich keine Haut.“ Junge unterstreicht, dass dieses Angebot keine Konkurrenz zur Panoramahütte darstellt: „Das hatte ich immer schon auf dem Schirm, aber leider nicht umsetzen können.“

Das Foto zeigt, wie Bernhard Junge (rechts im Bild)  Marc Dujardin eine Bratwurst reicht.

Bernhard Junge (r.) überreicht Marc Dujardin aus Bergisch Gladbach eine Bratwurst.

Marc Dujardin aus Bergisch Gladbach schmeckt's: „Ich war vor 30 Jahren das letzte Mal hier oben.“ Der Skifahrer bedauert, dass der Hang entlang des Bauernhofes in Hähnen nicht mehr in Betrieb ist. Seine Tochter Precious (10) habe das Schlittenfahren jedoch begeistert genossen: „Das hier oben ist ein tolles Wintermärchen.“