Norbert Reinkober nutzte den Termin im Oberbergischen, um hinterher mit Tochter Alessandra und Freundin Ava (beide 10) noch die Wiehler Tropfsteinhöhle zu besuchen. Aus Köln angereist war der Geschäftsführer des Verkehrszweckverbands go.Rheinland dafür mit dem Auto. Ohne den motorisierten Individualverkehr wird es auch in Zukunft nicht gehen, darüber waren sich die Beteiligten gestern einig, als sie für den symbolischen ersten Spatenstich zum barrierefreien Ausbau einer Bushaltestelle im Wiehler Dorf Morkepütz zusammenkamen.
Wofür dann der ganze Aufwand? Rund 40.000 Euro gibt die Stadt pro Bushaltestelle aus, den Großteil bekommt sie vom Land über den Zweckverband gefördert . „Es geht um gesellschaftliche Teilhabe“, sagt Norbert Reinkober. „Wir müssen auf eine älter werdende Gesellschaft reagieren.“ Das Busnetz und entsprechend modernisierte Haltestellen sollen gewährleisten, dass auch Menschen mobil bleiben, die nicht mehr selbst am Steuer sitzen können und wollen. Auch im ländlichen Raum, wie Reinkober betont.
„Auf einem sehr guten Weg“
Der Verbandsgeschäftsführer sieht die Stadt Wiehl hier „auf einem sehr guten Weg“. Go.Rheinland fördert schon das zweite Wiehler Haltestellenprojekt mit 90 Prozent der Kosten. 557.000 Euro gab es für die 29 Haltestellen, die bereits fertig sind. Nun bewilligte Reinkober weitere 616.000 Euro für die nächsten 17 Standorte. In Dreisbach sind die ersten beiden schon fertig. Bürgermeister Ulrich Stücker kündigte an, dass die Stadt nun den dritten Förderantrag vorbereitet, immerhin gibt es in Wiehl insgesamt 128 Bushaltestellen. Im Haushaltsplanentwurf für 2027 seien die erforderlichen Planungskosten schon eingebucht. Norbert Reinkober dämpfte die Erwartungen: „Die Baukosten steigen, die Mittel werden enger, der Fördertopf schrumpft.“ Aber Wiehl sei im Vorteil, da die schnellsten Antragsteller zum Zuge kommen. Andere Städte und Gemeinde hätten noch gar nicht angefangen. Insgesamt wurden in Oberberg im Zuge des aktuellen Verfahrens 18 Maßnahmen mit 9,89 Millionen Euro bewilligt.
Neue Standards: Was eine ausgebaute Haltestelle bietet
An der Morkepützer Straße gibt es in der Gegenrichtung bereits eine ausgebaute Haltestelle, an der man die neuen Standards ablesen kann. Der Bussteig ist großzügig bemessen, der Bordstein abgesenkt für einen schwellenlosen Zugang zu den Niederflurbussen. Die Pflasterung mit sogenannten Rippenplatten hilft Sehbehinderten bei der Orientierung. Üblich ist ein neues Wartehäuschen und eine bessere Beleuchtung.

Die andere Haltestelle ist fertig.
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Fachbereichsleiter Pascal Hilgenberg erläutert, dass eine Arbeitsgruppe bei der Ausbauplanung Prioritäten gesetzt hat. Die tatsächliche Nutzung laut Ovag-Fahrgaststatistik war das wichtigste Kriterium. Beliebte Haltepunkte wie der in Morkepütz hätten Vorrang gegenüber weniger frequentierten Einstiegsstellen wie beispielsweise im Uelpetal. Berücksichtigt wurde zudem die Bedeutung der Bushaltestelle bei der Schülerbeförderung.
Die städtische Inklusionsbeauftragte Astrid Wollenweber ergänzt: „Man muss auch den Zugang sehen. Wenn der Weg für einen Rollstuhlfahrer zu steil ist, nützt die barrierefreie Haltestelle wenig.“ Um solche Fragen zu klären, habe sie Menschen der Zielgruppe befragt, die solche Probleme aus ihrer Lebenswelt heraus am besten beantworten können.
ÖPNV als Beitrag zum Klimaschutz
Auch wenn es ganz ohne Auto nicht gehen wird: Bürgermeister Ulrich Stücker sieht die Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs als Beitrag der Stadt zum Klimaschutz. „Mit unserem Konzept wollen wir die Mobilitätswende voranbringen.“ Die Stadt kümmere sich um die Haltestellen, der Kreis als Verkehrsträger um die Busse. In der Pionierkommune Wiehl sei mit dem Monti, der auf Bestellung auch an der Morkepützer Haltestelle vorfährt, ein Angebot geschaffen worden, das nicht mehr wegzudenken ist.
Nicht zu vergessen: Die Stadt Wiehl und der Verein „Lebenspfade“ wollen Wiehl zur NRW-Musterkommune machen bei der Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen. Das Projekt „Wiehl enthindert“ wird über fünf Jahre mit einer Million Euro gefördert.
50 Wiehler Haltestellen gelten bereits als barrierefrei. Das Personenbeförderungsgesetz hat eine vollständige Barrierefreiheit zum Ziel. Die Stadt Wiehl will dem nahekommen, und nimmt die Unterstützung durch das Land gern in Anspruch. Bürgermeister Stücker sagt: „Wir freuen uns immer, wenn jemand einen Scheck mitbringt.“ (rtz)

