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175 JahreDer Waldbröler Vieh- und Krammarkt geht mit einer neuen Chefin in die Zukunft

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Menschen bei einem Spatenstich

Zusammen mit der neuen Marktmeisterin Andrea Erbrecht-Winkels (l.) freut sich Bürgermeisterin Larissa Weber (M.) auf das moderne Marktgelände. 

Bei der Feier zum 175. Marktgeburtstag wurde Andrea Erbrecht-Winkels (46) als neue Waldbröler Marktmeisterin vorgestellt. 

Den Menschen in Waldbröl muss nicht bange sein um die Zukunft des Vieh- und Krammarktes, der ihre Stadt längst im ganzen Land bekannt gemacht hat. Zwar blickten Bürgermeisterin Larissa Weber und „Wir für Waldbröl“-Geschäftsführer Martin Finke am Donnerstag zum 175. Geburtstag des Handelsplatzes über zwei Jahrhundertgrenzen zurück – aber sie stellten eben auch wichtige Weichen für dessen Weiterentwicklung und zeigten sich deshalb von seiner Zukunftsfestigkeit überzeugt. „Unser Vieh- und Krammarkt ist kein Museumsstück, sondern lebendiger denn je“, freute sich Weber bei der offiziellen Eröffnung des Jubiläumsmarktes am Donnerstagmorgen.

Als 16.000 Pferde im Waldbröler Zentrum standen

Natürlich stand am Anfang der kleinen Feier die Historie, stolze 175 Jahre hinterlassen tiefe Spuren. Martin Finke erinnerte etwa daran, dass einst der Donnerstag deshalb als Waldbröler Markttag ausgesucht wurde, weil die Mehrheit der Händler jüdisch war, weit anreiste und zum Schabbat-Beginn am Freitagabend wieder zu Hause sein wollte. Fast kaum mehr zu überblicken war das Angebot im Sommer 1936, als 16.000 Pferde, Rinder und Schafe und noch einmal 8500 Schweine im Waldbröler Zentrum neue Besitzer suchten, bis heute unerreichte Zahlen. Und 2007 wechselte der Marktbetreiber, weil die Stadtkasse leer war, die Aufsicht niemals Gelder für einen Viehmarkt erlaubt hätte, Institution hin oder her – eben dadurch kam die „Wir für Waldbröl“-GmbH ins Spiel.

Unser Vieh- und Krammarkt ist kein Museumsstück, sondern lebendiger denn je.
Larissa Weber, Bürgermeisterin der Stadt Waldbröl

Heute seien die Herausforderungen andere, so Finke: Marktbeschicker, die keine Nachfolger finden, die sinkende Kaufkraft der Menschen bei steigenden Preisen und auch immer neue Auflagen und Vorgaben für die Organisatoren. Das hindere aber nicht den optimistischen Blick in die Zukunft. Die Bürgermeisterin machte vor allem klar, dass der Waldbröler Markt mehr als ein Handelsplatz und die Summe von Ständen sei, und zwar zu allen Zeiten. Seine Funktion als sozialer Treffpunkt und Anlaufstelle für das kurze Pläuschchen sei für das Stadtleben mindestens genauso wichtig, wie der eigentliche Tausch von Tieren oder Waren gegen Geld. „Und diese Begegnungen lassen sich eben nicht im Internet bestellen.“

Waldbröler Urgestein stellte 1100 Märkte auf die Beine

Dem konnte Marktmeister Günter Härting voll zustimmen und hatte auch gleich Anekdoten parat, aus 44 Jahren in dieser Funktion. Den Jubiläumsmarkt nutzten Bürgermeisterin Weber und Geschäftsführer Finke, um den 76-Jährigen nach rund 1100 organisierten Auflagen in die Vorstufe zum verdienten Ruhestand zu überstellen. Härtings Nachfolgerin wird Andrea Erbrecht-Winkels (46), die sich bereits für „Wir in Waldbröl“ engagiert, zusammen mit dem Urgestein die in diesem Jahr noch verbleibenden Märkte auf die Beine stellen und ab dem Jahreswechsel dann alleine Regie über den Waldbröler Handelsplatz führen wird.

Stichwort Zukunft: Dass die 2022 abgebrannte Markthalle durch einen multifunktionalen Neubau ersetzt wird, hat die Waldbröler Politik längst entschieden. Bürgermeisterin, Marktleitung, Architekt und Vertreter der Baufirmen nahmen das Jubiläum gestern zum Anlass, die ersten Spaten in den Boden zu stechen. Ab Anfang Oktober sollen dann Fortschritte erkennbar sein, berichtete Linus Wortmann, der die Neugestaltung des insgesamt fast 4800 Quadratmeter großen Marktgeländes geplant hat.

Bei einem Rundgang über den Markt zeichnete Larissa Weber später noch diejenigen Händler mit der Marktmedaille aus, die seit mindestens 30 Jahren in Waldbröl ausstellen – am Donnerstag waren das immerhin 20 Familien.