Am Jubiläumstag verabschiedet sich indes Marktmeister Günter Härting – nach 44 Jahren. Zudem wird der erste Spatenstich für die neue Halle getan.
JubiläumIn der Stadt Waldbröl feiert der Vieh- und Krammarkt sein 175-jähriges Bestehen

Diese Kaninchenbande wartet auf dem Vieh- und Krammarkt in Waldbröl auf ein neues Zuhause und liebevolle Zuwendung.
Copyright: Jens Höhner
Wiehernde Pferde, quiekende Ferkel, muhende Kühe – all das gibt es auf dem Vieh- und Krammarkt schon lange nicht mehr. Heute kräht dort noch das Federvieh, Kaninchen mümmeln an Grünzeug – am Donnerstag kommender Woche, 10. September 2026, wird die Waldbröler Institution 175 Jahre alt. Das wird natürlich gefeiert, ab 9 Uhr. Und nicht nur das: Auf dem Marktplatz setzt Bürgermeisterin Larissa Weber den ersten, symbolisch gemeinten Spatenstich für den Bau der neuen Markthalle.
Auch werden die Rathauschefin und Martin Finke von der „Wir für Waldbröl“-GmbH, diese richtet seit 2006 das Marktgeschehen aus, tief in die Historie blicken und 20 Händlerinnen und Händler ehren, die dem Markt besonders lange die Treue halten, nämlich seit mehr als 30 Jahren. Zu ihnen gehören Martina und Rainer Wannowius: Seit 33 Jahren brutzeln sie die legendäre Marktwurst.

In den 1950er, vielleicht auch in den 1960er Jahren, ist dieses Foto vom Vieh- und Krammarkt in Waldbröl entstanden. Dort wurden damals auch Schweine gehandelt.
Copyright: Fotostudio Groß Blotekamp (Archiv)
Allerdings ist dann auch die Zeit für einen großen Abschied gekommen: Nach fast 45 Jahren „mittendrin“ geht Marktmeister Günter Härting in den Ruhestand. „Das Wort ‚Marktmeister‘ habe ich nie gemocht“, bekennt der Mann aus Puhl. „Das klingt so, als sei ich etwas Besseres, hätte mehr gelernt als die anderen.“
Im kommenden Jahr übernimmt eine Waldbrölerin die Leitung des Marktgeschehens
Lieber erinnert sich der heute 76-Jährige daran, wie man sich einst vor dem Markt in einer Kneipe traf in fröhlicher Runde: „Wir haben erzählt und erzählt und erzählt – und manches Mal die Zeit vergessen.“ Da seien durchaus Freundschaften gewachsen. „Jeder Markt ist anders, das wird mir sehr fehlen.“
Im kommenden Jahr übernimmt eine Waldbrölerin Härtings Aufgaben, Larissa Weber und Martin Finke wollen sie am Donnerstag vorstellen: Ihr Name ist vielen bekannt, soll aber bis zum Tag des Jubiläums noch möglichst geheim bleiben. Es ist der 16. Oktober 1850, als die preußische Bezirksregierung dem Landrat des Kreises Waldbröl, Oscar Danzier, gestattet, zunächst zweimal im Jahr einen Viehmarkt abzuhalten. Der erste findet am 1. Mai 1851 satt – an einem Donnerstag übrigens, das ist auch heute noch der traditionelle Markttag.

44 Jahre lang hat Günter Härting (76) aus der Waldbröler Ortschaft Puhl den Vieh- und Krammarkt als Marktmeister geleitet. Jetzt geht er in den Ruhestand.
Copyright: Martin Finke
1860 dann gesellt sich der Kram hinzu: Das sind Dinge, die das Leben auf dem Land leichter und auch schöner machen. Zwischen 100 und 150 Stände zählt der Markt, in Spitzenzeiten lockt er rund 20.000 Schaulustige in die Stadt. Heute sind es nach Angaben von „Wir für Waldbröl“ etwa 60 Beschickerinnen und Beschicker, die ihre Waren auf dem Marktplatz oder entlang der Hochstraße ausbreiten.
Als diese im Oktober 2021 das 170-jährige Bestehen feiern wollen, macht ihnen Sturmtief Ignatz einen dicken Strich die Rechnung: Viele Händlerinnen und Händler reisen gar nicht erst an, andere machen prompt kehrt auf der Fahrt nach Waldbröl. Allein in der Markthalle – und dort nach den Corona-Regeln – findet ein bisschen Fest statt.
Ein Bergischer Dreiklang soll künftig Besucherinnen und Besucher in die Stadtmitte von Waldbröl locken
Im April des folgenden Jahres zerstört ein verheerendes Feuer die 1982 errichtete Halle. Die Pläne für den Neubau kommen aus dem Kölner Architekturbüro Form A und sie sehen nicht nur ein multifunktional nutzbares Zentrum für den Markt vor, sondern auch Räume für die Marktverwaltung und eine Touristen-Information sowie Platz für Partys.
Neugemacht wird auch der Marktplatz, und zwar nach den Entwürfen des ebenso in Köln ansässigen Planungsbüros Club L94, das einen Bergischen Dreiklang in der Stadtmitte setzen möchte: Schatten spendende Grüninseln, ein Spielplatz und Hufabdrücke im Pflaster – diese erinnern an einst, als da eben noch Pferde wieherten, Ferkel grunzten und Kühe muhten.
Marktzeit ist am kommenden Donnerstag, 10. September 2026, wie gewohnt von 7 bis 13 Uhr. Um 7 Uhr öffnet auch der Döörper Treff, Hochstraße 34, Hungrigen seine Türen, ab 11 Uhr wird die Marktsuppe serviert.