Ein Fachunternehmen macht die Reste der alten Markthalle dem Erdboden gleich, damit der Neubau kommen kann. Das Material wird wiederverwendet.
MarkthalleVon der Brandruine mitten in Waldböl sind jetzt nur noch Brocken übrig

Während der Bagger zubeißt und Mauerreste der alten Markthalle in Waldbröl wegknabbert, sorgt Jens Willkomm mit Wasser dafür, dass der Abbruch der Brandruine nicht zu viel Staub aufwirbelt.
Copyright: Jens Höhner
Krachend wird auch Stahl gefügig gemacht, mit ruhiger Hand faltet Marco Löhr eine lange Verblendung zu einem handlichen Paket und wuchtest dieses beiseite. Dem Knabberwerkzeug an Löhrs Bagger hält eben gar nichts Stand. Seit Montagmorgen, etwa 7 Uhr, sind der Mann und das 30 Tonnen schwere Werkzeug mitten im Waldbröl im Einsatz: Dort, wo einst die Markthalle stand, liegen schon am frühen Nachmittag nur noch Trümmer und Stahlteile. Der Abbruch der Brandruine hat begonnen, bis zum Ende dieser Woche soll auch der letzte Rest verschwunden sein. Im Mär war das Gelände dafür vorbereitet worden.
In den beiden vorausgegangenen Wochen hat das Fachunternehmen Rhiem und Sohn aus Erftstadt das Gebäude entkernt und Schadstoffe entfernt, lackierte Holztüren zum Beispiel, künstliche Mineralfasern und Eternitplatten – eben alles, was einst erlaubt war und heute tabu ist. Gerade geht‘s dort an die Mauern und an die Pfeiler – oder eben an das, was die verheerenden Flammen in der Nacht zum 25. April 2022 von der Halle übrig gelassen haben.
Mit der Brandruine fällt in Waldbröl auf dem Nachbargrundstück auch ein Wohnhaus
Auf gut 500 Quadratmetern dürfen Marco Löhr und seine vier Kollegen fast genau vier Jahre nach dem Feuer klein und kaputt machen, was sie dort und auf dem Nachbargrundstück vorfinden: Mit der Halle fällt an der Gerberstraße ein Wohnhaus, damit reichlich Platz ist für den Neubau.
„Das ist eine unserer kleinen Baustellen“, sagt Polier Uwe Weinhold, der Chef auf dem Trümmerfeld, während Jens Willkomm den Wasserschlauch auf Betonreste hält: Sonst weht beim Abbruch der Staub. „Alles, was wir zerlegen, wird weiterverwertet“, betont Weinhold. Betonbrocken aus der Marktstadt könnten also eine Wiedergeburt als Autobahn erleben. Noch auf dem Abbruchplatz wird alles sortiert.
„Wir hoffen, dass wir im Spätsommer oder im Herbst mit dem Arbeiten für die neue Markthalle starten können“, verrät Christoph Peikert vom Immobilienmanagement der Stadt Waldbröl. Etwas mehr als sieben Millionen Euro soll das vielfältig nutzbare Gebäude nach dem Willen der Stadtpolitik dann kosten. Peikert schätzt, dass dieses Anfang des Jahres 2028 steht. Rechnet man das übrige Marktgelände, das ebenso auf links gedreht wird, hinzu, so stehen unterm Strich insgesamt rund zehn Millionen Euro. Allein 460.000 Euro kostet der Abbruch.
Nicht nur für Bürgermeisterin Larissa Weber ist der Abbruch der Halle in Waldbröl auch etwas Emotionales
Nicht nur für Bürgermeisterin Larissa Weber ist das Verschwinden der alten Halle eine durchaus emotionale Sache. Am 1. Mai wird der Vieh- und Krammarkt 175 Jahre alt, 1982 entstand die Halle als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. „Der Abriss ihrer letzten Überreste ist ein Moment, der bewegt“, weiß Weber. „Viele Erinnerungen, Geschichten und Begegnungen sind mit diesem Ort verbunden.“
Doch die Rathauschefin betont auch, dass Traditionen gewahrt bleiben, da der Neubau ebenso ins Marktgeschehen eingebunden wird. „Was entsteht, ist erneut ein Ort, der Menschen zusammenbringt, der unsere Wirtschaft stärkt und neue Impulse im Stadtleben setzt.“ Schon im Juni des Brandjahres 2022 hatte die Verwaltung Pläne für eine neue Immobilie vorgelegt, die als Vorhaben der Regionale 2025 errichtet werden sollte.
Nur einen Monat später lagen die bereits auf Eis: Ein solches Millionenprojekt wollte die Politik nicht übers Knie brechen, damals drängten Förderfristen. Jetzt sind die Halle und ihr Umfeld beschlossene Sache. Ist sie fertiggestellt, wolle man umgehend auf dem weiteren Gelände arbeiten, sagt Christoph Peikert.
Der Brand in Waldbröl
Ein Feuer zerstörte 2022 in der Nacht zu Montag, 25. April, die alte Markthalle der Stadt Waldbröl, sie ging völlig in Flammen auf. Im Inneren verbrannten zudem die beiden Linienfahrzeuge des Bürgerbusvereins. Anwohnerinnen und Anwohner berichteten danach von mehreren Explosionen. Doch die Ursache konnte nach Angaben der Polizei nicht geklärt werden.
1982 war die Halle für den Vieh- und Krammarkt gebaut und erst 2019 von Grund auf saniert worden. 2022 war bereits klar, dass es einen Neubau geben wird.
