Flucht aus der UkraineEx-Profi Stanislav Zhukov ist neuer Teammanager des VfL Gummersbach

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VfL Gummersbach: Stanislav Zhukov trainiert in der Schwalbe-Arena ukrainische Kinder.

Seit dem Sommer ist Stanislav Zhukov Lehrer in Marienheide und seit März auch noch Teammanager beim VfL Gummersbach.

Auf der Position des Teammanagers hat es beim VfL Gummersbach einen Wechsel gegeben.

Wenn der VfL Gummersbach am Sonntag in Mannheim bei den Rhein-Neckar Löwen antritt, ist Stanislav Zhukov dabei. Der ehemalige Handballprofi ist seit dem 20. März Teammanager und in dieser Funktion für die Auswärtsspiele der Bundesliga-Handballer des VfL Gummersbach zuständig. Zhukov ist Nachfolger von Sebastian Wessels, der zehn Jahre lang in der VfL-Geschäftsstelle unter anderem für Veranstaltung und Organisation zuständig war.

„Ich bin Ansprechpartner zwischen der Mannschaft und der Geschäftsstelle“, sagt der 31-Jährige. Zu seinen Aufgaben gehört alles rund um die Auswärtsspiele zu organisieren, ebenso wie Trainingslager oder Freundschaftsspiele. Er unterstützt die neuen Spieler bei der Wohnungssuche ebenso wie beim medizinischen Check-up, beschafft die Teamkleidung, aber auch bei Bedarf einen Kindergartenplatz. Es helfe ihm, dass er mit Deutsch, Ukrainisch, Russisch, Englisch und Polnisch einige Sprachen spreche, sagt Zhukov. „Die VfL-Familie hat viel für mich getan“, erklärt er, dass es nun die perfekte Zeit sei, etwas zurückzugeben. Auch wenn er an der Gesamtschule Marienheide weiterhin als Lehrer einer ukrainischen Klasse sowie für Sport in Vollzeit arbeitet. Es passt für ihn.

Von Moskau ins Oberbergische

Unmittelbar nach dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine hatte Stanislav Zhukov im März 2022 seinen Vertrag beim russischen Club CSKA Moskau gekündigt und war mit Frau und Sohn (7) nach Gummersbach geflohen. Für den VfL hatte er von der Saison 2017/18 bis zum Sommer 2019 gespielt. Er hätte nicht erwartet, dass er so herzlich aufgenommen werden würde, sagt Zhukov.

VfL-Geschäftsführer Christoph Schindler habe ihn angerufen und gefragt, was er brauche. Vier Stunden später hatte er eine Wohnung und einen Profi-Vertrag beim VfL bis Ende der Saison. Der ermöglichte es ihm, seinen drei Monate zuvor erlittenen Kreuzbandriss und die anschließende Operation mit der entsprechenden Reha auszukurieren. „Ich war bei jedem Training dabei und habe mit Athletiktrainer Johannes Scheidgen und Rehatrainerin Kim Kron gearbeitet“, blick der 31-Jährige zurück.

Fünf Jahre Studium

Er lernte nicht nur die Mannschaft kennen, die mit Trainer Gudjon Valur Sigurdsson im Sommer in die Bundesliga zurückkehrte, sondern auch Akademieleiter Jörg Bohrmann, der selbst an der Gesamtschule Marienheide arbeitet und den Kontakt zur dortigen Schulleitung herstellte. 2014 hatte Zhukov sein Studium der Sportwissenschaft beendet, das neben Sport auch Erziehung und Wissenschaft beinhaltete. Er hatte fünf Jahre studiert und anschließend ein Fernstudium zum Sportmanagement drangehängt.

„Ich hatte viel Glück“, erklärt Zhukov. Seit Sommer ist er Klassenlehrer einer von zwei ukrainischen Klassen. Er ist für die Jugendlichen der achten bis elften Klasse zuständig, unterrichtet neben Sport auch ukrainische Geschichte. Dazu kommt der Sportunterricht in der Klasse 9d. Aufgaben, die er im kommenden Schuljahr weiterführen wird. Den Schülern wolle er vermitteln, welchen Wert es hat, mit Deutsch eine zweite Sprache zu lernen, auch wenn einige von ihnen nur darauf warten, wieder in die Heimat zurückzukehren. Das gelte aber nicht für alle, denn nicht alle hätten nach den Zerstörungen einen Ort, an den sie zurückkehren können.

Neue Heimat gefunden

Stanislav Zhukov und seine Familie haben längst in Gummersbach eine neue Heimat gefunden. „Mein Sohn fühlt sich sehr wohl hier und meine Frau hat in Derschlag einen Kosmetikraum eröffnet“, erzählt er, dass sie Spezialistin für Augen und Wimpern sei und gerade eine Zusatzausbildung in Gesichtsmassage absolviert habe. Im Februar bekam er grünes Licht nach seiner Kreuzband-Operation wieder Handball spielen zu können. Es gab auch ein Angebot, doch entschied sich Zhukov, Lehrer zu bleiben und zusätzlich Teammanager zu werden.

Das Spiel gegen die Rhein-Neckar Löwen hat zwar noch sein Vorgänger organisiert, dabei sein wird Zhukov trotzdem. 2019, als der VfL Gummersbach abstieg, verließ Zhukov den Verein. Als er im Frühjahr 2022 zurückkehrte, „habe ich einen ganz anderen VfL vorgefunden“, beschreibt der Ex-Handballer. Das liege vor allem an Trainer Gudjon Valur Sigurdsson, der nicht nur zu den besten Spielern der Welt gehörte, sondern als Mensch, als Sportler und als Vorbild die Mannschaft präge.

60 Minuten im Spiel

Er sei seit seiner Rückkehr täglich bei der Mannschaft und erlebe die Atmosphäre aus Freundschaft, wirklich harter Arbeit und guter Stimmung. Dabei spricht er die Entwicklung von Handballern wie Julian Köster, Ole Pregler oder Ellidi Vidarsson an.

Bei den Rhein-Neckar Löwen hofft Zhukov auf ein ähnlich intensives Spiel des VfL wie gegen Kiel. „Das war ein Megaspiel“, sagt er. Gegen eine der besten Mannschaften der Welt sei Gummersbach 60 Minuten im Spiel gewesen. Gegen die Löwen, die zuletzt drei Niederlagen in Folge hätten hinnehmen müssen, könne der VfL die Chance nutzen, was aber auch die Löwen tun wollten. Er habe gelesen, dass schon über 11 500 Karten verkauft seien, erwartet Zhukov am Ostersonntag eine Supershow.


VfL Gummersbach reist zu den Löwen

Mit einer Serie von acht Siegen in Folge standen die Rhein-Neckar Löwen Anfang März an der Spitze der Handball-Bundesliga. Anschließend gab es drei Niederlagen in Folge gegen den SC DHfK Leipzig (29;37), den HSV Hamburg (32:35) und beim TBV Lemgo (30:33). Damit rutschte die Mannschaft von Trainer Sebastian Hinze auf den fünften Tabellenrang. Das Spiel am Ostersonntag, 16.05 Uhr, in der SAP-Arena ist für die Gummersbacher das vorerst letzte gegen Teams aus dem obereren Tabellendrittel.

„Wie Sebastian Hinze die Löwen in kurzer Zeit stabilisiert hat, verdient höchsten Respekt“, sagt VfL-Trainer Gudjon Valur Sigurdsson mit Blick auf den Kollegen, der im Sommer vom Bergischen HC kam und die Rhein-Neckar Löwen, die die vergangene Saison auf Platz zehn abschlossen, in die Spitze führte.

Neues Selbstbewusstsein

Zuletzt hätten den Gastgebern auch einige Spieler gefehlt, führt der Gummersbacher Trainer weiter aus. So fehlten zuletzt Albin Lagergren und Jannik Kohlbacher, der gegen Gummersbach aber wieder dabei sein wird. „Sie haben drei Super-Torhüter, starke Kreisläufer und sind eins der besten Gegenstoß-Teams der Liga“, beschreibt Sigurdsson. Dem könnten die Gummersbacher das neu gewonnene Selbstbewusst sein nach dem Sieg in Leipzig und dem starken Heimauftritt gegen den THW Kiel stellen. „Gegen Kiel haben wir mit der Partie gegen Melsungen unsere beste Abwehrleistung der Saison gezeigt, dafür war der Angriff unser Problem“, sagt der VfL-Trainer.

Zwei Spieler vom VfL Gummersbach und von den Rhein-Neckar Löwen in einer Spielsituation.

Mit 29:32 hatte der VfL das Hinspiel gegen die Löwen im Dezember verloren.

Darüber sei er weder sauer noch enttäuscht, denn mit dieser Leistung hätte man gegen viele andere Mannschaften in der Liga gewonnen. Damit heiße das neue Zauberwort für ihn „Konstanz“, was für Abwehr, Angriff und Torwart gelte. Nur damit und der allerbesten Leistung könne man gegen Mannschaften wie die Rhein-Neckar Löwen bestehen, die mehr Alternativen und Qualität aufs Spielfeld brächten. „Unsere Reise geht weiter und wir freuen uns, uns mit den Besten messen zu können“, sagt Sigurdsson.

Weiter Fragezeichen hinter Dominik Mappes

Ob am Ostersonntag Dominik Mappes wieder dabei ist und wann Nemanja Zelenovic wieder ins Spielgeschehen eingreifen kann, dazu äußerte er sich nicht konkret. „Wir wollen mit unseren Fans im Rücken dieses Heimspiel gewinnen“, kommt von Hausherren, die Mitte der Woche bereits über 11 500 Tickets für das Spiel verkauft hatten, das in einen Familientag eingebettet ist. Man habe die Fehler von Lemgo sehr gewissenhaft aufgearbeitet, erklärt Sebastian Hinze auf der Seite der Löwen. Man müsse an seine Stärken glauben und sich nicht davon abbringen lassen.