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ZeitlosSchauspielstudio Oberberg brilliert in Wiehl mit Schillers „Räubern“

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Die Schauspielerinnen Bärbel Stinner (links) und Gesa Dittmann auf der Bühne.

Zwei von zehn großartigen Darstellerinnen: Bärbel Stinner (l., hier als Bandenmitglied Spiegelberg) und Gesa Dittmann als Franz von Moor.

Anna Franziska Pflitsch vom Schauspielstudio Oberberg hat den Klassiker mit einem rein weiblichen Ensemble großartig inszeniert.

Im Grunde könnte die Theaterkritik zu Friedrich Schillers Drama „Die Räuber“, das am Wochenende im Theater an der Warthstraße Premiere hatte, so lauten: „Gehen Sie hin, es ist großartig!“ Doch möglicherweise wäre das ein bisschen kurzgefasst. Denn das, was Regisseurin Anna Franziska Pflitsch vom Schauspielstudio Oberberg da mit ihrem rein weiblichen Ensemble auf die Bühne bringt, ist nicht nur großartig. Es ist kraftvoll, emotional und laut. Es ist heroisch, diabolisch, verzweifelt und manchmal zum Lachen. Und es ist zeitlos.

Es geht um die ganz großen Gefühle

Denn welche Familie kennt nicht Konflikte unter Geschwistern? Wer hätte nicht schon einmal fatal falsche Wege eingeschlagen, um nicht mehr zurückzufinden? Wer hat nicht schon einmal dunkle Gedanken gehabt, verzweifelt geliebt? In „Die Räuber“ beschreibt Schiller einen Familienzwist, der zwei Brüder, Karl und Franz von Moor, letztlich auf unterschiedlichen Wegen zu Mördern werden lässt. Es geht um Schuld, Freiheit, Macht, Moral, Treue und Liebe.

Solange die Akteurin zu ihrer Rolle passt, wird sie das Publikum überzeugen.
Regisseurin Anna Franziska Pflitsch erklärt das rein weibliche Ensemble.

Als Anna Franziska Pflitsch erklärte, sie wolle das Drama von 1782 inszenieren, erntete sie zunächst ein „Das kriegen wir mit unserem Ensemble nicht hin“. Doch dann erläuterte sie ihr Konzept, das Stück ausschließlich mit Frauen zu besetzen und, wie Angela Harrock vom Vorstand sagt: „Es war sofort gekauft.“

Warum aber nur Frauen? Anna Franziska Pflitsch ist überzeugt, dass es in „Die Räuber“ nicht primär um das Geschlecht der Handelnden gehe. „Ihre inneren Kämpfe, die Konflikte sind geschlechterübergreifend. Solange die Akteurin zu ihrer Rolle passt, wird sie das Publikum überzeugen.“ Und genauso geschah es. Katrin Platzner, die als Karl von Moor Intrigen gegen Bruder Franz (Gesa Dittmann) und ihren Vater, Graf Maximilian (Bärbel Stinner), spinnt, ist wahrlich furchteinflößend, dabei in kurzen Sequenzen in ihrem Größenwahn fast lächerlich, dann wieder bemitleidenswert.

Gesa Dittmann spielt die Verzweiflung des verstoßenen Bruders Franz, der gleichermaßen Familie und Geliebte aufgeben muss, mit faszinierender Hingabe. Sie zeigt händeringend, wie schnell ein guter Mensch sich in einer Spirale der Gewalt verlieren kann, wie er zwischen der Liebe zu Amalia und dem Schwur, seine Räuber niemals im Stich zu lassen, zerrissen wird.

Auch die anderen Akteurinnen des zehnköpfigen Ensembles, die teilweise in sehr unterschiedlichen Doppelrollen auftreten, stellen einmal mehr unter Beweis, dass das Theater in Wiehl längst keinen Amateurstatus mehr hat. Paula Erdmann hat mit Amalia von Edelreich die einzige Frauenrolle und spielt zudem Räuber Razmann. Es ist spannend, zuzuschauen, wie sie sich in ihrer Frauenrolle von der um ihre Liebe Trauernden zur Emanzipierten wandelt, dann wieder den abgebrüht-grimmigen Räuber in den böhmischen Wäldern gibt. Untermalt wird das Ganze von der Musik von Queen, deren Texte und Theatralik einfach wunderbar zum Drama auf der Bühne passen.

Vielleicht passt der Satz also doch: Gehen Sie hin, es ist großartig!


Die nächsten Vorstellungen: Samstag, 31. Januar (19.30 Uhr), Sonntag, 1. Februar (18.30 Uhr), Theater an der Warthstraße, Karten für 14 (erm.: 9 Euro) bei Wiehlticket, Tel. (0 22 62) 99-285.